Machtkampf zwischen USA und China

Silicon Valley unter Druck

Längst blicken die großen US-Tech-Unternehmen neidisch auf die Datensammelwut der Chinesen. Denn Daten sind der zentrale Rohstoff für KI.

Apple Logo wird in China aufgehängt von Arbeitern

Kein Big Apple in China: Apple-Zentrale in Hangzhou Foto: Chan/reuters

Im Jahr 2000 hatte der damalige US-Präsident Bill Clinton gespottet: Chinas Bestrebungen, das Internet zu kontrollieren, seien so aussichtsreich, wie einen Wackelpudding an die Wand zu nageln.

Er dürfte inzwischen eines Besseren belehrt sein. Denn der kommunistischen Führung in Peking ist es in den letzten Jahren gelungen, mit der Great Firewall das Internet nicht nur vom Rest der Welt abzuschotten. Sie ist dabei, das Netz komplett unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die nächste Stufe dieses staatlichen Kontrollwahns steht unmittelbar bevor: Social Scoring nennt die chinesische Regierung das Bewertungssystem, das sie in Pilotregionen bereits ausprobiert hat und im nächsten Jahr in der Hauptstadt Peking flächendeckend anwenden möchte: die Überwachung ihrer Bürger, on- und offline. Dabei geht es ihr nicht nur um Kontrolle, sondern auch um das Sammeln von gewaltigen Datenmengen – dem Rohstoff der Zukunft.

China hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 zum weltweiten Technologieführer aufzusteigen. Vor allem von den Technologien rund um künstliche Intelligenz (KI) ist Pekings Regierung angetan. Gegenüber der US-Konkurrenz hat China tatsächlich bereits einen gewaltigen Vorteil: Mit seinem Zugang zu extrem großen Datenmengen können chinesische Firmen schon jetzt aus dem Vollen schöpfen. Daten sind die Basis für KI.

Bezos will staatliche Unterstützung

Schon blicken die großen US-Firmen aus dem Silicon Valley neidisch auf die extrem großen Datenmengen, die in China gesammelt werden können. Obwohl Facebook und die meisten Google-Dienste in China selbst wegen der Great Firewall blockiert sind, betreibt Google-Mutterkonzern Alphabet ein Forschungszentrum in Shenzhen.

Apple und Facebook betreiben ähnliche Einrichtungen. Chinas Venture-Zentren in Peking, Hang­zhou und Shenzhen seien „die ersten ernsthaften Konkurrenten des Silicon Valley“, lässt sich ein Tech-Insider aus den USA zitieren, der die Entwicklungen in Shenzhen beobachtet. Diese wüssten, wie man so einen Wettbewerb am besten führt. „Man versucht sich gegenseitig voranzutreiben.“

Doch gibt sich das Silicon Valley damit zufrieden? Schon gibt es Stimmen in den USA, die vor Chinas drohender technischer Überlegenheit warnen. Auf dem Reagan National Defense Forum, einer jährlichen Zusammenkunft von US-Militärführern, warnte Amazon-Chef Jeff Bezos: „Wollen Sie wirklich eine Zukunft planen, in der Sie mit jemandem kämpfen müssen, der so gut ist wie Sie?“

Eine Aufweichung der Datenschutzbestimmungen forderte er zwar (noch) nicht. Wohl aber eine Strategie, die auch der Unterstützung der US-Regierung bedarf.

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