Konzertempfehlungen für Berlin: Minimal und leise

Viel zu hören gibt es: Musik zwischen den Bäumen und leeren Stühlen etwa. Und in einer Ausstellung, wo es nichts zu sehen gibt.

Das norwegische Quartett Dans les arbres hinter funkelnden Kronleuchtern

Das norwegische Quartett Dans les arbres ist im ausland zu Gast Foto: Eve Lagger

Inzwischen hat es längst wieder begonnen, das Absagen, Verschieben und anderes an Notlösungen, mit denen Veranstalter auf die Lage zu reagieren sich gezwungen sehen. Einige Konzerte bleiben gleichwohl, dort, wo sich Platz zwischen den Sitzen leichter einräumen lässt, auch dort, wo ohnehin nicht viele Leute zusammenkommen können.

Im Ausland etwa steht am Sonnabend hoher Besuch aus dem hohen Norden an. Das norwegische Quartett Dans les arbres spielt in der Reihe Biegungen im ausland. Vier sehr eigene Köpfe versammelt dieses sehr ungewöhnlich improvisierende Ensemble: Der Pianist Christian Wallumrød, der Klarinettist Xavier Charles, ebenso Ivar Grydeland an der Gitarre und der Perkussionist Ingar Zach sind alle Künstler, die solo wie in wechselnden Konstellationen idiosynkratische Spielweisen kultiviert haben, die in dieser Gruppe wunderbar, meist eher zurückhaltend leise, zusammenfließen.

Um das im Konzert erleben zu können, sollten die 2G+-Regel und Maskenpflicht keinen allzu großen Aufwand bedeuten (Lychener Straße 60, 11. 12., 20.30 Uhr, 2G+ mit Maske, Eintritt 9 €, Tickets unter www.ticketbu.de).

Ebenfalls am Sonnabend bietet die Akademie der Künste in ihrer Ausstellung Nothingtoseeness ein Programm mit „Sound Effects“. Für die sorgen die Künstler Crys Cole, Arnold Dreyblatt und Phillip Sollmann alias Efdemin. Dreyblatt, der unter anderem das musikalische Konzept der „excited Strings“ als minimalistische Obertonmusik entwickelt hat, wird sein Werk „Blockage“ vorstellen, bei dem er elektronische Instrumente bedient, während Sollmann Plattenspieler und Signale beisteuert.

Der taz plan erscheint auf taz.de/tazplan und immer Mittwochs und Freitags in der Printausgabe der taz.

Sollmann selbst führt sein Stück „something is missing“ auf, in dem der alte DDR-Synthesizer Subharchord zum Einsatz kommt. Viel zu hören mithin (Finissage: Sound Effects, Hanseatenweg 10, 11. 12., 19 Uhr, 2G, mit Maske, EIntritt 9/6 €, Zeitfenster-Tickets: adk.de/tickets).

Und weil dreimal Bremer Recht ist, soll auch der dritte Hinweis auf ein Konzert am Sonnabend fallen. Diesmal mit etwas bewährterem Programm. Die Berliner Bach Akademie feiert Jubiläum. 30 Jahre nach ihrem Konzert am 1. Advent 1991 spielen deren Chor und das Orchester unter der Leitung Heribert Breuer erneut Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, Teil 1-3, dazu eine Transkription des Praeludium und Fuge BWV 549 für Orgel, das hier als Violinkonzert erklingt.

Ein bisschen ritualartige Traditionspflege kann in unübersichtlichen Zeiten vielleicht sogar helfen. Die Musik lohnt so oder so (Philharmonie, Kammermusiksaal, Herbert-von-Karajan-Str. 1, 11. 12., 20 Uhr, 2G, Maske, 35-20€, Tickets telefonisch unter 01806-57 0070 und 030-25488132 sowie über eventim.de).

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Jahrgang 1971, arbeitet in der Kulturredaktion der taz. Boehme studierte Philosophie in Hamburg, New York, Frankfurt und Düsseldorf. Sein Buch „Ethik und Genießen. Kant und Lacan“ erschien 2005.

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