Mit der Pandemie leben: Jugend in der Krise

Das Leben auf Abstand: hat die Coronakrise den Jugendlichen aufs Gemüt geschlagen? Vier Protokolle von jungen Menschen.

Jugendliche symbolisch mit vier Silhouetten

Eine bewegte Jugend eben Foto: dpa

„Lernen, mit der Belastung umzugehen“

Dank der Coronazeit fühle ich mich jetzt gut fürs Abi vorbereitet – weil wir lernen mussten, uns den Schulstoff selbstständig beizubringen. Aber das war nicht einfach. Dass es mir am Ende doch etwas nützen würde, hätte ich zu Beginn nicht gedacht. Als Mitte März die Schule plötzlich zumachte, waren ich und alle in meiner Klasse überfordert.

19 Jahre, geht auf die Rütli-Schule Neukölln.

Der Unterricht fand über Zoom, App oder per Mail statt. Für manche Fächer funk­tio­nierte das super, etwa Spanisch oder Kunst. Bei anderen Fächern lief es nicht so gut. Insgesamt mussten wir so viele Hausaufgaben machen wie nie zuvor. Gleichzeitig hatten wir Angst um unsere Noten – und was das für unser Abitur bedeuten könnte.

Weil die Schulaufgaben kaum zu bewältigen waren, startete ich mit meinen Freundinnen zu Beginn der Quarantäne eine Onlinepetition. Unter dem Titel „Wir sind keine Roboter!“ sammelten wir 69 Unterschriften. Während dieser Zeit fand eine Lagebesprechung mit den Lehrern in der Schule statt, wo wir uns alle darüber austauschen konnten, wie es uns in der Coronazeit geht. Anschließend wurde die Belastung zwar nicht wirklich, wie angekündigt, weniger, aber wir lernten, besser damit umzugehen. Meine Freundinnen und ich starteten eine Lerngruppe: Ich half den anderen bei Mathe, dafür bekam ich Hilfe bei Deutsch und Geschichte. Mittlerweile lachen wir über unsere Petition.

Nicht jeder in meiner Klasse hat zu Hause ein eigenes Zimmer, das erschwert das Homeschooling. Auch ich teile mir ein Zimmer mit meinen Geschwistern. Mein Tagesablauf war auf einmal auf den Kopf gestellt. Normalerweise ging ich früh aus dem Haus, weil ich einen langen Schulweg aus Marzahn nach Neukölln habe. Nach der Schule war ich meistens verplant: Schwimmkurs, Badminton, Freunde treffen oder verschiedene Workshops – ich hatte eigentlich immer etwas vor.

Dass ich während der ­Coronazeit mehr Zeit mit meiner Familie verbringen konn­te, war schön. Wir frühstückten immer gegen 8 oder 9 Uhr zusammen. Anschließend machte ich bis circa 15 Uhr meine Schulaufgaben auf meinem Bett. Nach dem gemeinsamen Mittagessen machte ich wieder bis 18 oder 19 Uhr Aufgaben für die Schule. Abends schauten wir öfter Filme oder spielten Karten. Außerdem half ich im Haushalt, beim Kochen und manchmal meinen Geschwistern bei ihren Onlineschulaufgaben.

Seit ein paar Wochen können wir endlich wieder in die Schule gehen, das freut mich. Nicht nur wegen des Unterrichts, sondern auch, weil ich meine Freunde wiedersehen kann. Zurzeit habe ich nach der Schule mehr Zeit für mich als vor der Coronazeit. Denn Sportkurse und Workshops sind abgesagt.

Ich würde gerne irgendwann mal als Kamerafrau und Künstlerin arbeiten. Denn während der Quarantäne habe ich manchmal den ein oder anderen kleinen Film geschnitten, das hat Spaß gemacht. Mein absoluter Traumberuf ist aber Astronautin. Das wollte ich früher schon werden, als ich noch in Afghanistan lebte. Wegen dem Gefühl: einfach weg von der Erde und allem zu sein! Die Welt von oben zu sehen – das muss toll sein.

Protokoll: Sophie Schmalz

„Engagement bringt immer was“

*Der Name wurde auf Wunsch der Interview­partnerin ­geändert, da sie Ärger mit Nazis und der Polizei befürchtet. Sie ist 17 und wohnt in Prenzlauer Berg.

Ich habe gerade Abitur gemacht und wollte ein paar Monate auf Reisen gehen, meine Freunde in anderen Ländern besuchen, vor allem in Europa, aber auch in Südamerika und Asien. Daraus wird erst mal nichts wegen Corona. Ich kann mich aber noch nicht entscheiden, was ich studieren will, ich schwanke zwischen Neurowissenschaften und Jura. An Jura interessiert mich vor allem die Rote Hilfe, ich bin nämlich aktiv in einer linken Jugendgruppe.

Jetzt suche ich mir erst mal einen Nebenjob. Ich habe mir auch überlegt, ob ich eine Ausbildung zum Rettungssanitäter mache, die dauert drei Monate – um praktische Erfahrungen zu sammeln vor dem Studium. Und man kann ja auch noch andere Sachen probieren, vielleicht ein Praktikum bei einer Non-Profit-Organisation. Man muss halt flexibel sein.

Aber ich kenne auch viele Freunde, die einen Plan hatten für die nächste Zeit und sich jetzt sehr unsicher fühlen, weil das nicht mehr geht. Bei mir ist das nicht so, vielleicht weil ich erst 17 bin – ich habe noch genügend Zeit. Ich bin allerdings auch sehr privilegiert, kann mir Zeit nehmen mit allem, und ich weiß, dass ich von meiner Familie unterstützt werde. Überhaupt geht es uns ja weiterhin sehr gut in Deutschland, wir leben in einer sehr privilegierten Situation, wenn man das mit anderen Ländern vergleicht.

Die Arbeit in der Jugendgruppe will ich auf jeden Fall weitermachen. Wir sind eine selbst organisierte linke Gruppe, machen Sachen gegen Gentrifizierung, gegen Klimawandel und Klassismus; wir organisieren Demos, Kundgebungen, machen Kiezradio, versuchen mehr SchülerInnen einzubeziehen.

Ich finde, unsere Generation ist schon sehr politisch. Auch durch Social Media findet ständig ein Austausch statt, man kann viele Leute erreichen. Ich glaube, Jugendliche haben eigentlich so viel Macht, auch durch SchülerInnenrechte, Schülerparlamente, aber das wird teilweise nicht ausgenutzt.

In unserer Jugendgruppe arbeiten wir teilweise auch mit Fridays for Future zusammen, Klimaschutz ist natürlich ein großes Thema unserer Generation. Gerade ist es leider durch Corona etwas untergegangen, obwohl die Bewegung ja weitermacht, es finden Aktionen statt, Kooperationen mit Ende Gelände, die Webinare. Wir sind ja die Generation, die in der Digitalisierung aufgewachsen ist. Dadurch kann der Austausch weiterhin stattfinden, nur eben online, es wird viel ausprobiert, unser soziales Netzwerk wird weiter ausgebaut. Aber das kann auch sehr anstrengend sein, weil einem ständig so viele Themen zufliegen, man lebt in einem ständigen Strom von Informationen.

Vielen, die ich kenne, macht das große Sorgen. All diese Probleme auf der Welt: Klimawandel, das Flüchtlingsthema, die Aufstände gerade in Amerika, Hanau, der Rechtsextremismus, die Polizeigewalt. Hilflosigkeit und Weltschmerz sind darum sicher auch zwei Gefühle, die in unserer Generation weit oben stehen. Ich glaube aber, Engagement bringt immer was, auch wenn es immer ein längerer Prozess ist. Man muss Stellung beziehen. Aber es ist krass zeitaufwendig, sich mit vielen Dingen zu beschäftigen.

Man könnte aus der Krise jetzt viel machen, sie hat vieles zutage gebracht, was schiefläuft und man ändern könnte – und müsste. Es ist eine spannende Zeit, zu sehen, wie die Politik jetzt handelt. Ob beim Gesundheitssystem oder beim Klima. Ich denke, wir leben schon in einer „besonderen“ Zeit – aber nicht im positiven Sinne. Viele Probleme, die es schon lange gibt – wie Rassismus oder so­zia­le Ungleichheit – spitzen sich gerade immer mehr zu.

Protokoll: Susanne Memarnia

„Angst hatten wir nur manchmal“

12 und 13 Jahre, kennen sich aus der Grundschule und sind jetzt an zwei unterschiedlichen Berliner Oberschulen in der 7. Klasse. Sie sind beste Freundinnen.

Anfangs haben wir die Krankheit nicht so ernst genommen. Ich, Iremnur, hab das zum ersten Mal in den türkischen Nachrichten gesehen, dass es Corona gibt, als es in China losging. Wir haben beide nachgeguckt, was die Symptome sind, und zwischendurch dachten wir auch kurz, dass wir das haben. Unsere Eltern haben teilweise voll die Panik geschoben: Melis’ Baba ist komplett ausgeflippt und hat alles Mögliche eingekauft. Küchenrollen, Klopapier und Konserven mit Rotkohl und einen Fünfkilosack Bulgur. Meine Mutter hatte voll Coronapanik und sich ständig die Hände gewaschen und ganz viel Desinfektionsmittel gekauft.

Wir lesen beide keine Zeitungen, aber unsere Eltern gucken Nachrichten, auch türkische, und wir hören das ja dann mit. Und wir lesen viel über das Handy über Corona. So richtig ernst haben wir es erst genommen, als in der Märzwoche noch darüber gestritten wurde, ob jetzt die Schulen schließen sollen und Melis’ Mom gesagt hat, dass sie sie nicht hinschickt, wenn die Schulen nicht geschlossen werden.

Angst hatten wir nur manchmal. Mein Vater arbeitet im Krankenhaus und könnte sich anstecken. Etwas Angst hatte Melis auch am Anfang, dass ihr Vater seine Stelle verliert oder weniger arbeitet und kein Geld verdient. Unsere Eltern wurden auf Corona getestet, da hatten wir auch Angst um sie, aber der Test war zum Glück negativ, niemand in unserem direkten Umfeld hatte bis jetzt Corona.

In den letzten Wochen sind wir fast nie rausgegangen, Melis und ich haben jeden Tag stundenlang telefoniert. Wir haben uns über unsere Hausaufgaben unterhalten und uns gegenseitig aufgebaut. Ich habe mich in einem Unterrichtsfach sehr angestrengt, Melis ist meine Zeugin, ich musste so viel in dem Fach nachholen. Meine Schwester hat mir oft geholfen und mein Vater auch, in Mathe. Ich konnte zum Glück am Computer meiner Schwester arbeiten, den sie aber auch benutzen musste, weil sie ihre Masterarbeit schreibt. Melis hat ihre Aufgaben am Laptop ihrer Mutter gemacht und musste sich am Anfang noch einen Drucker mit Scanner kaufen, weil die Arbeitsblätter ausgedruckt werden mussten. Mein Lehrer hat zweimal in der Woche angerufen und hat immer alles erklärt und die Arbeitsblätter mit der Post nach Hause geschickt. Wir haben uns beide verbessert, weil wir die Aufgaben selber einplanen und in Ruhe machen können.

Uns fehlen die Freundinnen aus unseren Klassen, aber einige haben sich gar nicht mehr gemeldet, das sind wohl keine wahren Freunde. Bei mir zu Hause war es zwischendurch anstrengend, weil ich mir mit meinen Geschwistern ein Zimmer teile. Meine Mutter hat mir erlaubt, in ihr Zimmer zu gehen, wenn ich mal Ruhe brauche. Melis hat ihr eigenes Zimmer. In diesem Jahr fahren wir beide nicht in den Urlaub. Für Melis ist das trauriger, weil ihre Großeltern in der Türkei leben und sie sie nicht anstecken will und auch nicht angesteckt werden will.

Was uns fehlt? Freunde treffen und shoppen. Manchmal hatten wir Tage, wo wir ziemlich unmotiviert waren. Melis’ Mutter zwingt sie dann, wenigstens spazieren zu gehen, mir fehlt der Sport und das Schwimmengehen. Das Gute ist, das wir jetzt beide gelernt haben, wie man sich in einer Pandemie verhält, und falls mal irgendwann noch eine Pandemie auftaucht, sind wir vorbereitet. Was wir noch sagen wollten: Ich fand es gut, dass man keine unnötigen Sachen kauft und nur das, was man braucht. Aber für viele alte und einsame Menschen war das bestimmt eine nicht so schöne Zeit, weil sie ihre Kinder oder Enkel nicht sehen konnten.

„Mit Erspartem über Wasser halten“

25 Jahre, arbeitet nun als Praktikant in der Redaktion anstatt in seinem Neuköllner Homeoffice.

Mit dem Lockdown veränderte sich nichts an meinem Berufsalltag. Genau das war mein Problem. Als freier Journalist arbeite ich seit Jahren im Homeoffice. Wobei Office ein Euphemismus ist. Oft ist mein Arbeitsplatz bloß das Bett, nur für Interviews setze ich mich an meinen kleinen Schreibtisch.

Schon vor Corona wusste ich: Ich will da raus. Ein Praktikum sollte endlich Veränderung bringen. Morgens das Haus verlassen, einen eigenen Platz in der Redaktion haben, mit Kolleg*innen über das Kantinenessen lästern. Doch noch bevor ich das Praktikum beginnen konnte, kamen die Ausgangsbeschränkungen. Und ich saß noch immer allein in meinem WG-Zimmer.

Neu war, dass mein Terminkalender täglich leerer wurde. Freiberufliche Aufträge hatte ich vorausschauend abgelehnt. Ich wollte ja bereit sein für den neuen Arbeitsalltag in der Redaktion. Stattdessen drehte sich nun alles um die erzwungene Häuslichkeit. Was sollte ich nun tun mit dieser unfreiwillig gewonnen Zeit? Ich entschied mich für etwas, wozu ich im Homeoffice nie kam: rausgehen und lesen. Ein ambitioniert hoher Bücherstapel war schnell bestellt, eine sonnige Treppe am Landwehrkanal rasch gefunden.

In den folgenden Lockdown-Wochen haben ich dann so viel gelesen wie wohl noch nie in meinem Leben. Sogar zu meinen älteren ungelesenen Büchern bin ich endlich gekommen: Ein halbes Jahr stand Deniz Yücels „Agentterrorist“ in meinem Regal, gelesen habe ich es letztendlich an einem Tag. In den Werken des Kulturtheoretikers Mark Fisher bin ich wiederum jede Zeile so sorgfältig durchgegangen, dass ich oft nur wenige Seiten geschafft habe.

Insgesamt habe ich zwei Textmarker und unzählige bunte Klebezettel während des Lockdowns verbraucht. Und wenn ich vom Lesen mal genug hatte, konnte ich meinen Blick über den Kanal schweifen lassen und die Reiher bei ihrer Jagd beobachten.

Kein Frage, so idyllisch waren die Wochen vor allem auch deshalb, weil ich in einer entspannten Situation war. Ein befreundeter Veranstaltungstechniker erzählte mir am Telefon, er hätte alle Aufträge für die Festivalsaison verloren. Auch erreichte mich die Nachricht, dass der Opa einer Freundin an Corona gestorben war. Das waren alles Schicksalsschläge und Sorgen, die ich mir zum Glück nicht machen musste. In meiner Familie waren alle gesund, und mein Erspartes konnte mich im Lockdown über Wasser halten. Als ich nach zwei Monaten dann die E-Mail bekam, dass ich mein Praktikum endlich beginnen kann, war ich fast ein bisschen enttäuscht. Ausgerechnet Corona hatte mir einen Frühling beschert, in dem ich so viel draußen war wie nie.

Jannis Hartmann

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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