Miniserie „Prost Mortem“

Ohne Thrill, dafür mit Biss

Auf dem Bezahlsender 13th Street laufen nur Krimis. Mit ihrer zweiten Eigenproduktion „Prost Mortem“ sogar ein erstaunlich spannender.

Ein alter Mann beim Rauchen, im Hintergrund Partybeleuchtung

Hier noch am Rauchen, kurz darauf tot: Wer hat Werner (Werner Prinz) getötet? Foto: Felix Vrathny/13Th Street

Im Bierkavalier ist einer umgekommen. Genauer gesagt der greise Inhaber Werner, der die Festivitäten zu seinem Geburtstag nicht überleben sollte. Während die Polizei von Suizid ausgeht, ist Witwe Gitti überzeugt: Es war Mord. Und gewesen sein kann es nur einer der vier letzten Anwesenden – Thekengöre Zoe, Stammtrinker Bernie, die Schwester des Toten, eine Teflon-Politikerin namens Eva, oder ihr devoter Assistent Steven.

Mit einer Finte versammelt Gitti alle in ihrem Wiener Beisl und schickt sich an, den Fall aufzuklären. Eine von innen verschlossene Toilettenkabine als Tatort, ein überschaubarer Kreis an Verdächtigen und eine ausgebuffte Grande Dame als Ermittlerin: Fertig ist der klassische „Whodunnit“ in der Tradition Agatha Christies.

Würden ARD-Krimis immer auf dem Niveau abliefern wie die Eigenproduktion des Kanals 13th Street, es gäbe sonntags Abends weniger Murren in deutschen Wohnzimmern. „Prost Mortem“ ist eine Miniserie ohne Thrill, aber mit gemütlicher Meuchelei. Kommt die erste Folge noch recht langsam in Gang, bieten die restlichen drei kurzen Folgen einen Spannungsbogen, bei dem man gerne miträtselt. Zu sehen ist das ganze allerdings nur für Abokund*innen, die 13th Street etwa über ein Sky-Paket beziehen.

Prost Mortem – Die letzte Runde“, Di., 9.10. und 16.10., ab 21 Uhr, 13th Street

Man kennt das Gefühl irgendwoher: Seit Jahren verstecken sich spannende heimische Serien in der Sparte, der Nische oder hinter der Bezahlschranke. Tom Tykwers „Babylon Berlin“ lief erst ein Jahr nach der Pay-TV-Ausstrahlung im Ersten, die Neuverflimung des Klassikers „M – eine Stadt sucht ihren Mörder“ als Miniserie gibt es für deutsche Zuschauer nur bei TV Now und die aktuell lustigste deutsche Serie, „Jerks“ mit Christian Ulmen, lief zuerst im Internet auf Joyn, immerhin kostenlos.

Ein bisschen amerikanisch

Vielleicht, weil sich Web- und Bezahlangebote etwas mehr ins Zeug legen, um ihre Kund*innen an sich zu binden? Im bayerischen Unterföhring hebt Karin Schrader, Programmchefin von 13th Street, den Hörer ab und klingt gut gelaunt. Die Premierenfeier zu „Prost Mortem“ im Münchner Rationaltheater ist gerade vorüber und Schrader spricht stolz von „unserem Baby.“ Das Konzept der Serie entstand im eigenen Haus. Ohne eigene Abteilung, parallel zum Tagesgeschäft wurde innerhalb eines Jahres die Serie abgewickelt, sagt sie. Als Regisseur dabei ist Michael Podogil, der zuvor beim Kurzfilmwettbewerb des Senders triumphiert hatte.

„Wir kennen unser Publikum“, sagt Karin Schrader zur taz. Und liefert eine Anekdote mit. Bei einer Befragung habe eine Zuschauerin ihr erzählt: „Ich fühle mich einfach sofort zu Hause, wenn ich eine Leiche sehe.“ Und die gibt es zuhauf, auf 13th Street laufen nämlich nur Krimis – vor allem US-amerikanische, nun zum zweiten Mal eine heimische Produktion. Für Schrader der Weg in die Zukunft: „Deutsche Serien müssen nicht versuchen, das Amerikanische zu kopieren.“ Stattdessen wolle man eine bestimmte Sehgewohnheit bedienen: „Das fing doch mit Derrick schon an. Da schwingt immer so was Bodenständiges mit.“

Entsprechend gemäßigt tappert Gitti bei ihren Ermittlungen durch den Bierkavalier – mal bissig, mal gemütlich, mit Zuckerbrot und Knarre. Doris Kunstmann spielt das glaubwürdig, auch der Rest des Ensembles wankt und wurschtelt überzeugend durch die Spelunke, etwa Simon Schwarz als borisbeckerhafte Flachpfeife mit Flachmann, oder Janina Fautz als sarkastisches Pubertier hinterm Tresen. Dass die Crew um Michael Podogil filmisch keck ist, wird schon im Vorspann deutlich. Der erinnert mit Nahaufnahmen und Kammermusik an die Titelsequenz von „Dexter.“ Ein bisschen amerikanisch muss eben doch sein.

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