Luftfahrt nach Corona: Fliegen steht in den Sternen

Die internationale Luftfahrt liegt am Boden. Doch bald wird wieder abgehoben. Wie ändert sich Fliegen? Ein Blick auf die aktuelle Lage weltweit.

Menschen mit Schutzmaske hinter den Fenstern eines Flugzeugs.

Klimschützende hoffen, dass in Zukunft mehr Menschen auf Alternativen umsteigen Foto: James D. Morgan/getty images

Noch bleiben überall auf der Welt die meisten Passagierflugzeuge am Boden, aber bald wird die Luftfahrtbranche langsam wieder in Gang kommen. Der Internationale Luftfahrtverband IATA erwartet, dass ab Ende Mai der Inlandsflugverkehr wieder einsetzt. In den Monaten danach soll der innereuropäische und im letzten Quartal des Jahres der interkontinentale Flugverkehr wieder anlaufen.

Global gesehen ist der Inlandsflugverkehr mit einem Anteil von 59 Prozent an den Flugkapazitäten der größte Geschäftsbereich der Branche. Anders als in Deutschland sind vor allem in sehr großen Staaten Inlandsflüge nicht problemlos durch andere Verkehrsmittel wie die Bahn zu ersetzen. Das Flugaufkommen innerhalb eines Kontinents hat einen Anteil von 27 Prozent aller Flüge weltweit. 14 Prozent des gesamten Flugverkehrs bewegt sich zwischen den Kontinenten.

Überall häufen Airlines derzeit astronomische Verluste an. Allein für den europäischen Markt geht der Luftfahrtverband IATA von Umsatzeinbußen von 82 Milliarden Euro für das Jahr 2020 aus. Was unter Klimaaspekten gut ist, könnte für Reisewillige künftig zum Problem werden. Denn offen ist, wie sich die Ticketpreise nach der Krise entwickeln.

Der internationale Dachverband der Fluggesellschaften IATA geht davon aus, dass unmittelbar nach Aufheben der Corona-Maßnahmen die Tickets zunächst günstig sind. Die Airlines müssen erst einmal die Nachfrage ankurbeln, so IATA-Chefökonom Brian Pearce. Er rechnet damit, dass die Kapazität zunächst höher ist als die Nachfrage. Der Ökonom rechnet nicht damit, dass die Preise vor dem kommenden Jahr anziehen. Allerdings ist unklar, welche Flüge die Airlines überhaupt anbieten werden.

Unklare Schutzmaßnahmen

Das hängt auch davon ab, welche Schutzmaßnahmen an Bord vorgeschrieben werden. Müssen etwa die Mittelsitze frei bleiben, steigen die Ticketpreise nach Berechnungen der IATA um 43 bis 54 Prozent. Bei einer Auslastung von 60 Prozent können bei Vorkrisenpreisen nur 4 von 120 Fluggesellschaften ihre Kosten decken. Die EU-Kommission hat sich gegen das Freilassen von Sitzen ausgesprochen, was dem Wunsch der Airlines entspricht.

IATA empfiehlt Temperaturmessungen am Flughafen sowie das Tragen von Atemmasken. Bei der Lufthansa etwa besteht die Pflicht zum Tragen eines Atemschutzes. Eine langfristige Maskenpflicht würde das Fliegen alledings verändern. Denn eine Bewirtung an Bord wie in der Vergangenheit wäre kaum möglich – was vor allem bei Langstreckenflügen schwierig sein dürfte. Auch auf den Flughäfen wird sich einiges verändern, zum Beispiel beim Boarding. Bislang versuchen die Airlines bei den wenigen stattfindenden Flügen die Reisenden über Fluggastbrücken in die Maschine zu leiten. Wenn Busse eingesetzt werden, dann so viele, dass kein Gedränge entsteht.

Der zusätzliche Aufwand wird sich ebenfalls auf die Ticketpeise auswirken. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) will keine Prognose zu Flugpreisen abgeben. „Der Preis ist von vielen Faktoren abhängig“, sagt Sprecher Ivo Rzegotta. „Schon Schwankungen des Ölpreises können stark auf die Ticketpreise durchschlagen. Denn bis zu 30 Prozent der Betriebskosten einer Fluggesellschaft sind Treibstoffkosten.“

Vor Corona gab es auf dem europäischen Markt ein Überangebot an Flügen und einen entsprechend harten Preiswettbewerb. Jetzt könnten Airlines pleitegehen, andere ihr Angebot drosseln. Die Lufthansa etwa kündigte bereits an, ihre Flotte zu reduzieren. „Ob Überkapazitäten im europäischen Markt bestehen bleiben, lässt sich noch nicht absehen“, sagt Rzegotta. „Das hängt maßgeblich davon ab, wie lange staatlich verfügte Reisebeschränkungen aufrechterhalten werden und mit welchen Maßnahmen die europäischen Staaten ihre Luftverkehrsgesellschaften unterstützen.“

Staatliche Hilfe

In Deutschland und anderen Ländern ist noch offen, wie die Regierung der Branche hilft. Wenn der Staat hilft, muss er die Gelegenheit zum Umsteuern nutzen, fordert Michael Müller-Görnert vom ökologischen Verkehrsclub Deutschland (VCD). Dazu gehört, die Unternehmen dazu zu bewegen, sparsame Flugzeuge anzuschaffen sowie die Einführung einer Kerosinsteuer, sagt er.

Klimaaktivist*innen wollen keine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau in der Luftfahrt. „So einen ruinösen Preiswettkampf wie vor der Krise darf es in der Luftfahrt nicht mehr geben“, fordert Müller-Görnert. Ausgetragen werde dieser Wettbewerb auf dem Rücken der Umwelt und der Beschäftigten, kritisiert er. Das Bewusstsein dafür nimmt immerhin langsam zu, wie der neue Begriff „Flugscham“ zeigt. Allerdings hat „Flugscham“ bislang vor allem in skandinavischen Ländern zu einem Verzicht aufs Fliegen geführt.

Weniger geflogen werden könnte in Zukunft aber, weil Menschen Alternativen nutzen, hofft der Verkehrsexperte. Die Erfahrungen aus der Coronakrise könnten nachwirken. Inlandsflüge werden in Deutschland vor allem von Geschäftsleuten genutzt. Etliche von ihnen erleben zurzeit, dass Videokonferenzen eine Alternative zu Konferenzen mit persönlicher Anwesenheit sind. Viele Privatleute treten in diesem Jahr den gewohnten Urlaubsflug nicht an – und stellen fest, dass auch eine Reise mit einem anderen Verkehrsmittel oder in die nähere Umgebung attraktiv sein kann.

Wie sieht es in den einzelnen Ländern konkret aus? Ein Überblick:

DEUTSCHLAND

Flotte: Die größte deutsche Fluggesellschaft, Lufthansa, hat einschließlich der Billigflugtochter Eurowings rund 800 Maschinen, etwa 100 könnten dauerhaft am Boden bleiben. Der Reiseveranstalter Tui betreibt 150 Flieger, Condor 56. Die deutschen Airlines beförderten im vergangenen Jahr 162 Millionen Passagiere von insgesamt 248 Millionen Fluggästen in Deutschland.

Inlandsflüge: 23 Millionen Passagiere flogen 2019 innerhalb Deutschlands.

Krise: Die Lufthansa braucht zur Rettung 10 Milliarden Euro.

Staatliche Hilfe: Nach Spiegel-Informationen haben sich die Spitzen der Bundesregierung auf einen Deal mit der kränkelnden Airline geeinigt. Condor hat nach der Pleite der Muttergesellschaft Thomas Cook bereits einen staatlichen Kredit erhalten und jetzt einen weiteren in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro. Der Reiseveranstalter Tui, dem die Tui-Flugzeugflotte gehört, hat einen staatlichen Kredit von 1,8 Milliarden Euro bekommen.

Klimaziele: Spielen in den Verhandlungen bislang keine Rolle. Anja Krüger

ÄTHIOPIEN

Flotte: Die drei wichtigsten afrikanischen Fluggesellschaften sind Ethiopian Airlines, Egypt Air und Kenya Airways. Ethiopian Airlines ist die größte Fluggesellschaft in Afrika mit 111 Flugzeugen und hat die modernste Flotte auf dem Kontinent. Sie fliegt zu 106 Reisezielen weltweit, aber vor allem innerhalb Afrikas.

Krise: Ethiopian Airlines gehört komplett dem Staat und erwartet dieses Jahr durch die Coronakrise einen Verlust von rund 1 Milliarde Euro. Egypt Air gehört ebenfalls komplett dem ägyptischen Staat und fliegt mit 74 Fliegern zu 75 Reisezielen weltweit, darunter viele in Afrika südlich der Sahara. Um die ersten durch die Coronakrise verursachten finanziellen Verluste zu tragen, braucht die Gesellschaft 140 Millionen Euro.

Staatliche Hilfe: Kenya Airways ist seit einiger Zeit in finanziellen Schwierigkeiten, verursacht durch riesige Schulden und Korruption. Der Staat, der zu fast 50 Prozent Anteilseigner ist, hat ein Darlehen von umgerechnet 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Kenya Airways hatte um 70 Millionen gebeten. Die Gesellschaft mit 40 Fliegern benutzt seit der Krise einige ihrer Dreamliner, um Fracht zu transportieren. Ilona Eveleens

CHINA

Flotte: Die größten Linien sind China Eastern Airlines mit 607, China Southern Airlines mit 603 und Air China mit 439 Fliegern.

Krise: Im ersten Quartal betrug der Verlust knapp 40 Milliarden RMB, rund 5 Milliarden Euro. Dennoch gilt die chinesische Flugindustrie im internationalen Vergleich als moderater Hoffnungsschimmer. Über ein Drittel aller Flugzeuge, die seit März wieder in Betrieb genommen wurden, stammen aus China. Bei den meisten Flügen handelt es sich um Inlandsrouten im Süden des Landes, die vorwiegend Arbeiter nutzen.

Staatliche Hilfe: Der HNA-Mischkonzern, dessen Kerngeschäft Fliegen ist, galt Ende Februar als erstes prominentes Opfer der Coronakrise: Das Unternehmen wurde de facto von der Lokalregierung Hainan übernommen. Die Kosten für Starts und Landungen wurden reduziert und die Infrastrukturinvestitionen für Flughäfen drastisch erhöht. Gleichzeitig zahlt der Staat bis Ende Juni Subventionen für jeden geflogenen Kilometer.

Besonderheit: Im April sind knapp 7.000 internationale Flüge entweder in China gelandet oder haben von dort abgehoben. Bei den meisten handelt es sich um Frachtgüter. Fabian Kretschmer

FRANKREICH

Flotte: Die 1933 gegründete Air France ist in Partnerschaft mit KLM und mit den Lowcost-Filialen Hop und Transavia. Daneben existieren nur Gesellschaften für Verbindungen mit Korsika, den Inseln in der Karibik und im Südpazifik sowie Ableger der Lowcost-Flieger. Der französische Staat ist als ehemaliger Hauptaktionär noch mit 14,3 Prozent am Kapital der Holding AF-KLM (Mitglied von Skyteam) beteiligt. Air France verfügt über insgesamt 279 Maschinen.

Krise: Für das erste Quartal 2020 hat AF-KLM einen Verlust von 1,8 Milliarden Euro verzeichnet, der wegen der zu fast 90 Prozent ausfallenden internationalen Flüge beträchtlich (schätzungsweise 1 Milliarde pro Monat) anwachsen dürfte.

Staatliche Hilfe: Die Regierung hat angesichts des Widerstands der übrigen AF-KLM-Aktionäre auf die ursprünglich erwogene Nationalisierung verzichtet, bietet aber eine Finanzhilfe in Höhe von bis zu 7 Milliarden Euro an, da AF-KLM neben Lufthansa und British Airways zu den „soliden Airlines“ zähle, welche die Krise überleben würden.

Klimaziele: Die ökonomischen Kriterien der staatlichen Hilfe kommen klar vor klimapolitischen Überlegungen. Grundsätzlich gilt noch das Versprechen, bis 2024 den CO2-Ausstoß der Inlandsflüge ab Paris-Orly um 50 Prozent zu reduzieren. Rudolf Balmer

GROSSBRITANNIEN

Flotte: Die Airline Easy Jet hat 318 Flugzeuge, British Airways 280 und Jet 2 92.

Inlandsflüge: Laut Passagierzahlen der letzten Jahre sind um die 9 Prozent der Flüge Inlandsflüge.

Krise: Richard Branson von Virgin Atlantic wollte, dass die Regierung seine Verluste bezahlt, bekam aber nichts. Der Bankrott der Airline Flybe wurde vom Staat nicht verhindert. Die Industrie behauptet, sie benötige weitere Extrahilfe.

Staatliche Hilfe: Alle Angestellten erhalten von der Regierung 80 Prozent ihrer Gehälter bis maximal umgerechnet 2.833 Euro pro Monat bis Ende Oktober. Für Airlines, genauso wie für alle großen britischen Unternehmen, sind Überbrückungsanleihen in Höhe von bis zu 57 Millionen Euro mit teilweise Garantien der Regierung möglich. Ausstehende Mehrwertsteuer muss zunächst nicht bezahlt werden.

Klimaziele: Offiziell gibt es dazu keine Verlautbarungen. Es könnte allerdings sein, dass es deswegen keine Extrawurst für Luftfahrtgesellschaften gegeben hat.

Besonderheit: Ein geplanter Ausbau des Flughafens Heathrow wird immer ungewisser, während Gatwicks neuer Besitzer, der Baukonzern Vinci, den Bau einer zweiten Start-und-Lande-Bahn in Auftrag geben will. Dainiel Zylbersztajn

INDIEN

Flotte: Die staatliche Air India ist die älteste und am besten international vernetzte Fluggesellschaft Indiens mit etwa 170 Maschinen. Lokal ist der Billigflieger Indigo mit über 250 Maschinen besser aufgestellt.

Inlandsflüge: Laut der Generaldirektion der Zivilluftfahrt Indiens sank der inländische Flugverkehr im März 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um ein Drittel auf 7,7 Millionen Passagiere.

Krise: Laut der Ratingagentur Icra bräuchten die indischen Fluggesellschaften bis 2023 eine Finanzspritze von 4,3 Milliarden Euro, um sich über Wasser, also in der Luft zu halten. Der Weltluftfahrtverband IATA schätzt den Einnahmeverlust der Airlines auf 10 Milliarden Euro.

Staatliche Hilfe: Die Regierung hat sich dazu noch nicht geäußert.

Klimaziele: Spielen bei den Rettungsplänen bislang keine Rolle.

Besonderheit: 2019 ging bereits die Airline Jet Airways pleite, da sie keinen Käufer fand. Auch die verschuldete Air India stand schon vor der Coronakrise zum Verkauf. Die bisherigen guten Wachstums­prognosen sind der Prognose gewichen, dass Hunderttausende Arbeits­plätze in der Branche gefährdet sind. Natalie Mayroth

IRLAND

Flotte: Aer Lingus hat 57 Maschinen. Sie ist eine Tochter der International Airlines Group, zu der auch British Airways und Iberia gehören. Ryanair ist mit 277 Flugzeugen die größte Billigfluggesellschaft Europas.

Krise: Aer Lingus kämpft ums Überleben, da die Muttergesellschaft vom Bankrott bedroht ist, und will die Belegschaft um 20 Prozent verkleinern. Es geht um 900 Jobs. Ryanair ist wegen Rücklagen und Ausbeutung der Angestellten etwas besser aufgestellt und wird überleben. Aber das Unternehmen will 15 Prozent der Belegschaft entlassen – rund 3.000 Angestellte. Beide haben die Gehälter vorübergehend um die Hälfte gekürzt.

Staatliche Hilfe: Der irische Staat subventioniert das Gehalt von Angestellten, deren Unternehmen wegen der Coronakrise mindestens 25 Prozent des Umsatzes eingebüßt haben: mit 70 Prozent des Nettoeinkommens und bis zu 410 Euro pro Woche. Das gilt auch für Aer Lingus und Ryanair. Mitte Juni läuft die Hilfe aus. Die Fluglinien verlangen eine Verlängerung, weil es länger dauen wird, bis man wieder auf die Beine, also in die Luft kommt. Linke Abgeordnete fordern, Aer Lingus zu renationalisieren, statt so lange Geld hineinzupumpen, bis die privaten Eigentümer wieder Profit machen.

Klimaziele: Spielen bisher keine Rolle. Ralf Sotscheck

KOLUMBIEN

Flotte: Die kolumbianische Airline Avianca umfasst 176 Flugzeuge.

Inlandsflüge: 2019 hat Avianca 54 Prozent der gut 29 Millionen Passagiere im Inland transportiert. Billigflieger wie Viva Air, die teilweise der Mutterfirma der irischen Ryanair gehören, machen sich jedoch immer mehr im Inland breit.

Krise: Viva Air hat einen staatlichen Überbrückungskredit beantragt. Am 10. Mai meldete Avianca Insolvenz an, die zweite seit 2003. Avianca war seit Monaten in der Krise. Die meisten Mitarbeiter*innen verzichten seit Beginn des Flugverbots auf Gehalt, um die Airline zu retten. Sie sollen ihre Arbeit behalten, betont Avianca. Avianca Perú wird hingegen abgewickelt.

Staatliche Hilfe: Der Staat prüft die Gewährung von Krediten. Dass der Staat bei Avianca einsteigt, sei ausgeschlossen, sagte Finanzminister Alberto Carrasquilla. Der Sitz der Holding ist mittlerweile im Steuerparadies Panama, weshalb viele Kolumbianer*innen gegen eine staatliche Rettung sind.

Klimaziele: Spielen zurzeit keine Rolle.

Besonderheit: Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle. Ohne Flugverkehr geht es nicht. Manche Teile des riesigen Landes – wie Leticia, die Hauptstadt der Provinz Departamento de Amazonas – sind nur aus der Luft zu erreichen. Katharina Wojczenko

SPANIEN

Flotte: Die Fluggesellschaft Iberia hat 108 Maschinen, Vueling 118 und Air Europa 66.

Krise: Der spanische Verband der Fluggesellschaften (ALA) spricht von einem „Überlebenskampf“. ALA schätzt die Einbußen durch die Coronakrise auf 15 Milliarden Euro. Werden alle Zulieferer und Dienstleister mit einbezogen, belaufen sich die Verluste in Spanien durch die fast komplette Einstellung des Flugverkehrs auf 55 Milliarden Euro. Das sind über 4 Prozent des BIP. Die Fluggesellschaften verlangen von der Regierung, dass ihnen die Flughafengebühren bis auf Weiteres erlassen werden. Außerdem fordern sie Direkthilfen von bis zu 13 Milliarden Euro.

Staatliche Hilfe: Die Regierung hält sich bedeckt. Sie wartet auf ein gemeinsames Vorgehen aller EU-Länder.

Besonderheit: Die sogenannten spanischen Fluggesellschaften sind mit Ausnahme einiger kleinerer Inlandsgesellschaften längst nicht mehr spanisch. So gehört etwa die einstige staatliche Iberia und die Billigfluggesellschaft Vueling zum Konsortium International Airlines Group (IAG) rund um British Airways. Auch Air Europa steht kurz vor der Übernahme durch IAG. Reiner Wandler

TUNESIEN

Flotte: Die halbstaatliche Airline Tunisair dominiert mit ihren 28 Flugzeugen und 40 Zielen die Luftfahrtbranche des Landes. Hinzu kommt das Tochterunternehmen TunisAir Express mit vier Embraer-Regionaljets. Die private Nouvelair betreibt 11 Maschinen und die regionale Syphax Airlines noch zwei Propellerflugzeuge.

Krise: Tunisair braucht etwa 31,5 Millionen Euro. Chef Elyes Mnakbi warnt, dass die älteste nordafrikanische Fluggesellschaft schon im Juni bankrott sein könnte, wenn der Flugverkehr weiter lahmliege.

Staatliche Hilfe: Ob die Regierung Tunisair in der Coronakrise finanziell unterstützen wird, ist unklar.

Klimaziele: Trotz der Nähe zu Italien spielt die Anreise per Fähre bisher nur für tunesische Gastarbeiter eine Rolle.

Besonderheit: Viele große Hotels verkaufen ihre Zimmer in Verbindung mit einem Charterflugkontingent an ausländische Reiseveranstalter. Die Lage der Airlines beeinflusst daher die Hotelbuchungen. Mirco Keilberth

USA

Flotte: American Airlines verfügt über 1.569 Maschinen, Delta über 1.349 Maschinen, Southwest Airlines über 754 Maschinen und United Airlines über 1.380 Maschinen.

Inlandsflüge: An normalen Tagen sind 2,7 Millionen Passagiere im Luftraum der USA unterwegs, davon mehr als die Hälfte auf Inlandsflügen. Im April gingen nur noch rund 200.000 Menschen pro Tag in die Luft.

Staatliche Hilfe: Von den Rettungsgeldern in Höhe von 50 Milliarden Dollar an die Fluggesellschaften – davon 25 Milliarden für Lohnfortzahlungen bis Dezember und 25 Milliarden als günstige Darlehen – profitieren alle Großen des Geschäfts. Aber auch manche Kleine, die Taxidienste für Konzernchefs anbieten, kommen in den Genuss der Rettungsgelder.

Klimaziele: Spielt bei den Hilfen keine Rolle.

Besonderheit: Die Konzernberater von McKinsey gehen davon aus, dass eine Rückkehr zur Normalität frühestens 2022 möglich ist. Die Zahl der Flugzeuge, die auch während der Pandemie im Luftraum der USA unterwegs sind, ist um 58 Prozent geschrumpft. Von den knapp 90.000 Flugzeugen, die in normalen Zeiten täglich über den USA unterwegs sind, sind nur ein Drittel Passagierflieger. Die übrigen sind Privatmaschinen, Flugtaxis, Militärflugzeuge und Frachtflugzeuge. Dorothea Hahn

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. Im April sowie im Mai beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bis zum 29. Juni bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen noch vor dem Sommer wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Vor Publikum werden in dieser Saison in jedem Fall keine Spiele mehr stattfinden.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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