Kritik an Camerons Asylpolitik: Briten protestieren mit Petitionen

Die britische Regierung ist für ihre restriktive Einwanderungspolitik bekannt. Nun fordern Zehntausende die Aufnahme von mehr Flüchtlingen.

Der Eurotunnel-Eingang in Calais

Kein Licht am Ende des Eurotunnels. Dennoch erhoffen sich Flüchtlinge dort ein besseres Leben als in Calais. Foto: dpa

LONDON afp| Wegen ihrer restriktiven Einwanderungspolitik wird die britische Regierung derzeit mit Petitionen für die Aufnahme von mehr Flüchtlingen überzogen. Eine parlamentarische Petition fordert die konservative Regierung von Premierminister David Cameron zur Aufnahme von mehr Asylsuchenden auf, bis Mittwochabend wurde sie von rund 46.600 Menschen unterzeichnet. „Es gibt eine weltweite Flüchtlingskrise. Großbritannien gewährt im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nicht angemessen Asyl“, heißt es in der Petition.

„Wir können es nicht zulassen, dass Flüchtlinge ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um entsetzlichen Konflikten und Gewalt zu entkommen, um dann in düsteren, unsicheren und unmenschlichen Zuständen in Europa zu leben“, heißt es weiter. Ab 10.000 Unterschriften muss die Regierung in London auf eine Petition reagieren. Werden mindestens 100.000 Unterschriften gesammelt, wird das Anliegen als Thema einer Parlamentsdebatte geprüft.

Eine weitere Unterschriftenaktion über die Petitionsplattform Change.org, die die britische Innenministerin Theresa May aufruft, Flüchtlingen aus Konfliktgebieten sofort Zuflucht zu gewähren, bekam binnen vier Tagen sogar 135.000 Unterschriften. Die Zeitung The Independent startete am Mittwoch ihre eigene Unterschriftenaktion für eine faire Beteiligung Großbritanniens an der Aufnahme von Flüchtlingen, die nach einigen Stunden bereits 13.600 Unterstützer hatte.

Die Unterschriftenaktionen erhielten womöglich auch wegen des Fotos eines toten Flüchtlingskinds Zulauf, das am Mittwoch an einem türkischen Strand gefunden worden war. Das Bild des kleinen syrischen Jungen verbreitete sich über die sozialen Netzwerke in Windeseile und sorgte europaweit für Bestürzung. Die Pläne der EU-Kommission, verpflichtende Quoten für die Verteilung von Flüchtlingen einzuführen, scheiterten bislang am Widerstand Großbritanniens und einer Reihe osteuropäischer Staaten. Cameron erntete außerdem Kritik, weil er weniger als 6.000 Flüchtlingen aus dem Bürgerkriegsland Syrien Zuflucht gewähren will.

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