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Libanon und der IrankriegStreit um die Hisbollah weitet sich aus

Libanon weist den iranischen Botschafter aus. Kurz darauf landen Teile einer von Israel abgeschossenen iranischen Rakete im Libanon.

Israelische Luftangriffe auf die südlibanesische Stadt Tyros am 24. März Foto: Fabio Bucciarelli/Middle East Images/imago
Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

Der iranische Botschafter im Libanon, Mohammad Reza Shaibani, muss seine Koffer packen. Bis Sonntag hat ihm das libanesische Außenministerium Zeit gegeben, um den Libanon zu verlassen. Die libanesische Regierung hat den Botschafter offiziell zur Persona non grata erklärt.

Das sei kein Abbruch der diplomatischen Beziehungen, erklärte das libanesische Außenministerium. Shaibani habe gegen diplomatische Normen verstoßen, sich in Innenpolitik eingemischt, Regierungsentscheidungen kritisiert und „Treffen mit inoffiziellen libanesischen Parteien abgehalten“.

Damit ist die Hisbollah gemeint. Premierminister Nawaf Salam beschuldigt die iranischen Revolutionsgarden, Hisbollah-Operationen zu befehlen. Die libanesische Regierung hatte Anfang März alle militärischen Aktivitäten der Hisbollah verboten.

Einige Stunden nach der Entscheidung am Dienstag fielen Raketenteile in den Orten Keswerwan und Metn auf die Straße. Libanesische Medien spekulierten, die iranische Rakete habe der amerikanischen Botschaft gegolten. Israelische seegestützte Abwehrsysteme wehrten die Rakete ab. Die Hisbollah feuerte am Mittwoch mehr als 100 Raketen auf Nordisrael sowie auf Naqoura und Bint Jbeil – zwei Orte, in denen die israelische Armee vorrückt.

Südlibanon vom Rest des Landes abgeschnitten

Die Zerstörung im Südlibanon geht weiter. Libanesische Medien berichten, dass die israelische Armee alle Brücken über dem Litani-Fluss zerstört habe – dadurch ist Südlibanon vom Rest des Landes abgeschnitten. Trotz der israelischen Vertreibungswarnungen sind dort noch immer viele Menschen, die aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen ihre Häuser nicht verlassen können. Ärzte ohne Grenzen meldet, der Zugang für humanitäre Hel­fe­r*in­nen sei durch die Zerstörung der Brücken deutlich erschwert.

Bei israelischen Angriffen im Südlibanon sind mindestens neun Menschen getötet worden, meldet das libanesische Gesundheitsministerium. Darunter zwei Tote bei einem Angriff auf eine Wohnung im Flüchtlingslager Mieh Mieh am Mittwoch.

Diplomatisch scheint es kaum Fortschritte zu geben. Am Mittwoch sagte Hisbollah Chef Naim Qassem, Verhandlungen seien kein Thema, solange Israel libanesisches Land besetze. Mehrere Länder sollen laut Medienberichten bei der Hisbollah nach ihren Bedingungen für einen Waffenstillstand gefragt haben. Angeblich wünschen sich die Diplomat*innen, dass die Front im Libanon von der im Iran getrennt wird.

„Als wäre es nie passiert“

Ein Waffenstillstandsabkommen aus dem November hatte Israel täglich gebrochen. Israel wiederum verwies darauf, dass die Hisbollah nicht im ganzen Libanon entwaffnet wurde, was Teil des Waffenstillstandsabkommens war. Israel könnte sich nun weigern, die Konfliktlinien zu trennen und den Krieg im Libanon fortsetzen.

Trotz mutmaßlicher Gespräche zwischen Iran und den USA weitet Israel seine Luft- und Bodenangriffe im Libanon aus. Das erklärte das israelische Militär laut Quellen des israelischen Radiosenders KAN. „Wir haben keine Anweisung erhalten, die Operationen einzustellen“, so die Quellen. Am Dienstag forderte der israelische Außenminister Israel Katz die Annexion des Südlibanon. Laut dem rechtsextremen Finanzminister Bezalel Smotrich soll der Litani-Fluss zur neuen Grenze Israels werden.

Auch die libanesische Regierungsinitiative gegen den iranischen Botschafter trägt keine Früchte. Laut saudischem Sender al-Hadath werde die iranische Botschaft die Entscheidung des libanesischen Außenministeriums so behandeln, „als wäre es nie passiert“.

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