Ladeinfrastruktur für E-Autos: Wie Mehrfamilienhäuser an private Ladeanschlüsse kommen
Ein Umweltverband fordert ein Förderprogramm für E-Auto-Ladestationen in Mehrfamilienhäusern. Bisher gibt es Anschlüsse meist in Einfamilienhäusern.
Eigenheim, E-Auto, Wallbox als private Ladestation – das klappt in Deutschland ganz gut, ist aber nicht für jeden bezahlbar. Deshalb fordert der Klima- und Verkehrsverband Transport & Environment (T&E): Um sozial gerechte Lademöglichkeiten zu schaffen, vor allem für Menschen in Mehrfamilienhäusern, müsse die Bundesregierung ein Förderprogramm aufsetzen.
Das sei mit vergleichsweise wenig Geld umsetzbar, sagt T&E. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Auftrag des Verbands hat ergeben: Bis zu 3 Millionen Stellplätze könnten mit insgesamt 500 Millionen Euro für das Laden von E-Autos vorbereitet werden.
„Vorbereitet werden“ bedeutet, dass Elektro- und Datenleitungen zu einem jeweiligen Stellplatz verlegt sowie die Strommesstechnik vorinstalliert werden. Später kommen die Kosten für die Wallbox – zwischen rund 200 und 2.000 Euro, je nach Ausstattung des Geräts – und für deren Installation hinzu.
Das deutsche Ladenetz wird dichter, trotzdem gibt es noch Schwachstellen, eben zum Beispiel bei Mehrfamilienhäusern oder an Autobahnen. 2025 hat das Bundesverkehrsministerium eine extra Förderung für private Ladeanschlüsse an Mehrparteienhäusern in Aussicht gestellt. Wie genau die aussehen wird, soll bis April feststehen, teilte das Ministerium der taz mit.
Regeln für bestehende Wohngebäude
Bei Neubauten richtet sich der Bau von Ladeinfrastruktur nach dem Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz, kurz GEIG. Auf europäischer Ebene gibt es seit 2024 ergänzend die EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD), die Deutschland bis Mai 2026 in nationales Recht umsetzen muss. Teile davon deckt das GEIG schon ab.
Susanne Goetz, Transport & Environment
T&E kritisiert nun, dass die Bundesregierung die europäische EPBD eins zu eins übernehmen will. Der Verband wünscht sich ehrgeizigere Regelungen. Das EPBD enthalte nämlich keine verbindlichen Ziele für bestehende Wohngebäude, es sei denn, es steht eine aufwendige Renovierung an. 5,6 Millionen bestehende Stellplätze wären dann auch nach 2030 noch nicht für einen privaten Ladeanschluss vorbereitet.
„Damit zementiert die Bundesregierung eine strukturelle Schieflage der Elektromobilität“, meint Susanne Goetz, T&E-Expertin für Elektromobilität. Wer im Einfamilienhaus wohnt, könne günstig laden – Mieter:innen in Mehrfamilienhäusern würden allein gelassen. Schon jetzt würden E-Autos in Deutschland zweieinhalbmal so oft von Bewohner:innen eines Ein- oder Zweifamilienhauses gefahren wie von Menschen in Mehrparteienhäusern.
In Europa haben E-Auto-Verkäufe währenddessen einen „historischen Meilenstein“ erreicht, wie das Forschungsinstitut ICCT am Montag mitteilte. 2025 war demnach eines von fünf neu zugelassenen Fahrzeugen voll elektrisch, das entspricht einem Anstieg von 4 Prozentpunkten seit 2024 – und dem höchsten jemals verzeichneten Wert.
In Deutschland machten Stromer und Plug-in-Hybride zusammen fast ein Drittel der Neuzulassungen aus, in nordeuropäischen Ländern und den Niederlanden sogar 50 Prozent. Der europäische Automarkt elektrifiziere sich weiter schnell – trotz regulatorischer und geopolitischer Unsicherheiten, sagt ICCT-Forscherin Sonsoles Díaz. Die meisten Autobauer seien auf gutem Wege, die EU-Klimavorgaben für ihre Neuwagenflotten einzuhalten.
Dennoch rückte die EU zuletzt von dem bisher geplanten Verkaufsverbot für neue Verbrenner ab 2035 ab.
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