Lachende Promis: Gefährliches Glück

Woher kommt das Lachen von Promis wie Lothar Matthäus und Gerhard Schröder? Aus tiefster Seele. Aber wo sitzt die?

Altbundeskanzler Gerhard Schröder und seine Frau Soyeon Kim tanzen beim 68. Bundespresseball in Berlin.

Haben gut lachen: Gerhard Schröder und seine Frau Soyeon Kim 2019 beim Bundespresseball in Berlin Foto: Jens Kalaene/dpa

„Wie geht’s eigentlich Gerhard Schröder?“, fragt der Freund beim Spaziergang entlang des Isebek­kanals.

„Wie kommste denn jetzt auf den?“

„Na, weil Raider doch bald Twix heißt!“

„Hä?“

„Na, Hartz IV wird umgetauft in Bürgergeld und das ist doch Schröders Baby!“

„Wie soll es ihm schon gehen? Der ist jetzt nicht so der selbstreflektierte Reue-Typ, dem ist alles pillepalle, vor allem das, was die SPD jetzt macht.“

„Wie kommst du darauf?“

„Na, der lacht die ganze Zeit und hat im Geiste immer noch den Daumen hoch!“

„Wer ständig lacht, dem ist alles schnurz, deshalb gibt es doch überteuerte Lachseminare!“

„Aber was findet Schröder denn so lustig?“

„Ein alter weißer Mann zu sein vielleicht?“

„Was ist daran lustig?“

„Vielleicht ist es doch eher große Freude.“

„Freude worüber?“

„Ausgesorgt zu haben, für immer und immer.“

„Er ist der Prototyp des Happy-Lobbyisten ohne bestechendes Gewissen!“

„Aber so ein alter weißer Mann kann ja auch krank werden und sterben!“

„Das fällt einem gar nicht mehr ein, wenn man ständig lacht!“

„Bevor Gerhard Schröder stirbt, heiratet der eher noch mal“

„Noch zweimal!“

„Ich glaub, Lothar Matthäus hat sechsmal geheiratet!“

„Den hab ich noch nie lachen sehen.“

„Der hat nur dieses traurig-debile ­Dummer-Mann-Grinsen.“

„Die neue Frau von Gerhard Schröder lacht auch viel, zumindest guckt sie immer sehr froh.“

„Die lachen zusammen alles fröhlich weg bei Instagram.“

„Aber bei Instagram gibt es kein echtes Lachen!“

„Was zur Hölle ist echtes Lachen?“

„Eines, das aus tiefster Seele kommt?“

„Was zum Teufel ist Seele? Das ist doch ­imaginierter Unfug!“

„Vielleicht steht die Seele einfach für das Gute im Menschen!?“

„Das Gute? Jetzt komm mal runter, Seele! Wo soll die sitzen!? Im Darm vielleicht? Da sitzt ja neuerdings alles Wichtige! Alles eine Frage der Darmflora!“

„Vielleicht hat Gerhard Schröder bloß eine übergesunde Darmflora und muss deshalb die ganze Zeit lachen!“

„Menschen, denen es zu gut geht, die sind richtig gefährlich!“

„Hast du schon die Kühnert-Doku gesehen?“

„Hab wieder ausgemacht, war mir irgendwie zu düster.“

„Düster?“

„Zumindest trist, der Kevin wirkt völlig überarbeitet, angespannt, blass, raucht zu viel.“

„Er lacht nicht?“

„Kann mich nicht dran erinnern.“

„Politik ist ja auch eine ernste Angelegenheit.“

„Hab mal gelesen, die besten Entscheidungen treffe man, wenn man dringend pinkeln muss, in unabwendbarer Eile sei man schneller und präziser im Denken.“

„Dann ist mal müssen quasi das Gegenteil von schallend lachen?“

„Womöglich.“

„Hier guck mal bei Insta, Seyon Schröder Kim und Gerhard Schröder waren am ­Wochenende auf dem Golfplatz und strahlen vor Glück!“

„Da wurde sein Baby im Sondierungs­papier gerade umbenannt.“

„Es heißt doch immer, Eltern spüren intui­tiv, wie es dem Baby geht!“

„Ja, eben, ganz genau.“

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Jasmin Ramadan ist Schriftstellerin in Hamburg. Ihr letzter Roman „Hotel Jasmin“ ist im Tropen/Klett-Cotta Verlag erschienen. 2020 war sie für den Bachmann-Preis nominiert. In der taz verdichtet sie im Zwei-Wochen-Takt tatsächlich Erlebtes literarisch.

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