Manganknollen auf dem Meeresboden: Empörung über US-Antrag auf Tiefseebergbau
Die Meeresbodenbehörde der Vereinten Nationen reagiert empört auf einen Vorstoß des Unternehmens TMC. Es beantragt in den USA eine Genehmigung.
Die Staatengemeinschaft hat alarmiert auf den Versuch des Unternehmens TMC reagiert, das Völkerrecht zu umgehen und über ein US-Gesetz eine Genehmigung für Tiefseebergbau zu erhalten. Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) besitze „die ausschließliche Zuständigkeit für alle Aktivitäten im internationalen Meeresbodengebiet“, sagte ihre Generalsekretärin Leticia Carvalho am Freitag in Kingston auf Jamaika, dem Sitz der Behörde. Sie bekräftigte, „dass alle einseitigen Maßnahmen außerhalb dieses Rahmens gegen das Völkerrecht verstoßen und die multilaterale Governance untergraben“. Fast alle anwesenden Mitgliedstaaten schlossen sich dieser Einschätzung an und äußerten ihre tiefe Besorgnis oder ihre Enttäuschung über den Vorstoß von TMC.
Das kanadische Rohstoffunternehmen The Metals Company (TCM) hatte am vergangenen Donnerstag auf die jahrelangen Verhandlungen der ISA über ein Regelwerk für den Tiefseebergbau mit der Ankündigung reagiert, den Abbau von Manganknollen in der Clipperton-Zone im Pazifik nun im Rahmen eines US-Gesetzes beginnen zu wollen. In dem etwa 7.000 Kilometer langen Gebiet kommen große Felder von Manganknollen vor, die Kupfer, Nickel oder Kobalt enthalten. Die US-amerikanische Tochterfirma von TMC kündigte an, ein Verfahren bei der US-Ozeanbehörde NOAA zu beantragen, einer Behörde des US-Handelsministeriums. Die Firma beruft sich auf ein Gesetz zum Tiefseebergbau aus dem Jahr 1980. „Was wir brauchen, ist eine Regulierungsbehörde mit einem soliden Regelwerk, die bereit ist, unserem Antrag eine faire Anhörung zu gewähren“, begründete Gerard Barron, Geschäftsführer von TMC, sein Vorgehen. Das US-Gesetz zum Tiefseebergbau biete „die größte Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines angemessenen Zeitraums eine Genehmigung für den kommerziellen Rohstoffabbau in der Tiefsee zu erhalten“, so Barron.
Die Verhandlungen der ISA ziehen sich nicht nur in die Länge, weil die Materie über den Umgang mit dem Tiefseeboden als gemeinsamen Erbe der Menschheit komplex ist. Einige der 170 Mitgliedstaaten lehnen den Tiefseebergbau generell ab oder wollen ihn zumindest so lange aussetzen, bis mehr über seine ökologischen und ökonomischen Folgen für die Ozeane klar wird. Beobachtern der Verhandlungen zufolge wurde die Delegation des Inselstaats Nauru von dem Vorstoß von TMC überrascht. Bislang hatte das Unternehmen geplant, dass die Regierung von Nauru für TMC eine Abbaulizenz bei der ISA beantragen würde. Der Pazifikstaat würde dann auch von den Gewinnen profitieren.
Wissenschaftler weisen darauf hin, dass der Tiefseeboden ein artenreicher Lebensraum ist. In den Manganknollenfeldern leben Seesternarten, Seegurken und Seeigel. Auf den Knollen selbst leben Korallen, Schwämme, Moostierchen und Anemonen, aber auch mikroskopische Fadenwürmer, Krebse und Einzeller.
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