Minenunglück in Zentralafrika: Unter Massen von Schlamm begraben
Beim Einsturz einer Goldmine in der Zentralafrikanischen Republik wurden mehr als 100 Menschen verschüttet. Die Zahl der Toten ist noch unklar.
Foto: Thierry Bresilion/Anadolu Agency/imago
Entlang der Grenze zwischen der Zentralafrikanischen Republik und Kamerun ist am Dienstag eine Goldmine eingestürzt, dabei wurden mehr als hundert Menschen verschüttet. Die endgültigen Todeszahlen seien noch immer nicht bekannt, berichten Hilfsarbeiter und Behörden vor Ort, da die Bergungsmaßnahmen noch immer andauerten, so die Angaben von Mitarbeitern des Roten Kreuzes vor Ort.
Handyvideos, die in den sozialen Medien viral gingen, zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe: Darauf sieht man Tausende junge Männer, einige womöglich noch Kinder, in einer gewaltigen Grube knietief im Matsch stehen, um per Hand das Gold auszuwaschen. Plötzlich rutscht eine Schlammlawine den Hang hinab und begräbt diejenigen, die in der Senke der Grube stehen. Im Hintergrund hört man panische Schreie.
Die Goldmine liegt in der Gegend rund um den Ort Zamboye, knapp 50 Kilometer entfernt von der Kleinstadt Baboua in der Zentralafrikanischen Republik. Von Baboua sind es rund 50 Kilometer auf der Überlandstraße bis an die Grenze zu Kamerun – einer wichtigen Lebensader und Handelsroute für das zentralafrikanische Land.
Der Goldabbau findet in der Zentralafrikanischen Republik noch immer weitestgehend manuell statt. Mit Spitzhacken und Schaufeln graben junge Männer ohne genügend Schutzausrüstung und Sicherheitsvorkehrungen Löcher in die Erde und heben Tunnel aus. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft von Baboua, die nun Ermittlungen eingeleitet hat, seien zunächst die unterirdischen Tunnel eingestürzt und hätten dadurch den Erdrutsch verursacht. Die Regenzeit setzt langsam in der Region ein und weicht die Erde auf. Im Juni war bereits in der nahe gelegenen Ortschaft Be-Mbari eine Goldmine eingestürzt, dabei wurden Dutzende Menschen verschüttet.
Hoch im Kurs
Unter den Toten und Verschütteten in Zamboye seien auch Männer aus dem benachbarten Kamerun, so Grégoire Mvongo, Gouverneur der angrenzenden ostkamerunischen Region. Gegenüber dem kamerunischen Radiosender CRTV stellte er klar, dass man „in enger Zusammenarbeit mit unseren zentralafrikanischen Kollegen daran arbeitet, die Folgen dieser Tragödie zu bewältigen“.
Zentralafrikas Goldreserven stehen derzeit hoch im Kurs. Auf der Suche nach einem Einkommen lockt der hohe Goldpreis arbeitslose Bevölkerung in Massen in die Gruben. Aufgrund des hohen Goldpreises auf dem Weltmarkt bemühen sich die russischen Söldner der Gruppe Wagner, die in der Zentralafrikanischen Republik stationiert sind, um die völlige Kontrolle des offiziellen aber auch des informellen Goldexports.
Laut des jüngsten Berichts der Global Initiative against Transnational Organized Crimes (GI-TOC), ein Thinktank, der grenzübergreifende, organisierte Kriminalität unter die Lupe nimmt, wurden 2025 rund sieben Tonnen Gold offiziell ausgeführt, fast die dreifache Menge als im Jahr zuvor.
Industrielle Förderung
Die Russen haben jüngst in zahlreichen Goldgruben des Landes angefangen, das Edelmetall auch industriell zu fördern. In anderen Regionen kauft Wagner Gold von Schürfern. Diese waschen das Gold per Hand aus und verkaufen es dann an die Goldexportfirma Sigma Gold.
Die Firma fliegt große Mengen Gold offiziell mit russischen Flugzeugen weiter nach Dubai aus, wo das Gold eingeschmolzen wird. „In unserer Analyse sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Russen zwar in alle Sektoren investiert haben“, so Ruben de Koning, Autor des oben genannten Berichts, gegenüber der taz. „Aber letztendlich scheint der lukrativste Sektor der Goldsektor zu sein.“
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert