Freiberufler in der Coronakrise: Die Solokämpfer

Anfang April hatten wir Soloselbstständige befragt, wie sie die Corona-Krise überstehen. Wie geht es ihnen sechs Wochen später?

Martin Kaltenmaier darf seine Bar noch nicht wieder öffnen Foto: Amélie Losier

Der Kneipenwirt

„Meine Sorgenfalten werden tiefer, meine Leichtigkeit und mein Vertrauen in die Politik schwinden zunehmend. Die Hilfsbereitschaft des Staates und des Vermieters lässt nach, ich fange an, Schulden zu machen. Zu lange Zeit hat man von der Politik gar nichts zur Gastronomie gehört – abgesehen von der Absenkung der Mehrwertsteuer für Speisen, die uns als Kneipe ohne Essensangebot nicht betrifft. Dann kamen die Lockerungen vorletzte Woche und mit ihnen die Hoffnung, dass in Berlin nicht nur die Restaurants wieder öffnen dürfen, sondern auch die Kneipen. Aber leider vergebens, wir müssen noch warten.



Ich finde, zum Leben gehört auch Selbstbestimmung. Keiner hat ein Recht auf ewiges Leben, aber alle haben ein Recht auf ein würdiges Leben. Man kann Menschen nicht so lange einsperren oder in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken. Ich leugne nicht das Virus und finde es furchtbar, wie gerade die Verschwörungstheoretiker auf den Plan treten. Aber ich möchte trotzdem daran erinnern, dass wir auch jedes Jahr mit vielen Malaria­toten und, wegen des Klimawandels, Hitzetoten leben müssen. Ganz zu schweigen von den Verkehrstoten. Daran verdient Deutschland mit, der Verkauf von Autos wird nicht beschränkt. Wir haben hier mit viel Glück und gutem Willen Bergamo verhindert. Jetzt müssen wir aufpassen, dass wir das Kind nicht mit dem Bad ausschütten. Wenn man den wirtschaftlichen Ruin von Millionen hinnimmt, dann setzt man auch deren Gesundheit aufs Spiel.



„Selbst wenn die Kneipen demnächst wieder aufmachen dürfen, rechne ich für die Tomsky Bar in diesem Jahr nicht mehr mit Normalbetrieb“

Der Ausblick ins restliche Jahr stimmt mich nicht gerade hoffnungsvoll. Selbst wenn die Kneipen demnächst wieder aufmachen dürfen, rechne ich für die Tomsky Bar in diesem Jahr nicht mehr mit Normalbetrieb, den ich bräuchte, um vernünftig wirtschaften zu können. Meine Mitarbeiter bekommen zwar Kurzarbeitergeld, aber das ist für Menschen, die in der Berliner Gastronomie arbeiten und auf Trinkgeld angewiesen sind, viel zu wenig. 

Ein Silberstreif am Horizont ist das Crowdfunding für die Tomsky Bar im Internet, das bis vor vier Wochen lief. Außerdem dürfen wir jetzt Außer-Haus-Verkauf machen. Finanziell ist das ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber es kommen viele Leute, Spender und Stammgäste. Diesen Rückhalt im Kiez zu spüren ist sehr wichtig für uns.

Ich würde mir wünschen, dass wir bald wenigstens ein paar Tische rausstellen können. Und dass man, wenn die ersten drei Monate um sind, noch mal Hilfe vom Bund beantragen kann.“

Martin Kaltenmaier, 52, Betreiber der Tomsky Bar in Prenzlauer Berg

Die Musikerin

Ira Göbel Foto: privat

„Die Musikschulen öffnen langsam, und es kann bald wieder losgehen. Ich kann mir aber vorstellen, dass einige SchülerInnen bis zu den Sommerferien lieber Onlineunterricht machen möchten, deshalb biete ich das weiterhin an. Ich bin aber nicht nur Klavierlehrerin, sondern auch Sängerin. Beim Hamburger Label Audiolith Records veröffentliche ich unter dem Namen Ira Atari Elektropop, und ich gebe Konzerte. Mitte April haben wir meine neue Single „Berlin Berlin“ veröffentlicht. Es geht ums Fahrradfahren, um Tinder und um Panik­attacken, den ganz normalen Wahnsinn eben. Ich merke aber, dass die Welt gerade heruntergefahren ist und der Song definitiv mehr HörerInnen verdient. Ich denke, er wird seinen Weg finden, nur eben ein bisschen später.

Um die Musikbranche mache ich mir Sorgen, auch weil der gesamte Festivalsommer abgesagt wurde. Die MusikerInnen, Bookingagenturen, Clubs, VeranstalterInnen und teilweise auch Labels leben vor allem von Konzerten. Ich hoffe, dass sie diese Zeit unbeschadet überstehen, denn der Verlust von Kultur stellt auch eine Gefahr für die Demokratie dar.

Bei den Lockerungsdiskussionen fand ich sehr bezeichnend, dass zunächst nur Einrichtungen, die öfter Männer interessieren, geöffnet wurden: Baumärkte, Autohäuser, Bundesliga. Keine Kitas, obwohl das auch früher gegangen wäre, wenn man gewollt hätte. Daran merkt man, dass die Ministerämter meist von Männern besetzt sind. Hinter den Kulissen wird die Frau in der Coronazeit leider zurück in alte Geschlechterrollen gedrängt. Das habe ich auch daran gemerkt, dass fast immer die Mütter darauf geachtet haben, dass der Onlineklavierunterricht stattfinden kann.

Wir bekommen gerade eine einmalige Chance, alles zu überdenken und es in Zukunft besser zu machen, unser Leben zeitgemäßer, menschlicher und klimafreundlicher zu gestalten. Alle sollten diese Chance nutzen. Ich bin froh, dass die Politik – besonders der Berliner Senat – meiner Berufsgruppe so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat. Die 5.000 Euro Soforthilfe waren kurzfristig eine große Hilfe. Ohne die wäre dieser Text wahrscheinlich düsterer ausgefallen und mein Schlaf weniger ruhig. „Berlin Berlin, you (still) make me feel like a queen“ – eine Zeile aus meinem neuen Song.“

Ira Göbel, 42, freischaffende Musikerin und Klavierlehrerin

Die Fitnesstrainerin

„Es ist immer wieder erstaunlich, wie anpassungsfähig der Mensch ist. Ich habe mich an die Situation gewöhnt, wahrscheinlich auch, weil ich ja nichts daran ändern kann. Aber es fühlt sich überhaupt nicht gut an!

Sylvia Beckmann Foto: privat

Ich arbeite als Bewegungstherapeutin im Pflegeheim und als Fitness- und Gesundheitstrainerin im Fitnessstudio. Im Moment weiß wirklich niemand, wann es in meinem Bereich und insbesondere im Reha­sport wieder losgehen kann. Für die Studios gibt es in Berlin noch keine verbindlichen Aussagen, schon gar nicht für Gruppenkurse und erst recht nicht für Rehasportkurse. Im Grunde genommen betrifft Rehasport ja die Risikogruppe Nummer eins. Für viele Studios ist Rehasport aber eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle. Sollte diese im Rahmen der Coronakrise einbrechen und der Lockdown für die Studios bestehen bleiben, sehe ich schwarz.

Soforthilfe im März Bislang hat die Investitionsbank Berlin vier Hilfepakete geschnürt. Soforthilfe II war für Kleinst­unternehmer, Freiberufler und Selbstständige mit bis zu 5 Beschäftigten konzipiert. Bis zum 1. April konnten diese 5.000 Euro aus Landesmitteln beantragen. Bisher wurden an 208.000 der 240.000 Antragssteller 1,8 Milliarden Euro ausgezahlt.

Soforthilfe im Mai Einige Berliner Kreative werden auch von Soforthilfe IV profitiert haben, die sich an Unternehmen aus dem Kultur-, Kreativ- und Medienbereich richtete und vom 11. bis 15. Mai beantragt werden konnte. Das Paket hat ein Volumen von 30 Millionen Euro, bis zum 14. Mai lagen der Investitionsbank 128 Anträge vor, genauere Zahlen gab es bis Redaktionsschluss nicht.

Andere Soforthilfen Soforthilfe III war vor allem für Angestellte gedacht, deren Unternehmen nur eingeschränkt arbeiten. Soforthilfe V startet am 18. Mai und richtet sich an Unternehmen des gewerblichen Mittelstands ab 11 Beschäftigten. Im Mittelpunkt stehen Tilgungszuschüsse zum Schnellkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau. (taz)

Schon jetzt haben viele Mitglieder sowohl in den Vereinen als auch in den Fitnessstudios gekündigt, und wir rechnen mit weiteren Austritten. Das hätte verheerende Auswirkungen auf die Berliner Sportlandschaft. Ich fände es sinnvoll, wenn die Politik da ein Zeichen setzen könnte, beispielsweise entscheiden, dass man die Beiträge steuerlich geltend machen kann, um den Mitgliedern eine kleine Perspektive aufzuzeigen.

Sport treiben mit Maske ist natürlich blöde. Man bekommt schlechter Luft und schwitzt eher. Duschen ist nicht möglich, Abstandsregeln sind verpflichtend, Hygienemaßnahmen müssen eingehalten werden. Sinnvoll wäre, jeder Teilnehmer brächte seine eigene Matte mit. Dazu kommen die Reduzierung der Gruppengröße und eine Regelung der Teilnahme an den Kursen. Alles nicht einfach und eine Herausforderung für Teilnehmer, Trainer und Betreiber, aber machbar und dringend erforderlich für unser ­physisches, psychisches und existenzielles Wohlergehen.

Die Soforthilfe war wunderbar, aber wenn in absehbarer Zeit nichts passiert, dann halte ich höchstens noch zwei, drei Monate durch. Danach müsste ich an die eisernen Reserven wie die Lebensversicherung gehen. Und ich weiß auch nicht, welche meiner Arbeitsplätze dann noch existieren. Trotzdem halte ich uns alle für kreativ genug, Lösungen und Alternativen zu finden, denn die Rückenschmerzen werden ja nicht weniger.“

Sylvia Beckmann, 56, freie Fitnesstrainerin

Der Ladenbesitzer

„Ich hatte gerade damit angefangen, unsere Terrasse neu zu bauen, als die Nachricht kam, dass kleine Läden wieder öffnen dürfen. Das kam mir eigentlich etwas zu plötzlich. Seit 23 Jahren habe ich meinen Spielzeugladen für Neues und Recyceltes. Und es hat sich mit der Zeit viel Arbeit angesammelt: unendlich viele kleinere und größere unerledigte Aufgaben. Ich wollte noch so viel sortieren, aufarbeiten, ausmisten! Also mit der absoluten Ordnung wird’s wohl erst mal wieder nichts. Ich habe mich wie immer komplett übernommen!

Zuerst hatte ich den Laden erst mal nur an zwei Tagen geöffnet, aktuell öffne ich an vier Tagen die Woche. Meine drei Kinder gehen alle noch nicht wieder in die Schule und den Kindergarten. So kann ich noch nicht Vollzeit arbeiten – und meine Mitarbeiterin ist auch noch in Kurzarbeit. Dabei ist gerade schon recht viel Bewegung im Laden, Kunden rufen an, die wissen wollen, wann geöffnet ist, man rennt viel hin und her. Ich versuche dennoch, ein bisschen von der Ruhe, die diese Krise mit sich gebracht hat, beizubehalten.

Philipp Schünemann in seinem Spielzeuggeschäft Foto: Amélie Losier

Ich bin nach wie vor der Meinung, man muss die Coronakrise auch als Riesenchance sehen: dass die Leute mal innehalten, dass das Leben komplett entschleunigt wurde, die Natur Luft holen konnte – dass man mal Zeit hat, über Sinn und Unsinn des hektischen und konsumgetriebenen Lebens nachzudenken. Ich hoffe sehr, dass in vielen Bereichen und an vielen Orten – wie jetzt zum Beispiel in Brüssel – radikale Maßnahmen für den Umweltschutz umgesetzt werden. Dass die Menschen aufwachen, Initiativen ergreifen, nicht den Kopf in den Sand stecken. Auch wenn es schwere Zeiten sind. Andererseits fürchtet ein Teil von mir, dass die Menschen, wenn die Krise überstanden ist, genauso weitermachen wie vorher.

Wenn noch eine Soforthilfe käme, würde ich diese natürlich dankend annehmen. Sicherheitshalber. Aber ich denke und hoffe, ich komme auch so einigermaßen über die Runden. Ich pfeife noch nicht aus dem letzten Loch.

Ich freue mich sehr über meine Kunden, die Verständnis dafür haben, dass ich verkürzte Öffnungszeiten habe, dass ich nichts oder nicht viel für die kistenweise angeschleppten Spielzeuge zahlen kann, dass sich einige Reparaturaufträge ewig hinziehen und so weiter. Dass sie nicht an den Preisen herumnörgeln von Dingen, die im Internet vielleicht billiger sind, dass sie überall Werbung für mich machen. Diesen vielen Menschen, die mich und mein Projekt unterstützen, danke ich sehr!“

Philipp Schünemann, 50, Inhaber von Onkel Philipp’s Spielzeugwerkstatt in Prenzlauer Berg

Die Coachin

„Bei mir ist nach wie vor an jedem Tag ein bisschen was von allem dabei. Mein Geschäftsmodell ruht normalerweise auf verschiedenen Säulen. Ich biete Rhetorik- und Konfliktmanagement­seminare bei Bildungsträgern an. Ich berate Teams und ­Einzelpersonen, bilde Coachs aus, bin auf Seminar­reisen, die als Bildungsurlaub anerkannten werden, dabei und vermiete Räume an Trainer und Coachs. Nach dem aktuellen Beschluss habe ich nun alle Seminare und Ausbildungen, die ich Anfang April noch hoffte geben zu können, abgesagt – und gehe jetzt davon aus, dass es im August wieder losgeht und ich meinen Beruf wieder offline und weniger online ausführe.

Das Einzige, was ich nach wie vor uneingeschränkt neben Homeschooling und Sicherheitsmaßnahmen umsetzen kann, sind Einzelcoachings. Die Nachfrage nach Einzelberatungen steigt wieder. Vielen Menschen geht es einfach nicht gut, unsichere Perspektiven zeigen Wirkung.

Sandra Szaldowsky Foto: privat

Grob überschlagen, hatte ich im April 1.500 Euro Einnahmen. Das war mehr als erwartet, deckt aber meine Unkosten nicht. In normalen Zeiten habe ich das Dreifache an Einnahmen. Ich bin sehr froh, dass mein Partner in seinem Beruf nur wenig von der Krise betroffen ist, da wir so unsere Miete und unsere laufenden Kosten als Familie weiterhin decken können.

Was mich zunehmend verstört, ist, dass jeder etwas anderes über das Virus sagt und dass nach wie vor auf der Grundlage wenig verlässlicher Daten argumentiert wird. Ich finde die aktuelle Informationspolitik widersprüchlich. Daher tue ich mich auch zunehmend schwer damit, die derzeitigen Beschlüsse der Regierung nachzuvollziehen und dann auch aus eigener Überzeugung mittragen zu wollen. Ein Beispiel dafür ist die Maskenpflicht. Anfänglich hieß es, die Masken bringen sowieso nichts. Jetzt auf einmal sollen sie des Rätsels Lösung sein?

Leider zweifle ich mittlerweile an der noch vor wenigen Wochen aufgekommenen Hoffnung, dass wir als Gesellschaft diese Krise zum Umdenken nutzen werden. Zwar konnte ich persönlich diese Zeit für mich nutzen und ein paar Gewohnheiten überdenken, die Ruhe ohne Fluglärm in Tegel genießen und beruflich mein Kurs­angebot überarbeiten.

Im Allgemeinen sehe ich jedoch zu wenig Leute, die sich in einem gemeinsamen Anliegen verbinden würden. Je existenzieller die Krise für viele von uns ist, desto mehr weichen die wichtigen Themen wieder den scheinbaren Notwendigkeiten. Ja, Klimaschutz, Menschlichkeit und Nachhaltigkeit sind wichtige Themen. Aber unsere Wirtschaft hat jetzt oberste Priorität. Um welchen Preis?“

Sandra Szaldowsky, 48, Coachin und Kommunikationstrainerin

Der Konzertveranstalter

„Ich bin ja seit dem Lockdown quasi arbeitslos. Zum Glück habe ich Freunde auf dem Land, da bin ich seither meistens. Da draußen kann man alles sehr viel besser ertragen, man muss nicht die ganzen Verrückten sehen, die hier rumlaufen – etwa auf den komischen Hygienedemos. Es herrscht so eine aggressive Stimmung in der Stadt: Leute, die früher ganz normal waren, quasseln auf einmal Weltverschwörungszeugs, Rechte peitschen die Leute auf – es kommt mir vor wie während der „Flüchtlingskrise“. Aber vielen Leuten reicht es halt, sie wissen nicht weiter, haben kein Geld mehr, und die Politik kümmert sich nicht.

„Ich habe jetzt auch noch Hartz IV beantragt. Es ist ja nicht abzusehen, dass die Musikbranche in den nächsten zwei, drei Monaten wieder anfängt zu arbeiten“

Ich mache mir ums Finanzielle gerade keine großen Sorgen, habe schnell und unbürokratisch den Soforthilfezuschuss für Soloselbstständige vom Land bekommen. Den muss man zum Glück nicht zurückzahlen. Wie lange die 5.000 Euro reichen, weiß ich nicht, darum habe ich jetzt auch noch Hartz IV beantragt. Es ist ja nicht abzusehen, dass die Musikbranche in den nächsten zwei, drei Monaten wieder anfängt zu arbeiten. Planen kann ich auch nichts, ich kann ja schlecht Künstler buchen für Veranstaltungen in vier, fünf Monaten, wenn ich nicht weiß, ob dann etwas stattfinden wird.

Doch die Leute aus meiner Branche scheinen langsam aufzuwachen aus der Schockstarre. Vor ein paar Tagen hat eine Agentur angefragt, ob ich für sie Künstler buchen könnte. Sie wollen eine Art Auto­kino­projekt auf dem Vorfeld des Tempelhofer Flughafens starten. Da sollen Konzerte stattfinden auf einer großen Bühne, die Zuschauer sitzen in ihren Autos. In NRW sind solche Formate schon ein Riesenerfolg.

Auch übers Internet sind viele Dinge möglich. Man kann Künstler mit einem kleinen monatlichen Obulus unterstützen und bekommt dafür einen Song geschrieben oder etwas anderes Persönliches. Ich habe mir auch das Projekt ­United We Stream angesehen, aber mir fehlen die Clubatmosphäre, die Drogen, das Zusammensein. Es ist zwar interessant, wie die DJs agieren: ohne Publikum, einfach nur, weil eine Kamera sie filmt. Aber ich weiß nicht, warum ich mir zu Hause Techno ansehen soll – für mich ist das nichts.

Aber man muss jetzt einfach Neues ausprobieren. Denn ich fürchte, meine Branche wird so schnell nicht zum Normalzustand zurückkehren – vielleicht nie mehr. Das ist aber auch gut so. Zum Beispiel ist ja der Politik erst jetzt aufgefallen, wie viele schlecht bezahlte Soloselbstständige es gibt. Nicht nur in der Kulturbranche, auch in der Lebensmittelindustrie. Das hat doch vor einem Jahr noch keinen interessiert, was für schreckliche Arbeitsbedingungen auf Schlachthöfen herrschen. Ich hoffe, die Krise sensibilisiert die Politik jetzt endlich, damit sich an solchen Zuständen etwas ändert.“

Marc Weiser, 53, selbstständiger Konzertveranstalter, Musiker und Künstlerbetreuer

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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