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Krieg im LibanonSinnlose Zerstörung

Israel verkündet Pläne zur langfristigen Vertreibung der Bevölkerung aus dem Südlibanon und zu dessen militärischer Besatzung – auch nach Kriegsende.

Das derzeitige Bombardement des Südlibanons, so wie hier nahe Tyrus, wird wohl nur die Ouvertüre zur israelischen Besatzung sein Foto: Hussein Malla/ap/dpa
Julia Neumann

Aus Beirut

Julia Neumann

In Beirut schreckten drei laute Knalle die Menschen gegen 1 Uhr morgens auf. Die israelische Armee hatte ohne Vorwarnung am Mittwoch ein Wohnhaus in dem Viertel Jnah bombardiert – von einem Kriegschiff aus. Es war einer der täglichen Angriffe auf Viertel in Süd-Beirut, bekannt als Dahyie. Das sind Viertel, die achtmal so dicht besiedelt sind wie Berlin.

Laut Angaben libanesischer Sicherheitskreise und der proiranischen Miliz wurde der Hisbollah-Militärkommandeur für den Irak, Jussef Haschem, getötet. Demnach habe er zum Zeitpunkt des Luftangriffs an einem Treffen mit anderen Hisbollah-Anführern in einem Zelt in Jnah teilgenommen. Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bei dem Angriff insgesamt 7 Menschen getötet.

In den vergangenen vier Wochen wurden durch israelische Angriffe mehr als 1.240 Menschen im Libanon getötet – darunter 87 Frauen und 124 Kinder. Unter den Toten sind 52 Rettungskräfte. 3.500 Menschen wurden verletzt, so das libanesische Gesundheitsministerium.

Ebenfalls im Morgengrauen wurden bei israelischen Angriffen in der westlichen Bekaa-Ebene 4 Menschen getötet. Libanesische Medien berichten, dass durch Aufrufe, den Wohnort zu verlassen, die Region im Osten vom Süden des Landes abgeschnitten werden soll. Israels Militär hat bereits sieben Brücken über den Fluss Litani zerstört, um so das Gebiet im Süden vom Rest des Landes zu isolieren. Dort harren noch Hunderttausende Menschen aus.

Gefährliche Lage

„Wir beobachten, wie die israelischen Streitkräfte zahlreiche Infrastrukturprojekte ins Visier nehmen und uns daran hindern, die wirklich Bedürftigen zu erreichen“, sagt Nora Ingdal, Libanon-Direktorin von Save The Children der taz.

„Mit jeder Flächenwarnung oder Zwangsevakuierung erleben wir neue Vertreibungswellen. Das ist systematisch, im Süden, aber auch im Osten bis hoch nach Baalbek.“ Zivilisten hätten aus wirtschaftlichen oder gesundheitlichen Gründen nicht fliehen können, so Ingdal. „Sie haben das Recht auf Schutz, wo immer sie sich befinden, auch wenn sie nicht fliehen.“

Die Lage ist selbst für Unifil-Blauhelme gefährlich. Am Montag wurden 2 indonesische Soldaten getötet, als eine Explosion am Straßenrand ihr Konvoifahrzeug zerstörte, so Unifil. Einen Tag zuvor war ein indonesischer Soldat getötet worden, als laut Unifil ein Geschoss in einer Unifil-Stellung in der Nähe von Aadshit al-Qusayr im Südlibanon explodierte. Angriffe auf UN-Truppen verstoßen gegen das Völkerrecht.

Der israelische Außenminister Israel Katz bestätigte am Dienstag die Absicht, auch nach Kriegsende libanesisches Gebiet bis zum Fluss Litani, rund 30 Kilometer landeinwärts, zu besetzen. Er kündigte an, das israelische Militär werde die Häuser entlang der Grenze zerstören, um die Rückkehr von etwa 600.000 Ein­woh­ne­r*in­nen zu verhindern – „nach dem Vorbild von Rafah und Beit Hanoun in Gaza“.

Dem Erdboden gleich gemacht

Dort hatte das israelische Militär die meisten Häuser und die Infrastruktur dem Erdboden gleich gemacht. Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch erklärte, die Aussagen von Katz könnten auf Vertreibung und sinnlose Zerstörung hinauslaufen, was Kriegsverbrechen darstelle.

„Angesichts der von einigen israelischen Ministern geschilderten Entwicklung und angesichts dessen, was wir im Gazastreifen mit eigenen Augen gesehen haben: Wie werden Sie die Zivilbevölkerung schützen?“, fragte der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher den UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung am Dienstag. „Wie sollten wir uns als internationale Gemeinschaft gemeinsam vorbereiten, wenn die Liste der besetzten Gebiete noch länger wird?“

Die internationale Gemeinschaft scheint keine Antworten darauf zu finden. Das Bundesentwicklungsministerium versprach am Mittwoch zusätzliche Krisenhilfen für den Libanon in Höhe von 70 Millionen Euro für Notunterkünfte, Nahrungsmittel und Bildung von Vertriebenen zur Verfügung zu stellen.

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6 Kommentare

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  • Westjordanland 2.0

  • Israel reiht seit Jahrzehnten Kriegsverbrechen an Kriegsverbrechen und bekommt dafür vom "Westen" auch noch die Waffen geliefert. Also nichts wirklich Neues was im Libanon passiert.

  • Die UN-Resolution 1701 aus 2006 untersagt bewaffnete Kräfte --außer der regulären libanesischen Armee und UNIFIL-Blauhelmen -- im Südlibanon südlich des Litani Fluss. Die Region ist als Pufferzone zwischen Israel und der Hisbollah vorgesehen, weshalb die Präsenz von Hisbollah-Waffen dort illegal ist.



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    Die Hisbollah ignoriert dies weitgehend und operiert weiterhin im Südlibanon, was zu ständigen Spannungen, zu israelischen Luftangriffen und zur Zerstörung von Gebäuden in den Dörfern direkt an der Grenze führt.



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    Am 2. März hatte die libanesische Hisbollah wieder begonnen - --ferngesteuert durch den Iran und von der USA, Deutschland und anderen europäischen Staaten als Terrororganisation eingestuft -- hauptsächlich den Norden Israels mit zahlreichen Drohnen und Raketen zu beschiessen.



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    Viele Ortschaften im Süden des Libanon sind Hochburgen der mit dem Iran verbündeten Hisbollah. Seit Oktober 2023 hatte die Terrororganisation Israel unprovoziert mit Raketen attackiert.

    • @zartbitter:

      Die aufgeführten Punkte sind korrekt, dennoch schützt das Völkerrecht insbesondere im Krieg die Zivilbevölkerung und verbietet gezielte Massenvertreibung von Zivilist:innen und die Zerstörung ziviler Häuser und Infrastraktur, sowie dauerhafte Besatzung. In der aktuellen israelischen Regierung dominiert die Siedlerbewegung, die ganz offen das Ziel eines Großisraels verfolgt und die Strategie der verbrannten Erde propagiert. Die Hisbullah entstand als libanesiche Gruppe im Krieg und unter der ersten libanesischen Besatzung des Südlibanons (1982-1999) und ging willig eine Allianz mit Israels Erzfeinden Iran und Syrien ein. Das Geld benutzte man auch für die soziale Versorgung der Zivilbevölkerung und konnte diese dadurch von sich abhängig machen. Auch wenn die Hisbullah im aktuellen Krieg vollkommen vernichtet werden sollte, schaffen Massenvertreibung und willkürliche Tötung von Zivilisten oder gar die neue geplante Besatzung keine Sicherheit für Israel, sondern sind der Boden für neue Widerstands- bzw. Terrorgruppen. Zur Hisbullah siehe z.B. hier:

      monde-diplomatique.de/artikel/!3201581

      • @Nina Janovich:

        Das Völkerrecht und Hisbollah



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        Solange "Hisbollah" als terrorristische Widerstandsgruppe agiert , kann sie der UN-Resolution 1559 von 2004 entgehen, nach der alle Milizen ihre Waffen aufgeben sollen.



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        Im Wahlkampf kündigt Ehud Barak 1999 an, die Truppen bis Juli 2000 abzuziehen und Ende Mai 2000 verließen die letzten israelischen Einheiten den Libanon. "Hisbollah" hat Israel die Präsenz dort erschwert, von einer "Vertreibung" kann aber keine Rede sein. Genau diesen Mythos der angeblichen Vertreibung Israels feiert "Hisbollah" bis heute und schöpft daraus als terroristische islamistische Organisation ihr Selbstbewustsein.



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        Die immer lauter werdenden Kritiker auch aus dem Kreis der Schiiten innerhalb der libanesischen Gesellschaft, die der Hisbollah die Schuld am Konflikt geben, werden lauter - leben jedoch gefährlich.



        Das bedeutet:



        Wie die Hamas in Gaza hält die Hisbollah die Bevölkerung



        im Libanon in Geiselhaft.

      • @Nina Janovich:

        ""...offen das Ziel eines Großisraels verfolgt und die Strategie der verbrannten Erde propagiert.""



        =



        1.. Die Hisbollah untergräbt die libanesische Souveränität, indem sie als "Staat im Staate" agiert, ein eigenes, der libanesischen Armee überlegenes Militärarsenal unterhält und ohne staatliche Zustimmung Kriege führt. Trotz ihrer Rolle als politische Partei im Parlament kontrolliert sie große Gebiete und entscheidet autonom über bewaffnete Konflikte, was die Autorität der Zentralregierung massiv schwächt.



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        Die Forderung nach Entwaffnung der Hisbollah ist ein zentraler, UNGELÖSTER INNERLIBANESISCHER Konflikt.



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        2..Die Hizbollah teilt sich in eine politische Partei und ind in eine bewaffnete terroristisch agierende Miliz auf. Die Politik und das Selbstverständnis der Hisbollah speisen sich aus islamistischen Positionen und set ihrer Gründung steht der terroristische bewaffnete Kampf gegen Israel im Zentrum ihres Handelns.



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        3.. Welche Macht der Iran über Hisbollah ausübt erkennen sie darn das der souveräne Libanon den iranischen Botschafter ausgewiesen hat - aber Mohammed Resa Scheiban sich dieser Aufforderung widersetzt.