Mehrere Männer in Bremen angeschossen: High Noon an der Weser
In Bremen herrscht Aufregung, weil in den vergangenen Wochen vier Männer angeschossen wurden. Ein Mann starb. Dass scharf geschossen wird, ist selten.
In Bremen sucht die Polizei nach zwei Männern, die im vergangenen Monat mehrere Männer angeschossen und einen getötet haben sollen. Die Häufung der Vorfälle innerhalb so kurzer Zeit lasse „auf eine besorgniserregende Dynamik schließen, die nicht unbeachtet bleiben dürfe“, kommentierte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Bremen. Auch in Hamburg ist im laufenden Jahr schon dreimal scharf geschossen worden. Im Gesamtbild der Kriminalität machen scharfe Schüsse allerdings nur einen winzigen Teil aus.
Die Serie von Angriffen mit scharfen Waffen hatte am 1. März in der Bremer Überseestadt begonnen, wo einem Mann in beide Beine geschossen wurde. Am selben Tag wurde in Walle einem Mann in den Fuß geschossen. Am 17. März wurde ein junger Mann in der Neustadt durch Schüsse getötet, am 28. dort einem Mann mehrfach in beide Beine geschossen, am 31. in Kattenturm einem Mann ebenfalls in die Beine.
Um die Taten aufzuklären, gründete die Bremer Polizei eine Sonderkommission, die am Ostermontag zwei Tatverdächtige präsentierte und mit Fotos zur Fahndung ausschrieb. Beide Männer sind türkische Staatsangehörige. Zuvor hatte die Polizei mehrere Wohnungen in Bremen und Niedersachsen durchsucht. Sie sei sich „der Verunsicherung der Bevölkerung bewusst und nehme diese sehr ernst“, betonte die Polizei.
Mehr Härte gefordert
Marco Lübke, innenpolitischer Sprecher der CDU in der Bremischen Bürgerschaft, kommentierte: „So kann es nicht weitergehen. Wir dürfen das nicht dulden.“ Er forderte Innensenatorin Eva Högl (SPD) auf, „mit aller Härte durchzugreifen“. Högl wiederum fühlt sich durch den schnellen Erfolg bestätigt. Die enge Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft zahle sich aus.
Die GdP Bremen nutzte die Gewaltserie, um ausreichend Personal sowie moderne technische Mittel zu fordern, „damit Straftaten schneller aufgeklärt und Täter konsequent verfolgt werden können“. Gerade vor diesem Hintergrund sei eine unentgeltliche Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit, wie sie der Bremer Senat plant, kritisch zu sehen. Im Übrigen müsse die Politik entschlossen handeln, um die Verbreitung illegaler Waffen einzudämmen.
Die Häufung der Vorfälle verstellt allerdings etwas den Blick darauf, dass in den norddeutschen Stadtstaaten nur vereinzelt scharf geschossen wird. In den polizeilichen Kriminalstatistiken des Landes Bremen der vergangenen Jahre spielen Schusswaffen praktisch keine Rolle.
Dabei lag Bremen unter den Bundesländern beim strafbaren Schusswaffengebrauch pro Kopf 2024 auf Platz vier mit 7,5 pro 100.000 Einwohnern. Hamburg liegt auf Platz drei hinter dem Saarland und Berlin.
Hier ist allerdings zu beachten, dass der Einsatz von Schusswaffen in der polizeilichen Kriminalstatistik ziemlich weit gefasst ist. Er umfasst scharfe Schusswaffen ebenso wie Schreckschuss- und sogar Spielzeugpistolen – und Schüsse ebenso wie die Drohung mit Schusswaffen.
Eine Auswertung der Hamburger Polizei von Anfang des Jahres relativiert das Bedrohungsszenario. 2016 erfasste sie gut 450 Fälle von Schusswaffeneinsatz, wobei nur in 150 Fällen geschossen wurde. 2025 waren es noch 250 Fälle. Bei Gewaltkriminalität waren Schusswaffen vor zehn Jahren in 2,1 Prozent der Fälle im Spiel, im vergangenen Jahr in 0,9 Prozent der Fälle.
2025 wurde in Hamburg in gut 100 Fällen mit einer Schusswaffe gedroht, in 150 Fällen geschossen. In knapp 70 Prozent der Fälle richtete sich der Schuss nicht gegen eine Person. Bei gut 40 Prozent der strafbaren Schüsse wurde an Silvester in die Luft geknallt. Von 46 Vorkommnissen, bei denen auf Menschen geschossen wurde, war 16 Mal eine scharfe Waffe im Spiel.
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