Krise am Golf: Amok in der Nachbarschaft
Iran beschießt nun seine Nachbarn. Das Ziel: Die Golfstaaten sollen den Druck an Israel und USA weitergeben. Doch das Kalkül dürfte nicht aufgehen.
Der omanische Außenminister Badr bin Hamad al-Busaidi war noch vergangene Woche zentraler Mediator zwischen USA und Iran. Am Wochenende wurden seine Bemühungen zunichte bombardiert. Der Oman gelangte sogar selbst ins Kreuzfeuer. Zwei iranische Drohnen bombardierten den kommerziellen Hafen Duqm, eine traf eine Unterkunft ausländischer Arbeiter, ein Mann wurde verletzt. Eine andere verursachte Trümmer in der Nähe von Benzintanks.
Nach den völkerrechtswidrigen Angriffen Israels mit den verbündeten USA gegen den Iran trägt die Islamische Republik den Krieg in der Golfregion aus: Raketeneinschläge in den Flughäfen von Dubai und Abu Dhabi, Feuer im Luxushotel Burj al Arab in Dubai, eine gewaltige Explosion auf dem US-Stützpunkt in Manama, iranische Raketen gegen US-Stützpunkte in Saudi-Arabien, Bahrain, Katar, Kuwait und die Emirate. Durch die Angriffe im Golf starben drei Menschen, 44 wurden verletzt.
Alleine auf die Emirate feuerte der Iran 137 Raketen und 209 Drohnen ab. Der Luftraum über Kuwait, Bahrain, Katar und den Emiraten ist quasi leer. Die Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi und Doha sind quasi geschlossen.
Die USA und Israel haben einen klaren militärischen Vorteil. Sie führen einen modernisierten, hochtechnologisierten Krieg, während dem Iran als Verbündete geschwächte schiitische Milizen in Libanon und Irak sowie die Huthis im Jemen und Präzisionsraketen bleiben. Die Kurzstreckenraketen, die den zwölftägigen Krieg im Sommer überstanden haben, reichen gegen Ziele in Küstennähe. Daher attackiert Iran US-Stützpunkte in den Golfstaaten. Mit US-Soldaten auf ihrem Boden werden die Golfländer zu direkten Konfliktparteien zwischen Washington und Teheran.
Druck erhöhen
Nachhaltig ist Irans militärische Taktik nicht: Die USA und Israel haben die überragenderen Luft- und Aufklärungssysteme, die Abschussorte von Raketen bei jedem Start lokalisieren und so systematisch die Abschussrampen zerstören können. Irans Taktik ist es nicht, durch die Angriffe in den Golfstaaten die Verteidigungswaffen der USA zu erschöpfen, sondern vielmehr, internationale Besorgnis zu erhöhen.
Appell des emiratischen Präsidentenberaters, Anwar Gargash, an den Iran.
Dubai, Abu-Dhabi und Doha sind wichtige Luftfahrtdrehkreuze. Die Golf-Hauptstädte sind Zentren der globalen Finanzwirtschaft – legal wie auch illegal. Millionen Barrel Rohöl passieren täglich die Straße von Hormuz. Die Anführer der Huthi-Rebellen drohen, Raketen- und Drohnenangriffe gegen Handelsschiffe wieder aufzunehmen.
Das Ziel Irans: Die Golfstaaten sollen Druck erzeugen, um den Krieg zu verkürzen. Doch die Taktik geht nicht auf. Statt den USA und Israel Dampf zu machen, sind die Golfstaaten sauer auf Iran.
„Kommt zur Vernunft“, appellierte der emiratische Präsidentenberater Anwar Gargash am Sonntag an den Iran. „Euer Krieg richtet sich nicht gegen eure Nachbarn.“ Die Attacken gegen die Golfstaaten seien eine „Fehlkalkulation“ und isolierten den Iran.
Saudisches Doppelspiel
Anfang 2026 hatten die Golfstaaten noch erklärt, die USA dürften ihren Luftraum oder ihr Territorium nicht für Militäraktionen gegen den Iran nutzen. Ihre Meinung könnten sie nun ändern, sollten die Angriffe der Islamischen Republik stärker werden.
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman telefonierte am Samstag mit US-Präsident Donald Trump. Saudi-Arabien baut auf die Partnerschaft mit den USA – die sunnitische Monarchie ist nicht nur Rivale der schiitischen Theokratie im Iran, die Amerikaner sind auch der bessere Businesspartner. Sofort nach der Wahl Trumps im Januar 2025 bekräftigte Bin Salman, Investitionen und Handel auf 600 Milliarden US-Dollar auszuweiten. Die Staatschefs telefonierten in den vergangenen Monaten öfter, berichtet die Washington Post. Demnach soll Bin Salman zwar öffentlich für Diplomatie geworben haben – Trump jedoch am Telefon ermutigt haben, Iran anzugreifen.
Saudi-Arabien und Iran hatten ihre Rivalität bisher in anderen Regionen über verschiedene Bündnisse ausgetragen, nun kommt der Konflikt auf ihren eigenen Grund und Boden. Nach dem Tod von Chamenei hat Irans Vorsitzender des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Ali Larijani, noch heftigere Angriffe gegen die USA angekündigt – ausgetragen auf dem Boden im Golf.
Nur einer scheint seine Wut an die Aggressoren zu richten: „Das ist nicht euer Krieg“, appellierte der sonst so diplomatische omanische Außenminister Badr al-Busaidi in einer direkten Nachricht an die USA. Und das, obwohl schon das Erheben der Stimme nach omanischer Sitte verpönt ist. Bislang ist al-Busaidis Stimme auch die einzige, die noch auf Diplomatie setzt, er rief den UN-Sicherheitsrat auf, auf einen Waffenstillstand zu drängen.
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