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Leon WeintraubHolocaust-Überlebender fordert AfD-Verbot

Leon Weintraub hat die Shoa überlebt. Aus diesem Grund unterstützt er jetzt in einem offenen Brief die Forderung nach einem AfD-Verbotsverfahren.

privat

An diesem Wochenende startet in Nordrhein-Westfalen der „NRW-Appell für ein AfD-Verbot“. Bis Juli will die Initiative 100.000 Unterschriften aus NRW sammeln und so Landtag und Landesregierung dazu bringen, gegenüber dem Bundesrat für ein AfD-Verbotsverfahren einzutreten. Zu den Unterstützern des Appells gehört neben über 50 Initiativen aus fast 29 Städten auch Leon Weintraub, der den Holocaust und mehrere KZs überlebt hat.

Sich gegen die Feinde der Demokratie zu wehren – und damit auch gegen die AfD – sei die entscheidende Lehre aus dem Holocaust, so Weintraub. In diesem offenen Brief wendet der 100-Jährige sich an den Landtag und die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen:

Die Verbrechen der Nazis begannen nicht in Auschwitz. Sie begannen mit Ausgrenzung, Erniedrigung und mit Verächtlichmachung der Jüdinnen und Juden und weiterer Minderheiten

Leon Weintraub

Am Anfang steht immer die Sprache.

Die Verbrechen der Nazis begannen nicht in Auschwitz. Sie begannen mit Ausgrenzung, Erniedrigung und mit Verächtlichmachung der Jüdinnen und Juden und weiterer Minderheiten.

Über fünf bittere Jahre lang habe ich am eigenen Leib erfahren müssen, welche Folgen es haben kann, wenn Menschen herabgewürdigt, verächtlich gemacht und erniedrigt werden. Ich habe während des „12 Jahre dauernden 1000-jährigen Reiches“ gelitten; über vier Jahre im Ghetto in Litzmannstadt, danach in Auschwitz und in drei weiteren Konzentrations-Lagern. Ein sehr großer Teil meiner Familie wurde ermordet.

Bitte hören Sie nicht auf die Lockrufe der Rechten und vor allen Dingen, nehmen Sie ernst, was diese von sich geben. Sie meinen, was sie propagieren!

Heute ist es die AfD (Ich bin überzeugt: „KEINE“ Alternative für Deutschland!), die mit ihrer verächtlichen Sprache Minderheiten angreift, die nicht in ihr völkisch-nationalistisches Weltbild passen.

Unsere Aufgabe als Demokratinnen und Demokraten ist es, sich dagegen zu wehren. Wir dürfen den Feinden des Rechtsstaates und der Demokratie nicht das Feld überlassen.

Den Müttern und Vätern des Grundgesetzes war dies bewusst, und so haben sie, wenn auch mit hohen Hürden versehen, die Möglichkeit eines Parteiverbotes geschaffen. Wenn „Nie wieder ist jetzt“ eine Bedeutung haben soll, dann muss sich eine freiheitliche Demokratie gegen ihre Feinde wehren. Das ist die entscheidende Lehre aus der Geschichte, aus dem Holocaust!

Deshalb unterstütze ich ohne Vorbehalt und leidenschaftlich die Forderungen von AfD-Verbot jetzt.

Ich fordere: Leiten Sie ein Verbotsverfahren gegen die AfD ein.

Die Geschichte wird es Ihnen danken.

Dr. Leon Weintraub

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