Kosten der Fußball-WM: Fifa lässt Ausrichterstädte in USA auf Geld warten
Je eine Million Dollar hat Infantino den US-amerikanischen Ausrichterstädten der WM versprochen. Während die nun darauf warten, ziehen ihre Kämmerer Bilanz.
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G ianni Infantino hat viel um die Ohren in diesen Tagen, er hat alle Hände voll damit zu tun, seine Präsidentschaft gegen Attacken von allen Seiten zu verteidigen. Da kann man ihm vielleicht nachsehen, dass er für Anfragen von US-Städten für ein paar läppische Millionen Dollar zurzeit keinen Kopf hat.
Die US-amerikanischen Ausrichterstädte des WM-Turniers haben jedoch nur wenig Geduld mit Infantino und der Fifa. Die Kämmerer von Seattle, San Francisco, Los Angeles, Dallas, Houston, Kansas City, Atlanta, Philadelphia, New York/New Jersey, Miami und Boston rechnen gerade ab, was die WM sie gekostet und was sie ihnen gebracht hat und wollen wissen, ob von der Fifa da noch etwas kommt. Infantino und mehrere Mitglieder des Fifa-Vorstandes sollen den Städten einen Zuschuss von je einer Million Dollar mündlich versprochen haben. Doch jetzt geht in Zürich niemand ans Telefon, wenn ein Anruf aus den USA kommt.
Die Fifa-Million wäre freilich nur ein symbolischer Beitrag zu den Kosten, die den Städten entstanden sind. Die Region New York/New Jersey etwa hat rund 500 Millionen Dollar für die WM ausgegeben. Das Gros der Kosten wurde für Sicherheit, Transport und Infrastrukturmaßnahmen aufgewendet.
Der Staat New Jersey hatte sich von Anfang an angesichts dieser Ausgaben bockig gezeigt. Die demokratische Gouverneurin Mickie Sherill zeigte wenig Lust, die Versprechen zu ehren, die ihre republikanische Vorgängerin Infantino gemacht hatte, und sagte etwa ein teures Fanfest kurzerhand ab. Den öffentlichen Verkehr zum Stadion sah sie als nicht finanzierbar an und verlangte von den Ticketinhabern 150 Dollar pro Fahrt zu den Spielen. Den Bau einer neuen Fußgängerbrücke zum Stadion für 78 Millionen Dollar nahm sie immerhin zähneknirschend in Kauf. Sie wird ja schließlich auch in Zukunft den Besuchern der Footballspiele im Met Life Stadium zugutekommen.
Berechnungen für US-Wirtschaft zu optimistisch
Das deutlich reichere New York hat das Geld für die WM wesentlich freizügiger ausgegeben. Bürgermeister Mamdani sah die Weltmeisterschaft weniger betriebswirtschaftlich und eher soziokulturell. Für ihn war es eine grandiose Gelegenheit für die Stadt, ungeachtet der sozialen Schicht und der Ethnie zusammenzukommen.
Billig war das Vergnügen jedoch nicht. Die Stadt gab alleine für Polizeiüberstunden 93 Millionen Dollar aus. Der Beitrag zum gemeinsamen Organisationskomitee mit New Jersey belief sich auf 61 Millionen.
Ob sich das alles gelohnt hat, ist, wie so oft bei solchen Anlässen, schwer zu beziffern. Das Organisationskomitee hatte ursprünglich mit einem wirtschaftlichen Plus von mehr als drei Milliarden Dollar für die Region gerechnet. Der ehemalige Bürgermeister von Jersey City, Steven Fulop, Direktor einer einflussreichen Vereinigung New Yorker Geschäftsleute, glaubt jedoch, dass solche Berechnungen viel zu optimistisch waren.
So war die Hotelauslastung in New York zwar 21 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Die erhofften zusätzlichen 300 Millionen Dollar für das Gewerbe wurden jedoch nicht erreicht. Die Anzahl der Uber-Fahrten stieg deutlich an und in den Kneipen wurde 14 Prozent mehr Bier verkauft. Das Fahrrad-Share-Netz Citi Bike verbuchte im Juni eine Rekordnutzung und die Datingapp Tinder wurde von Fußballfans enthusiastisch genutzt. Die Stadt New York schätzt, dass sie mindestens 26 Millionen Dollar an höheren Steuereinnahmen erzielt hat.
Fifa-Einnahmen insgesamt bei 15 Milliarden Dollar
Insgesamt hatte die WM für die US-Wirtschaft jedoch kaum einen nennenswerten Vorteil. Die Tourismuszahlen gingen landesweit nicht in die Höhe, die Flugpreise stiegen nicht. Es wurden weder im Tourismusgewerbe noch im Einzelhandel Jobs geschaffen.
Die wirtschaftlichen Vorteile für die Fifa sind hingegen bestens bekannt. Der Verband nahm rund 15 Milliarden Dollar ein. Umso weniger verständlich ist es, dass die Ausrichterstädte nicht als kleines Dankeschön ihre Million bekommen.
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