Mit Drohnen gegen Kurden: In Erdoğans Schussfeld
Ein ARD-Film dokumentiert den brutalen türkischen Krieg gegen Kurden in Nordsyrien. Und zeigt, wie ein NATO-Mitglied unbehelligt Leben vernichten kann.
Während sich Erdoğans AKP innenpolitisch auf Friedensgespräche mit der prokurdischen Partei DEM einlässt, bombardiert das türkische Militär zugleich kurdisch verwaltete Gebiete in Nordsyrien – ein widersprüchlicher Kurs mit verheerenden Folgen.
Die Doku „Erdoğans Kampf gegen die Kurden – Unterwegs mit deutschen Helfern in Nordsyrien“ dokumentiert zerstörte Wasserwerke, angegriffene Krankenhäuser, Raketenreste in Wohnvierteln.
In der Doku ist von gezielten Angriffen auf lebenswichtige Infrastruktur die Rede. Ob das als Verstoß gegen das Völkerrecht zu werten ist, bleibt offen. Zwar kommen Rechtswissenschaftler und unabhängige Quellen zu Wort, doch eine juristische Einordnung wird nicht abschließend getroffen – symptomatisch für die bislang zögerliche Haltung der internationalen Gemeinschaft.
Während das ARD-Team ein völlig zerstörtes Haus betritt, sind am Himmel Drohnen zu hören. An diesem Ort wurde im März eine neunköpfige kurdische Familie getötet, mutmaßlich durch eine türkische Kampfdrohne. Die Angehörigen sind jedenfalls davon überzeugt.
„Erdoğans Kampf gegen die Kurden“,
ARD Mediathek
Absurdität und Tragik des Konflikts
„Was will Erdoğan von mir? Ich bin kein türkischer Kurde – ich bin syrischer Kurde!“, sagt ein Anwohner. Dieser Satz offenbart die Absurdität und Tragik des Konflikts: Menschen, die nicht einmal im türkischen Staatsgebiet leben, werden zum Ziel eines Krieges aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit und politischen Selbstverwaltung.
Solche Szenen verleihen der Doku emotionale Tiefe und bringen die abstrakten geopolitischen Zusammenhänge näher. Statt überdramatisierter Kommentierung vertraut sie auf die Wirkung der Bilder, Stimmen und Orte. Die Kamera bleibt beobachtend, lässt Raum für eigene Schlüsse.
Trotz inszenatorischer Schwächen legt die Doku offen, wie selektiv internationale Maßstäbe sind – und ein Nato-Mitglied Leben vernichten kann, ohne politische Konsequenzen fürchten zu müssen.
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