Konflikt zwischen Äthiopien und Ägypten: Staudamm am Nil „läuft über“

Äthiopien feiert einen Erfolg am Blauen Nil und kündigt eine baldige Einigung mit Ägypten an. Die Afrikanische Union vermittelt weiter.

Satellitenaufnahme des Staudammes GERD

Satellitenaufnahme des Renaissance-Staudamms am Nil Foto: Handout/reuters

BERLIN taz | Der umstrittene äthiopische Renaissance-Staudamm am Oberlauf des Blauen Nils, gegen den Ägypten seit Jahren heftig Sturm läuft, füllt sich im geplanten Tempo. „In den vergangenen zwei Wochen Regenzeit ist es offensichtlich geworden, dass die Füllung des Stausees für das erste Jahr vollzogen ist“, teilte die äthiopische Regierung am Dienstagabend mit. „Der im Bau befindliche Damm läuft schon über.“

Vor einer Woche hatten Satellitenaufnahmen eine erhebliche Ausdehnung des Stausees belegt, und das Nachbarland Sudan flussabwärts hatte eine deutliche Verringerung des Wasserzuflusses bestätigt: Während normalerweise im Monat Juli insgesamt rund 7 Mil­liarden Kubikmeter Wasser den Blauen Nil hinunterfließen – knapp 240 Millionen pro Tag –, seien es jetzt 90 Millionen Kubikmeter pro Tag weniger. Äthiopien hatte dementiert, die Schleusen geschlossen zu haben, aber die Füllung des Stausees ließ sich nicht bestreiten.

Äthiopien sieht den Damm als alternativlos an, um seine 110 Millionen Einwohner, die derzeit fast ausschließlich auf Brennholz angewiesen sind, mit Strom zu versorgen. Ägypten hingegen fürchtet um seine Wasserversorgung und Landwirtschaft, sollte der Nil weniger Wasser transportieren.

Nach den äthiopischen Plänen soll der Damm in diesem ersten Jahr seiner teilweisen probeweisen Inbetriebnahme 4,9 Milliarden Kubikmeter Wasser zurückhalten. Dies ist jetzt erreicht, womit weitere Wasserströme in der laufenden Regenzeit ungehindert Richtung Sudan und Ägypten weiterfließen können.

Vor „umfassender Vereinbarung“

Dies könnte eine politische Lösung des Nilstreits befördern. Am Dienstag fand unter Leitung des südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Afrikanischen Union (AU) ein virtuelles Treffen zwischen den Staats- und Regierungschefs von Äthiopien, Ägypten und Sudan statt. Es erbrachte nach Angaben der äthiopischen Regierung „ein wesentliches gemeinsames Verständnis, das einem Durchbruch und einer Vereinbarung den Weg öffnet“.

Die drei Länder hätten sich darauf verständigt, nach weiteren „technischen Diskussionen“ eine „umfassende Vereinbarung“ zu schließen. Die ägyptische Regierung bestätigte dies.

Klar ist, dass Äthiopien sich als Gewinner sieht. Ägypten hatte darauf beharrt, dass Äthio­pien den Stausee erst nach einer Vereinbarung füllen darf. Äthiopiens Regierung hatte immer auf ihrem Recht bestanden, den Stausee auch ohne Vereinbarung zu füllen, und das ist jetzt geglückt.

Zahlreiche äthiopische Kommentatoren gratulieren ihrer Regierung jetzt in sozialen Netzwerken. Außenminister Gedu Andargachew schreibt: „Abay (der äthiopische Name für den Nil) war ein Fluss, aber jetzt ist er sowohl ein Fluss als auch ein See. Er wird weiter als Fluss fließen und als See dienen, der Äthiopien hilft, seine Entwicklungsziele zu realisieren. Abay gehört jetzt uns.“

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