piwik no script img

Magyar präsentiert neuen KandidatenOrban-Kritiker soll Ungarns neuer Präsident werden

Die Schach-Großmeisterin Judit Polgar hat einer Nominierung als Staatsoberhaupt eine Absage erteilt. Jetzt soll ein ehemaliger Höchstrichter einspringen.

kna/taz | In Ungarn hat die neue Regierungspartei Tisza am Samstag den ehemaligen Höchstrichter Andras Baka als nächsten Staatspräsidenten nominiert. Der 73-Jährige gilt als Kritiker der abgewählten Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban, was ihn 2011 auch den Job gekostet haben soll. Die Wahl im Parlament am kommenden Dienstag gilt laut ungarischen Medien als Formalität, da die Tisza-Partei dort nach dem Regierungswechsel im Frühjahr eine Zweidrittelmehrheit hält.

„Dr. Andras Baka hat dem Grundsatz der Gewaltenteilung immer höchste Bedeutung beigemessen und sich stets konsequent für Rechtsstaatlichkeit und richterliche Unabhängigkeit eingesetzt“, schrieb Ungarns Ministerpräsident Peter Magyar am Samstag in Sozialen Medien. Der Lebensweg des früheren Präsidenten des Obersten Gerichtshofs stehe als Vorbild für alle, die sich für einen demokratischen Rechtsstaat und die Verfassung einsetzten. In Zeiten des politischen Umbruchs seien Bakas Erfahrung und Unabhängigkeit von besonderem Wert, so Magyar.

Als Richter unter Orban abgesetzt

Baka ist ehemaliger Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und machte sich in Ungarn zuvor mitunter als Gewerkschaftsführer einen Namen. 2011 wurde er drei Jahre vor Ende seiner regulären Amtszeit als Höchstrichter abgesetzt. Er hatte zuvor die Justizreformen der Orban-Regierung kritisiert. Die abgewählte Fidesz-Partei, die einen Zusammenhang zwischen der Kritik und Bakas Absetzung abstritt, will der Präsidentenwahl am Dienstag fernbleiben.

Baka ersetzt den vor kurzem durch eine Grundgesetzänderung abgesetzten Staatschef Tamas Sulyok. Diesen hatte Magyar wiederholt als „Marionette der Orbán-Regierung“ bezeichnet.

Ministerpräsident Péter Magyar hatte zunächst die ungarische Schachspielerin Judit Polgár für das Amt der Staatspräsidentin nominiert, die dann aber abgesagt hatte.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare