Menschliche Hinterlassenschaften: Der Mond und der Müll
Ein ausgedientes Raketenteil von Elon Musks SpaceX soll auf dem Mond aufgeschlagen sein. Der hat schon ganz andere Sachen mitgemacht.
Am Mittwochmorgen mitteleuropäischer Zeit bekam der Mond ziemlich wahrscheinlich Besuch. Der Gast wog 3,9 Tonnen, war 12 Meter lang und kam mit 8.700 Kilometern pro Stunde: die ausgediente Oberstufe einer Rakete von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX.
Im Januar 2025 hatte SpaceX zwei kommerzielle Landefähren auf den Weg gebracht. Danach trieb sie anderthalb Jahre auf einer mondkreuzenden Umlaufbahn um die Erde. Eingeschlagen sein soll sie nun in der zerklüfteten Gegend zwischen den Kratern Einstein und Bell, am Westrand des sichtbaren Mondes. Die Bestätigung durch eine Sonde wird in den nächsten Stunden bis Tagen erwartet, gilt unter Experten aber als Formalität.
Der Mond ist ein Ort, an dem nichts verschwindet. Kein Wind, kein Wasser, keine Atmosphäre, die einen fallenden Körper abbremsen oder später abtragen könnte. Was hier ankommt, bleibt liegen.
Und liegen tut dort schon so einiges: Landestufen, Rover, Messgeräte, Kameras, Werkzeug, Handtücher, Nagelscheren, zwei Golfbälle. Dazu 96 Säcke mit Fäkalien, Urin und Erbrochenem, abgeworfen von den zwölf Apollo-Astronauten zwischen 1969 und 1972, um Gewicht für Mondgestein zu sparen. Auf einem der ersten Bilder, die Neil Armstrong nach der Landung machte, ist so ein Beutel zu sehen. Eingesammelt wurde der Müll bislang nicht.
Im Raum dazwischen sieht es nicht besser aus. Die Europäische Weltraumagentur (ESA) zählt über 54.000 Schrottteile, die größer sind als zehn Zentimeter, und schätzt die Zahl der Teile unter einem Zentimeter auf mehr als 140 Millionen. International verbindliche Regeln gibt es dafür nicht, nur nationales Recht und Empfehlungen: etwa, dass ein ausgedienter Satellit nach 25 beziehungsweise 5 Jahren verglühen oder auf eine Friedhofsbahn ausweichen soll.
Investorenträume auf den Mond schießen
Zugleich wird der Mond gerade zur Zielscheibe territorialer Aneignung. Im April dieses Jahres flogen erstmals seit 1972 wieder Menschen um ihn herum, US-amerikanische Astronauten und chinesische Taikonauten wollen an seinem Südpol landen und dort eine permanente Basis errichten. Die Nasa lässt sie von Privatfirmen bauen und hat vor, einen Atomreaktor dorthin zu stellen. Auch Pläne für ein Mondhotel gibt es schon, ein US-amerikanisches Start-up nimmt dafür Anzahlungen entgegen.
Das Weltraumrecht geht mit der Kommerzialisierung des Mondes Hand in Hand. Ein US-geführtes internationales Abkommen spricht von „Sicherheitszonen“ auf dem Mond, ein US-Gesetz von 2015 erlaubt Unternehmen den Besitz im All geförderter Rohstoffe, und der Wirtschaftsbericht des Präsidenten von 2021 macht es zur Staatsaufgabe, Eigentum im All zu schaffen und so für Kapital verfügbar zu machen. Man will sich zuerst auf dem Mond festsetzen, bevor die Konkurrenz da ist.
So entsteht auf dem Mond, was auf der Erde längst existiert: eine Landkarte aus Ansprüchen und daneben, unsortiert, der Abfall, den diese Ausweitung menschlichen Territoriums produziert. Überall, wo Menschen hingehen, lassen sie ihren Müll zurück.
Zum aktuellen Fall teilte SpaceX mit, man habe sich bei der Entsorgung der Stufe an die geltenden Regeln gehalten. Das stimmt vermutlich. Die US-Luftfahrtbehörde hatte 2023 fünf zulässige Wege vorgeschlagen, ausgediente Oberstufen loszuwerden, darunter das Einschwenken auf eine Bahn um die Sonne. Der Treibstoff dafür hätte beim Start Nutzlast gekostet, also Geld. Ihn wegzulassen, kostete nichts.
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