Möglicher Nachfolger von Ali Chamenei: Der pragmatische Extremist
Iran bereitet sich auf den Tod Chameneis vor. Sein Vertrauter Ali Laridschani soll dann die Interims-Geschäfte übernehmen. Er ist ein echter Aufsteiger.
Nur knapp wurde laut Le Figaro Anfang Januar ein Komplott vereitelt, das darauf abzielte, den mächtigsten Mann Irans, Ali Chamenei, zu entmachten. Hinter dem Plan soll der frühere Präsident Hassan Rohani gestanden haben, der sowohl im Klerus als auch innerhalb der Revolutionsgarden über ein eng geknüpftes Netzwerk verfügt.
Gescheitert sei das Vorhaben am zweitmächtigsten Mann in Iran: Ali Laridschani, ein enger Vertrauter von Chamenei. Als ihm der Plan unterbreitet wurde, soll er seine Zustimmung verweigert haben – und ohne diese scheint in Teheran inzwischen kaum noch eine weitreichende Entscheidung möglich zu sein.
Nun hat der 86-jährige Chamenei seinen langjährigen Gefolgsmann laut einem Bericht der New York Times für den Fall seines Todes zum Interims-Entscheidungsträger bestimmt. Laridschani wäre dann offiziell der mächtigste Mann im Land – zumindest bis ein neuer oberster Führer bestimmt ist, der laut Verfassung der Islamischen Republik ein hochrangiger Kleriker sein muss. Wer ist der Mann, der künftig Irans Geschicke lenken soll?
Fulminanter Aufstieg
Der frühere Kommandant der Revolutionsgarden stammt aus einer einflussreichen Familie, die es während der Islamischen Revolution an die Spitze des neuen Staatsapparats geschafft hat. Sein Bruder Sadigh Laridschani war von 2009 bis 2019 iranischer Justizchef, ein weiterer Bruder, Mohammad-Javad Laridschani, ist ein enger Berater Chameneis.
Laridschani, der einen Master in westlicher Philosophie absolviert hat, war bereits Kulturminister, Leiter der staatlichen Rundfunkanstalt Irib und kandidierte fürs Präsidentenamt. Sein fulminanter Aufstieg an die Spitze der Macht begann aber erst im August 2025, als er zum neuen Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats ernannt wurde. Während Chamenei sich seitdem meistens in seinem Bunker versteckte, gewann der 67-jährige Laridschani stetig an Einfluss.
Der Oberste Nationale Sicherheitsrat wurde nach dem 12-Tage-Krieg zwischen Iran und Israel gezielt gestärkt, um im erneuten Kriegsfall die Handlungsfähigkeit des Regimes zu sichern. Das Gremium wurde so zur zentralen Schaltstelle zwischen Sicherheits-, Innen- und Außenpolitik des Landes.
Ultrakonservativ und rücksichtslos
Als dessen Sekretär beaufsichtigt Laridschani die Verhandlungen mit den USA, trifft ausländische Staatschefs wie Wladimir Putin – und er koordiniert die Repression im Inneren. Im Januar berichteten iranische Medien, der Präsident Massud Peseschkian habe Laridschani vorgeschlagen, den zweiwöchigen Internetblackout aufzuheben, da er der Wirtschaft schadete. Ohne Laridschanis Einverständnis scheint auch der Präsident machtlos zu sein.
Dass Chamenei ausgerechnet Laridschani zum neuen starken Mann im Machtgefüge der Islamischen Republik erhoben hat, ist kein Zufall. Laridschani profilierte sich in den vergangenen Jahren als ultrakonservativer und rücksichtsloser, aber zugleich pragmatischer Politiker, der im Ernstfall alles tut, was nötig ist, um die Islamische Republik zu erhalten.
Als die Iraner 2022 gegen die strengen islamischen Sittengesetze rebellierten, war es Laridschani, der ein lockereres Vorgehen der Behörden forderte, um neuen Protesten vorzubeugen – was vielen Hardlinern missfiel. Doch im vergangenen Januar, als Millionen Iraner das endgültige Ende der Islamischen Republik forderten, koordinierte Laridschani ein systematisches Massaker an Tausenden unbewaffneten Demonstranten.
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