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Mit den Erben über NS-Raubgut geeinigtGeorg Kolbes Tänzerinnenbrunnen wird restituiert

Nach Kritik wegen des Umgangs mit seiner Objektgeschichte gibt Berlins Georg Kolbe Museum dessen Tänzerinnenbrunnen jetzt an die Erben zurück.

Georg Kolbes Tänzerinnenbrunnen von 1922 zähle zu den schönsten Werken des Bildhauers und Museumsgründers, heißt es auf der Website des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf. Eine Nackte aus Bronze ließ Kolbe in einer expressiven ausdruckstänzerischen Bewegung verharren, die Arme nach oben gestreckt, ein Knie spitz gebeugt. Sie steht auf einem Becken, getragen wird es von kauernden Schwarzen Personen. Der Brunnen hat ein kolonial codiertes Motiv – und seine Objektgeschichte ist antisemitisch.

Der Tänzerinnenbrunnen ist NS-Raubgut, das weiß man heute. Auf der Website von Berlin-Charlottenburg ist es trotzdem nicht vermerkt. Dort heißt es nur, dass Georg Kolbe den Brunnen für die Villa Heinrich Stahls, des Leiters der Auslandsabteilung der Victoria-Versicherung und späteren Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde von Berlin schuf. Dass Heinrich Stahl von den Nazis gezwungen wurde, seinen Grundbesitz und seine Kunstwerke zu veräußern, darunter den Brunnen, und dass er 1942 in Theresienstadt ermordet wurde, steht dort nicht. Hingegen aber auf der Website des Georg Kolbe Museums.

Das Georg Kolbe Museum ist bislang in Besitz des Brunnens. Der war in den 1970ern unter komplizierten Umständen in den Museumsgarten gelangt. Im Jahr 2001 hatte dann der Enkel Stahls den Verzicht auf den Tänzerinnenbrunnen erklärt.

Als im letzten Jahr das Georg Kolbe Museum die antisemitische Objektgeschichte des Brunnens und gleichsam die kolonialistische Motivik der Trägerfiguren untersuchen ließ, geriet es in die Kritik. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung warf ihm vor, den Begriff „NS-Raubkunst“ in Bezug auf den Brunnen zu vermeiden und „jüdisches Leid zu relativieren“.

Im Jahr 2001 hatte dann der Enkel Stahls den Verzicht auf den Tänzerinnenbrunnen erklärt

In den vergangenen Monaten erfolgten juristische Klärungen. Nun steht fest, heißt es in einer Pressemitteilung des Georg Kolbe Museums, dass Werner Stahl, der Enkel von Heinrich Stahl, 2001 nicht im Namen der gesamten Familie gehandelt habe. Das Museum und das Kuratorium der Georg-Kolbe-Stiftung bieten an, das Werk vollständig an die Erbengemeinschaft nach Heinrich Stahl restituieren zu wollen.

Im September 2025 hatte das Museum den Erben hierzu ein entsprechendes Angebot unterbreitet. Diesem Angebot haben die Erben durch ihre Rechtsvertreter jetzt zugestimmt. Derzeit wollen sich die Erben und das Museum über das weitere Vorgehen im Rahmen der Restitution einigen. (soj)

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