Mehr Proteine essen: Bin ich ein Trendopfer?
Skyr mit Energydrink soll nicht nur schmecken, sondern auch viel Eiweiß liefern. Muss das sein?
V ergangene Woche regte sich mein Kollege in der wochentaz darüber auf, dass ihm alle den Quark und Skyr wegessen. Wegen des hohen Proteingehalts seien die Quarkprodukte nun zu „trendigen Lifestyleprodukten hochgejazzt“ worden und die Regale leer gekauft. Besonders pervers fand er den Hype, Skyr mit Monster White, einem Energydrink, zu mischen.
Moment mal, Skyr mit Monster Energy – wirklich? Ich suche danach in meinem Feed, und tatsächlich ist das Internet voller Food- und Fitness-Influencer, die testen, wie grenzwertig diese Mischung schmeckt. In manchen Supermärkten werden die Produkte nebeneinander platziert oder sogar gemischt zum Abzapfen verkauft.
Ich finde ein Video von einer KI-generierten Skyr-Frau, die sich in einen Energydrink-Mann verliebt. Sie bekommen ein Baby in Form eines Skyr-Shakes. So weit ist der Hype also schon, dass Liebesgeschichten darum erfunden werden.
Für den Drink soll man 250 Gramm Skyr mit einer halben Dose des zitronigen Energydrinks mischen, schütteln, fertig.
Die Sache mit den Proteinen
Das klingt leider so, als wäre das Getränk in dieser Woche wie für mich gemacht und ich ein Trendopfer. Immer wieder nehme ich mir vor, mehr Kichererbsen, Tofu, Linsen zu essen – und lande dann wie in den letzten Tagen bei Nudeln und Salat. Die Eiweiße habe ich mal wieder vergessen. Dabei habe ich dieses Wochenende knapp 100 Kilometer auf dem Rennrad vor mir, bei viel zu viel Gegenwind.
Dass Proteine unverzichtbar sind, ist wirklich kein Geheimnis mehr. Eiweiße braucht der Körper, um Muskeln aufzubauen, sie sind ein Baustoff für Zellen und Gewebe, sie transportieren Sauerstoff durchs Blut, sie fördern die Aufnahme von Nährstoffen wie Eisen.
Die Schwierigkeit ist aber, dass man am Tag 1,2 bis 2,0 Gramm Proteine pro Kilogramm Körpergewicht essen soll. Wer viel Sport macht, liegt im oberen Grammbereich. Auch wenn man älter ist, braucht der Körper mehr Proteine, weil Muskelmasse schneller verloren geht. Pro Mahlzeit kann der Körper aber nur 20 bis 40 Gramm Proteine aufnehmen – alle Proteine auf einmal reinstopfen bringt also auch nichts.
Ich merke wieder, warum ich abseits von dieser Kolumne nicht auf Nährwerttabellen und Inhaltsstoffe achte. Bei so viel Rechnerei geht der Spaß am Essen verloren.
Du liest einen Text aus unserem Zukunfts-Ressort. Wenn Du Lust auf mehr positive Perspektiven hast, abonniere TEAM ZUKUNFT, den konstruktiven Newsletter zu Klima, Wissen, Utopien. Jeden Donnerstag bekommst du von uns eine Mail mit starken Gedanken für dich und den Planeten.
Proteine zum Löffeln
Nach 100 Kilometern auf dem Fahrrad stapfe ich mit wackeligen Beinen in den zweiten Stock zu meinen Freunden. Auch sie versuchen mehr Proteine zu essen, dafür liegt auf dem Küchentresen eine Liste zur Orientierung:
– 100 Gramm Skyr haben um die 11 Gramm Eiweiß
– ein halber Tofublock 15 Gramm
– ein Ei hat 7 Gramm
– 100 Gramm Kartoffeln haben nur 2 Gramm
– 100 Gramm Fleisch 25 Gramm
Vegetarier sind klar im Proteinnachteil, denke ich und löffel den Skyr in einen Shaker. Der Energydrink schäumt und riecht aggressiv sauer. Es ist Jahre her, dass ich so eine Dose getrunken habe, und zugegeben, vermisst habe ich es nicht. Ich shake und serviere das Trendgetränk meinen Freunden.
„Wie Kefir“, sagt A. „Hmm, lecker“, sagt J. T würde es besser schmecken, wenn er nicht wüsste, was drin ist. Mich erinnert das Getränk an Magnesiumtabletten. Als Nächstes weichen wir 300 Gramm Sojagranulat fürs Abendessen ein. 51 Gramm Proteine pro 100 Gramm. Das schlägt den Drink bei Weitem.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert