Krieg zwischen USA und Iran: Überall sehen die Revolutionsgarden Feinde
Irans Antwort auf den 15-Punkte-Vorschlag von US-Präsident Trump ist eine Absage. Dabei steht das Regime unter Druck – von außen, aber auch von innen.
Pakistan soll offenbar der Ort sein, an dem künftig Iran und die USA reden wollen. Doch zwischen dem vorgeblichen Wollen und dem Erreichen einer Feuerpause liegt ein sehr langer Weg voller Unwägbarkeiten.
Die Islamische Republik Iran – oder das, was von ihr noch übriggeblieben ist – braucht eigentlich eine längere Feuerpause. Denn sie führt dieser Tage einen Überlebenskrieg, in dem sie täglich wichtige Ressourcen und Militärköpfe verliert. Die erheblichen Schäden, die Iran in den Nachbarländern verursacht, sind zwar an den Tankstellen der Welt und in den Ländern selbst spürbar. Doch sie sind kaum vergleichbar mit den Verlusten in Iran.
„Die iranischen Unterhändler sind ganz anders und ‚seltsam‘. Sie flehen uns geradezu an, einen Deal abzuschließen, was sie auch tun sollten, da sie militärisch vernichtet wurden und keinerlei Chance auf ein Comeback haben, und dennoch erklären sie öffentlich, dass sie unseren Vorschlag lediglich ‚prüfen‘. FALSCH!!! Sie sollten besser bald Ernst machen, bevor es zu spät ist, denn sobald das passiert, gibt es KEIN ZURÜCK, und das wird nicht schön!“ Diesen etwas verwirrenden Text schrieb US-Präsident Donald Trump am Donnerstag auf seinem Netzwerk Truth Social.
Doch nicht die Iraner, sondern das vom Regime vertretene System ist seltsam.
Eine Absage an Trump
Wenige Stunden nach Trumps Post kam die Antwort aus Iran: Die Nachrichtenagentur Tasnim, die den Revolutionsgarden gehört, antwortete auf Trumps 15-Punkte-Forderung: Die Aggression „des Feindes“ müsse sofort beendet, es müssten objektive Bedingungen und Garantien geschaffen werden, damit es so etwas nie vorkomme. Entschädigungen für Schäden und Kriegsreparationen müssten gezahlt, das Kriegsende klar definiert und der Krieg selbst an allen Fronten sowie gegen alle Widerstandsgruppen in der Region unverzüglich beendet werden. Das schreibt die Agentur. Und fügt gleich an: Die Verhandlung sei seitens der USA nur eine Täuschung.
Zusammengefasst: Die über Tasnim verbreitete Antwort bedeutet eine Absage.
Was das Regime unter dem Wort „Garantie“ versteht, erläuterte Fars, eine andere Nachrichtenagentur der Garden: Es bedeute eine Verpflichtung der USA, ihre Militärstützpunkte in der Region abzubauen, ihre Truppen, Kommandeure und strategische Ausrüstung abzuziehen, Waffenlieferungen an ihre Verbündeten, sowie ihre Präsenz in den Gewässern rund um Iran zu beenden. Auch die Bedrohungen gegen Irans Proxy-Milizen in der ganzen Region sollen beendet werden.
Irans Verteidigung ist nun dezentral organisiert
Hinter dieser scheinbaren Unnachgiebigkeit versteckt sich Schwäche. Und Angst vor der Zukunft.
Die iranische Kriegsführung liegt offenbar in den Händen unterschiedlicher Kommandanten der Revolutionsgarde, die sich in diesem großen Land an verschiedenen Orten verstecken. Und weil die gezielte Tötung führender Militärs zum festen Bestandteil der israelisch-US-amerikanischen Strategie gehört, können diese Kriegsherren nicht kommunizieren. Jeder entscheidet und handelt nach eigenem Ermessen. Unkoordiniert und aus dem Untergrund führen sie ihre Raketen- und Drohnenangriffen aus, die noch relativ effektiv sind.
Wenn die führenden Generäle, wie der Oberbefehlshaber der Garden Ahmad Vahidi, aus dem Untergrund auftauchen würden, stünden sie im Visier der USA und Israels. Das Wort „Garantie“, das in der Antwort auf Trumps Vorschlag auftaucht, bedeutet auch konkrete Lebensgarantien für bestimmte Personen.
Auch die internen Machtkämpfe – die mit einer gewissen Sicherheit in einer langen Feuerpause unter den Herrschenden ausbrechen würden – könnten für einige Regime-Köpfe lebensbedrohlich werden.
Auf die Proteste folgte Krieg
Doch die Angst der Bevölkerung vor einem Frieden ist ebenfalls groß und gravierend. Denn schon jetzt bereitet sich das Regime auf seinen nächsten Krieg vor – den Krieg gegen die eigene Bevölkerung.
In den letzten Tagen wurden drei junge Menschen hingerichtet, die wegen ihrer Teilnahme an den Protesten im Januar verhaftet worden waren – ein erschreckendes Vorzeichen dessen, was noch kommen wird. In der 47-jährigen Geschichte der Islamischen Republik gab es wiederholt massive Gewalt gegen Regimegegner. Doch nie war sie so massiv wie während der landesweiten Proteste im Januar, bei denen Tausende Menschen erschossen wurden.
Und da der Krieg fast unmittelbar nach den Protesten begann, ist dies für die Revolutionsgarden ein und derselbe Prozess. Der Krieg aus dem Ausland folgte den Unruhen auf den eigenen Straßen. Zumal der US-Präsident Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu die Iranerinnen und Iraner dazu aufgerufen hatten.
In ihrer existenziellen Bedrohung sind die Garden wütend, sehen überall Feinde. Die Straße ist wie der Himmel voller Feinde, schreibt die Nachrichtenagentur Fars. Am Donnerstag veröffentlichten die Garden einen Aufruf zur Mobilisierung der Jugendlichen ab zwölf Jahren – „für die Sicherheit der Straße vor Feinden“.
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