piwik no script img

Lily King „Herz, König“Spätfolgen einer ersten Liebe

Die College-Welt ist eine ganz eigene Welt. Lily King erzählt davon, wie eine Liebe aus der Zeit sich nach langer Funkstille dramatisch verändert.

Am Studium ist besonders toll, dass man sich in einen offenen Raum begibt. Man lernt sich beim Lernen neuer Dinge selbst neu kennen, die Welt erscheint kaum begrenzt, und es gibt reichlich auszuprobieren. In so eine Welt gerät eine begabte amerikanische Studentin der Literatur, deren Name unbekannt bleibt.

Sie lernt an der Uni zwei ebenfalls begabte Studenten kennen, die ihr ungefragt Spitznamen geben, erst Daisy, bald darauf Jordan. Der eine der beiden Studenten, Sam, wird ihr erster Freund an der Uni. Der andere, Yash, wird ihre erste Liebe.

Die Schriftstellerin Lily King schafft in „Herz König“ einen Collegekosmos mit seiner sehr eigenen Mischung aus gegenseitiger Neugier und Konkurrenz, der zugleich aus vergangenen Zeiten stammt. Aus einer Zeit, in der in Seminaren Bücher aus bedrucktem Papier gelesen wurden, in der man sich in akademischem Dogmatismus genauso erprobte wie in der Liebe.

Ein Buchcover

Das Buch

Lily King: „Herz König“. Aus dem Englischen von Eva Bonné. C. H. Beck Verlag, München 2026, 222 Seiten, 24 Euro

Ihre Jordan, die als Ich-Erzählerin im Präsens spricht, hat einen sehr klaren Blick für alles, was sie umgibt, eine feine Nase für die Gerüche in der Küche, wenn sie zum ersten Mal mit Yash zu zweit frühstückt, während er in der Pfanne Kartoffeln für sein Rührei brät, und sie registriert sehr bewusst ihre Regungen bei der langsamen Annäherung an Yash, die eigene Hilflosigkeit ebenso wie seine mit Witz quittierend.

Kontakt nach langer Funkstille

Ein Bruch bringt Jordan und Yash auseinander. Das Buch springt um ein paar Jahrzehnte in der Handlung voran, Jordan hat inzwischen einen anderen Partner und zwei Kinder. Unerwartet meldet Yash sich bei ihr, nach langer Funkstille.

Man trifft sich, bringt einander auf den neuesten Stand. Das nächste Treffen zwischen ihnen wird dann dramatischer. Auch ändert sich der Erzählton. Aus der die ganze Realität erfassen wollenden Wachheit wird eine verengte Perspektive, in der Verlust und Trauer überwiegen. Weniger bitter hätte dem Schluss geholfen. Tim Caspar Boehme

Mehr zum Thema

0 Kommentare