Mahnwache in Hanau: „Wir stehen zusammen“

Tausende gedenken der Opfer des rechtsextremen Anschlags. Der Bundespräsident appelliert dagegenzuhalten, wenn Einzelnen die Würde genommen wird.

ein Mann und eine Frau stehen mit geneigten Köpfen vor Blumekärnzen auf einem Bürgersteig

Kranzniederlegung: Bundespräsident Steinmeier und seine Frau vor der Midnight Bar in Hanau Foto: Guido Bergmann/Bundesregierung/dpa

HANAU taz | Ein Mann mit Wollmütze hält ein selbstgemaltes Pappschild hoch. „Rassismus ist Gift“ steht da und „AfD – Absturz für Deutschland!“ Gemeindemitglieder der Ahmadiyya-Moschee Muslim Jamaat haben ein Banner mitgebracht. „Liebe für Alle, Hass für keinen“, lautet ihre Botschaft. Es ist ein trüber Abend in Hanau. Es nieselt leicht aus einer dichten Wolkendecke. Stadt, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Religionsgemeinschaften haben nach dem rechtsextremen Terroranschlag am Vorabend zu dieser Mahnwache aufgerufen. Tausende sind gekommen.

Auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus ist eine Bühne aufgebaut. Da liegen Blumen, Grablichter sind aufgestellt. Eine „gespenstige Stimmung“ habe die Stadt ergriffen, nach den ersten Meldungen über den rassistisch motivierten Amoklauf, sagte am Morgen eine Hanauerin, die Blumen am Tatort Heumarkt ablegen wollte.

Pünktlich um 18 Uhr läuten alle Kirchenglocken. Auf dem Platz leises Gemurmel, das an eine Beerdigung erinnert.

Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky ist der erste Redner. Er dankt den vielen, die gekommen sind und nennt es ein großartiges und wichtiges Zeichen, dass auch der Bundespräsident aus Berlin angereist ist.

„Diese Stunden werden immer zu den schwärzesten dieser Stadt gehören“, sagt er an dem Tag, den er zuvor als den „schlimmsten für Hanau seit dem 2. Weltkrieg“ genannt hatte.

„Das was wir erleben mussten, trifft nicht nur die Opfer, sondern die ganze Stadtgesellschaft“, sagt Kaminsky. Hanau sei stolz darauf, in seiner Geschichte immer wieder Menschen, gleich welcher Herkunft oder Religion, aufgenommen und integriert zu haben. Wer mit wirren Gedanken, mit Rassismus und Hass unterwegs sei, stoße hier auf entschiedenen Widerstand. „Wir stellen uns denen als Demokraten entgegen!“, ruft Kaminsky.

Von einem „Tag des Schreckens“ spricht Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, CDU. Er verneige sich mit Respekt vor den Opfern, sagt er; es sei wichtig, „dass wir den Angehörigen zeigen, dass sie nicht alleine sind.“ Seine Botschaft gegen Hass, Ausgrenzung und Hetze lautet: „Wir werden denen nicht weichen, Wir werden keinen Millimeter dieser Demokratie preisgeben!“

Bundesweites Zeichen der Solidarität

Wie die übrigen Redner hält auch Frank-Walter Steinmeier ein Windlicht in der Hand. Der Bundespräsident spricht von einem „brutalen Akt terroristischer Gewalt.“ Dass zeitgleich in 50 deutschen Städten Menschen zu Mahnwachen zusammengekommen sind, nennt er ein Zeichen der Solidarität. „Ich stehe an der Seite der Menschen, die von Hass und Gewalt bedroht sind“, ruft er.

„Wir stehen zusammen, wir wollen zusammen leben und zeigen es immer wieder; das ist das stärkste Zeichen gegen den Hass,“ so Steinmeier. „Hass und Hetze“ seien Wegbereiter solcher Taten, fügt er hinzu. „Achten wir auf unsere Sprache! Halten wir dagegen, wenn Einzelnen die Würde genommen wird!“, appelliert Steinmeier und bekommt viel Beifall, als er versichert: „Wir lassen uns nicht einschüchtern!“

Vom Rand kommen vereinzelt schrille Zwischenrufe, doch die dringen auf dem überfüllten Platz nicht bis zur Mitte durch. Einige skandieren schließlich doch noch „Nazis raus!“ Doch die meisten Menschen machen sich schweigend auf den Heimweg.

Auch die Fußballer der Nachbarstadt Frankfurt setzen am Donnerstagabend ein Zeichen. Zum Europa-Leage Spiel gegen RB Salzburg laufen die Spieler von Eintracht Frankfurt mit Trauerflor auf. Das Spiel beginnt mit einer Schweigeminute, im Gedenken an die Opfer des Hanauer Massakers.

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