Möbelmarkt in Kiel: Höffner lässt Umweltauflagen schleifen
Das Möbelhaus Höffner in Kiel hat fünf Jahre nach der Eröffnung immer noch nicht alle Umweltauflagen erfüllt. Der Gründer hat an die AfD gespendet.
Ein riesiger Einrichtungs-Großmarkt eröffnete 2021 am Westrand von Kiel: „Möbel Höffner“, eine Firma unter dem Dach der Krieger GmbH des AfD-nahen Unternehmers Kurt Krieger. Fünf Jahre später hat es immer noch nicht alle Umweltauflagen erfüllt, kritisieren Abgeordnete der Fraktion Die Linke/Die Partei in der Kieler Ratsversammlung.
Die Stadt verhandelt schon länger mit Krieger und drängt auf die Einhaltung der Zusagen. Aber die Vorgeschichte rund um den Bau des Marktes zeigt, dass das Unternehmen wenig Rücksicht auf Auflagen und Umweltschutz nimmt.
Das Grün am Kieler Stadtrand hatte von Anfang an schlechte Karten in der Auseinandersetzung mit dem Möbelriesen. Schon bevor überhaupt die Baugenehmigung erteilt wurde und während eine Initiative noch Unterschriften gegen die Ansiedlung des Unternehmens sammelte, ging es einer Kleingartensiedlung auf dem stadteigenen Gelände an den Kragen. 2013 erhielten Pächter:innen die Kündigung. Wer aushielt, berichtete von Vandalismus, das Wasser wurde zeitweise abgedreht.
Nach einem knapp ausgefallenen Bürgerentscheid erteilt die Stadt eine Baugenehmigung, die 2016 rechtskräftig wurde. 2018 stand fest, dass anstelle eines „Möbel Kraft“-Marktes, einem ursprünglich regionalen Unternehmen mit Sitz in Bad Segeberg, nun ein „Höffner“ am Kieler Westrand entstehen soll. Später entstand dann zusätzlich ein überdimensionaler Fahrrad-Markt, der anfangs nicht vorgesehen gewesen war. Alle diese Unternehmen gehören zum Krieger-Konzern.
Möbelhaus hat noch keine Fassadenbegrünung
Bei den Bauarbeiten rückte die Firma Krieger Bau mit „mit großem Gerät“ an, steht in der „gläsernen Akte“, die die Stadt über den Bau des Möbelmarktes anlegte. Raupenbagger zogen breite Fahrspuren durch das Gelände, „jahrzehntealte Strukturen von Strauchflächen, Mosaikstrukturen und Hecken sind dadurch zerstört“. Die Stadt zeigte das Unternehmen im Januar 2021 an. Die Staatsanwaltschaft schloss die Ermittlungsakten aber später, es gab kein Verfahren.
Bereits 2016 stellte die Stadt eine Liste von Ausgleichsmaßnahmen auf, die das Unternehmen erfüllen musste. Dazu zählen „Begrünungen, Baumpflanzungen sowie die Anlage und Pflege von Ausgleichsflächen“, teilt Rathaussprecher Arne Ivers mit.
Die meisten dieser Arbeiten seien abgeschlossen, aber eben nicht alle. „Dazu gehören unter anderem Teile der Fassadenbegrünung, die Nachpflanzung einzelner abgestorbener Bäume, die Anlage artenreicher Wiesenflächen sowie die Beauftragung eines Monitorings zum Artenschutz“, berichtet Ivers. „Auch bestimmte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen auf den Grünflächen müssen noch umgesetzt oder dauerhaft sichergestellt werden.“
Die Stadt stehe mit dem Unternehmen in Verhandlungen und „erwartet, dass die noch offenen Verpflichtungen zeitnah umgesetzt werden“. Es sei dabei aber zu berücksichtigen, dass einige Pflanzungen oder Pflegemaßnahmen aus fachlichen Gründen nur zu bestimmten Jahreszeiten erfolgen können.
Kurt Krieger hat der AfD Geld gespendet
Für Die Linke und Die Partei, die in der Kieler Ratsversammlung als „Die Fraktion“ zusammenarbeiten, ist das zu wenig. „Von Beginn an waren wir gegen die Zerstörung des Kieler Grüngürtels und haben an Herrn Kriegers Interesse am Umweltschutz gezweifelt“, sagt Fraktionschef Björn Thoroe (Linke). Ove Schröter (Die Partei) fordert die Stadtversammlung auf, „nicht länger als Bittstellerin aufzutreten, sondern diese Nichteinhaltungen mit allen ihr zur Verfügung stehenden Ressourcen zu sanktionieren“.
Kritisch sehen Thoroe und Schröter auch den Seniorchef des Krieger-Konzerns, Kurt Krieger. Der Milliardär kam im Februar nach einer Recherche des Redaktionsnetzwerks Deutschland in die Schlagzeilen: Er hatte demnach der AfD Chemnitz über eines seiner Unternehmen rund 18.000 Euro gespendet.
Auf eine Anfrage der taz zu den Vorwürfen, die Umweltmaßnahmen in Kiel nicht umgesetzt zu haben, gab es von „Möbel Höffner“ keine Antwort. Ein Blick auf die Homepage des Kieler Möbelhauses zeigt aber, dass das Unternehmen durchaus auf Grünzeug steht. Unter dem Motto „Kiel blüht auf“ findet Ende März ein besonderer Tag im Möbelmarkt statt. Es gebe Blumen-Workshops – und sogar eine Waldfee werde anwesend sein, steht auf der Homepage. Allerdings geht es nicht um Naturschutz, sondern nur um einen Sonderverkauf am Sonntag.
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