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Nach den Wahlen in UgandaArmeechef wünscht sich Ermordung des Oppositionsführers

Nach der Wahlniederlage gegen Präsident Museveni ist Ugandas Oppositionsführer Bobi Wine auf der Flucht. Jetzt jagt ihn Musevenis Sohn persönlich.

Simone Schlindwein

Aus Kampala

Simone Schlindwein

Auf sämtlichen Straßen, die aus Ugandas Hauptstadt Kampala hinausführen, herrscht derzeit Stau. Polizisten stoppen jedes Fahrzeug, jeden Lastwagen, jedes Motorrad. Sie suchen nach dem Oppositionsführer Robert Kyagulanyi, bekannt unter seinem Künstlername Bobi Wine.

Der 43-jährige Präsidentschaftskandidat der Partei NUP (National Unity Platform) hat vergangenen Donnerstag die Präsidentschaftswahl gegen Amtsinhaber Yoweri Museveni verloren, laut Wahlkommission mit 25 gegen 72 Prozent. Er nannte die Ergebnisse „gefälscht“.

Ugandas Armeechef und ältester Sohn des Präsidenten, Muhoozi Kainerugaba, eröffnete am Tag nach der Wahl per X die Jagd auf den Rivalen seines Vaters: „Ich gebe ihm genau 48 Stunden Zeit, sich der Polizei zu stellen. Sollte er dies nicht tun, werden wir ihn als Geächteten/Rebellen behandeln und entsprechend gegen ihn vorgehen.“ Am selben Tag umzingelten Polizisten und Soldaten Wines Haus in Kampala „Hubschrauber kreisten über uns“, berichtete Wine auf der Plattform X und sagte, ihm sei die Flucht gelungen. Zunächst hatten Gerüchte zirkuliert, der Oppositionsführer sei abgeführt worden oder in einem der geheimen Foltergefängnisse gelandet, in welchen in der jüngsten Vergangenheit Mitglieder seiner Partei NUP misshandelt wurden.

Doch dieses Mal war Bobi Wine offenbar vorbereitet. Am Samstagvormittag meldete er sich über soziale Medien aus einem unbekannten Ort zu Wort: „Du hast den Überfall auf mein Haus befohlen, um mir zu schaden!“, wandte sich der 43-Jährige direkt an Ugandas 51-jährigen Armeechef: „Ich habe dich mit deinen eigenen Waffen geschlagen und bin entkommen. Und da stehst du nun, von Angst und Panik ergriffen, und bestätigst deinen finsteren Plan gegen mich!“

Im Visier des Twitter-Generals

Kainerugaba, der seit Jahren als aussichtsreichster Nachfolger seines Vaters im Amt des Präsidenten gehandelt wird, ist afrikaweit berüchtigt für seine provokanten X-Posts. In Uganda wird er neckisch der „Twitter-General“ genannt. Mit weit über einer Million Followern auf X hat er in den vergangenen Jahren mehrfach für diplomatische Verwerfungen gesorgt. Er drohte unter anderem damit, dass seine Armee Sudan oder Kenia erobert.

Auch jetzt lässt er seinen Unmut auf X aus. Dabei ist das Internet in Uganda größtenteils lahmgelegt. Zwei Tage vor den Wahlen ließ die Regierung alles ausschalten. Erst am Sonntag, nach der Bekanntgabe der Ergebnisse, wurde das Internet teilweise wieder hochgefahren. Soziale Netzwerke wie X, Tiktok oder Whatsapp sind aber weiterhin blockiert. Die Sicherheitsorgane fürchten offenbar, Wine würde online zu Massenprotesten ausrufen, wie es in Kenia und Tansania geschehen ist.

Kainerugaba bestätigt in einem seiner feurigen Posts sogar die Vorwürfe der Opposition. Wine hatte in seiner ersten Videobotschaft aus seinem Versteck heraus gemeldet, dass am Wahltag 22 seiner Anhänger von Polizei und Militärs getötet worden seien – eine Zahl, die bislang von niemandem bestätigt worden war.

Prompt twitterte der Armeechef am Montagabend: „Wir haben seit letzter Woche 22 NUP-Terroristen getötet.“ Und es folgte eine eindeutige Drohung: „Ich bete, dass Nummer 23 Kabobi ist.“ In der Sprache Luganda ist das Präfix „ka“ eine Verniedlichung – Kabobi ist also der „kleine Bobi“.

Kainerugabas Ärger über Wines Abtauchen hat auch persönliche Gründe. Sein Vater Museveni hatte in den 1980er Jahren als junger Freiheitskämpfer aus dem Untergrund heraus eine Guerillaarmee aufgestellt, um Ugandas damalige Diktatoren hinwegzufegen. Jetzt soll er selber einen Oppositionsführer aufspüren, der ihm seinen möglichen zukünftigen Job streitig macht. Eine enge Kollaboration mit Kenia, Tansania und Ruanda hat Kainerugaba bereits im Vorfeld der Wahlen vereinbart, um Oppositionelle, die sich in die Nachbarländer absetzen, dingfest zu machen.

„Wie dem auch sei, ich werde wieder auftauchen, wann immer ich es will“, antwortet Wine. „Dann könnt ihr und euer Vater mit mir machen, was ihr wollt“, schreibt er und betont: „Das ist unser Land!“

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