Konzertempfehlungen für Berlin: Grenzgängerei zwischen Schlaf und Klang
Ein Weekender ersetzt – vorläufig – das XJAZZ!-Festival, und bei Biegungen im Ausland spielt man mit archivierten Klängen.
Foto: Alexandra Bondarev
I m März wurde das für musikalisches Grenzgängertum geschätzte XJAZZ!-Festival abgesagt, weil die Kulturverwaltung zugesicherte Fördergelder nicht freigegeben hatte – was nicht zuletzt für hitzige Diskussionen über bürokratische Hürden sorgte. Nun soll es im Herbst stattfinden; zum ursprünglichen Termin findet ein Weekender statt, der sich zum Mini-Festival ausgewachsen hat.
Am Freitag gibt es etwa eine Tribute-Show der Afrobeat Academy für den unlängst verstorbenen Ebo Taylor. Die späte internationale Karriere des Ghanaers war dank einer Kooperation mit der Berliner Combo überhaupt ins Rollen gekommen. Am Sonntagmittag lockt neben Yoga ein Lovedancin’-Takeover der DJs Tereza und Tom Kutsche, zusammen mit der BBC-Radiolegende Gilles Peterson. (28.–31. 5., diverse Orte, Infos gibt es hier).
An Max Turner kann man im Berliner Popbetrieb der späten 1990er und nuller Jahre kaum vorbei. Unter anderem arbeitete er mit Chilly Gonzales und war Mitbegründer der Handpuppen-Hiphop-Combo Puppetmastaz. Dann trieb sich Turner in der Welt herum, studierte etwa in Indien karnatischen Gesang. Was davon, grundiert von folkigen Laptop-Minimalismus, wohl auf seinem Solodebüt „Seeds Of The Unknown“ durchscheint? (30. 5., 20 Uhr, Salon Wellenmaschine, Tickets gibt es hier).
Oft ist derzeit von sozialer Isolation die Rede. Doch Alleinsein ist nicht gleich Einsamkeit, Rückzug kann befreiend sein. So schaut man bei der multidisziplinären Reihe „Being Alone – Artistic Perspectives from Central and East Asia and Beyond“ durchaus ambivalent auf die Gemengelage. Zum Abschluss will der japanische Gitarrist Seiichi Yamamoto das Publikum mit seiner „Sleeping Show“ tatsächlich „ambienten Schlaf als kollektive Einsamkeit“ erleben lassen. Mit dem Dösen im öffentlichen Raum hat man ja in Asien ja sowieso deutlich mehr Erfahrung. (31. 5., 20 Uhr, HAU 2, Tickets hier).
Foto: Losan Piatti
Der Hype um Zimmerpflanzen hat seit den Pandemiejahren neue Höhen erreicht. Doch wie sieht unsere Interaktion mit grünen Freunden tatsächlich aus – abgesehen davon, dass sie bei unzureichender Pflege die Blätter hängen lassen? Die Klangkünstlerin Cassis B Staudt verwandelt ihre bioelektrischen Impulse in Klang und geht mit der Fotokünstlerin Hadmut Bittiger der Frage nach, was sie für ihre Besitzer:innen bedeuten – und was das mit Migration und Erinnerung zu tun hat (30.+ 31. 5., Ausstellung 12–18 Uhr, Performances 13.30 + 15.30 Uhr, Kulturstall auf dem Gutshof Britz).
Ebenfalls Erinnerungsspeicher sind die Tonbänder und prähistorischen Bandmaschinen, mit denen Augustė Vickunaitė kurzweilige Kollagen aus Field Recordings und anderen Aufnahmen schafft. Außerdem bei diesem „Biegungen“-Abend zu Gast: die Londonerin Lara Jones und ihr ganz eigene Art von Clubmusik. Und auch das spanische Duo ZA! schöpft klanglich aus einem eklektischen Fundus (5. 6., 20.30 Uhr, Ausland).
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