Lockerungsdebatte in der Pandemie: Mehr Normalität ist möglich
Corona wird noch eine Weile unseren Alltag bestimmen. Aber Impfungen, Tests und Erfahrungswerte geben uns dennoch die Chance auf mehr Freiheiten.
J e länger diese Pandemie dauert, desto klarer wird: Wir müssen uns mit diesem Virus arrangieren. Es ist da, und es wird weniger schnell (wenn überhaupt) wieder verschwinden, als man noch vor der zweiten Welle im Herbst dachte. Einmal harter Lockdown und dann wieder zurück auf Normal? Ein Irrtum.
Die Belastungen für Eltern aus Homeoffice und Kinderbetreuung, das Hangeln der Soloselbstständigen von einem Soforthilfepaket zum nächsten, die prekäre Lage gerade der kleineren Fische im Kulturbetrieb, die wachsende Bildungsungerechtigkeit: die sozialen Verwerfungen nehmen zu, aber die Inzidenzen sinken nicht.
Gleichzeitig wird klar: Unsere Möglichkeiten wachsen, auch mit einer Inzidenz über null dauerhaft umzugehen, sogar mit einer Inzidenz von über 35 – die ja immer als Schallmauer galt, ab der es wieder Lockerungen geben könnte.
Mehr testen, schneller impfen
Selbsttests für SchülerInnen kommen und können weitere Schulöffnungen flankieren, versichert die Senatsbildungsverwaltung. Regierungschef Michael Müller (SPD) drängt vor dem Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch darauf, die Impfverordnung flexibler zu gestalten, sodass schon im April auch in Arztpraxen geimpft werden kann. Die Berliner Amtsärzte erklärten in einem gemeinsamen Schreiben, auch Inzidenzen von 50 seien für die Gesundheitsämter kein Problem.
Der Coronastufenplan, den Berlin am Mittwoch in die Länderberatungen einbringt, ist zu Recht nicht mehr auf eine Inzidenz von 35 fixiert, sondern nimmt auch andere Parameter in den Blick – etwa wie stabil die Infektionszahlen auf einem händelbaren Niveau gehalten werden können.
Schneller impfen, mehr testen, (demnächst) selbst testen – die Infrastruktur, die es im ersten Coronajahr nicht gab, die gibt es jetzt (bald). Es gibt außerdem Erfahrungswerte und ausgetüftelte Hygienekonzepte für viele Bereiche des öffentlichen Lebens. Mehr Normalität ist möglich. Auch wenn Corona bleibt.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert