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Kunstkollektiv Kunzten in BerlinSie winden sich wie Würmer

Junge Kunst an der Spree: Bis Ende der Woche noch kann man in Berlin eine Ausstellung des Kollektivs „Kunzten“ am Flutgraben anschauen.

Draußen, direkt vor der Kunstfabrik am Flutgraben, fließt die Spree vor sich hin, umspült von einer Suppe aus Musik von den umliegenden Clubs. Drinnen, in den lichtdurchfluteten Räumen, die das Kollektiv Kunzten gerade bespielt, befasst sich Rebekka Benzenberg in „driving blind“ unter anderem mit der Objektifizierung des weiblichen Körpers. Und sie zeigt auf, was in der heutigen Social-Media- und der übrigen Welt (leider) noch immer Realität ist. Das Werk hat sie mithilfe eines Feuerzeugs erschaffen. Eine Technik, die Sprayer auf Clubtoiletten oft benutzen. Ob sich ihre Bilder dadurch ins Gedächtnis brennen sollen? Oder sie die alten Bilder von Weiblichkeit verbrennen will? Es bleibt unklar.

Klar ist hingegen, dass die von Leopold Schaefer und Louis Bortt kuratierten Kunstwerke in der Ausstellung „Echoes“ entweder sehr ästhetisch oder interessant im sehr positiven Sinn oder beides zugleich sind. In beide Kategorien fallen etwa die schwarzen Keramikobjekte von Neda Aydin die sich inmitten des Raumes wie Würmer (oder wie Badenudeln?) um das gleichfarbige Stahlgestell winden. Dabei entsteht ein Tanz zwischen fragilen, weichen und festen Materialien.

Schaefer und Bortt bilden gemeinsam mit Maximilian Schaefer das Kollektiv Kunzten. Seit 2019 fördert die Plattform junge Kunst, zum Beispiel in Ausstellungen wie aktuell in „Echoes“. Angucken lässt sich dort auch ein sich windender Cyborg von Minu Park in einem Brutkasten (irgendwo zwischen Alien und Embryo und zwischen Deutschland und Korea – dorthin schickte die Künstlerin das Werk, damit die Mutter es bestickte), oder ein Film von Jonas Höschl über das versteigerte künstlerische Hab und Gut von Gloria von Thurn und Taxis. Die These des Künstlers: Nach ihrem Abdriften ins rechtsextreme Milieu musste sie die Kunst, die nicht mehr in ihr Weltbild passte, loswerden. Dass sich damit spannende Kunst machen lässt, zeigt der Film.

Die Ausstellung

KUNZTEN show #5: „ECHOES“. Flutgraben e.V., Berlin. Bis 12. Juli.

Kritische Auseinandersetzungen mit Körperdarstellungen finden sich auch bei Felix Giesen. Hier begegnet man männlichen Körpern, genauer seinem eigenen, in zigfacher Wiederholung. In eigens trainierter KI skalierte er Bilder von sich mit „70, 80, oder 90% Männlichkeit“ hoch. Und kombinierte diese mit Malerei und Fotografien von Burschenschaftstreffen, in die er sich zuvor eingeschleust hatte. Entstanden sind bunte Bilder, mit deren Begutachtung man viel Zeit verbringen kann.

Und gemäß dem Titel der Ausstellung „Echoes“, der auf das Nachhallen von Bildern über Jahrhunderte hinweg hinweist, hallen auch die Kunstwerke nach dem Verlassen des Backsteingebäudes nach, eingebrannt oder sich windend wie Cyborgs.

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