Komplettabriss des SEZ: Gaeblers letzter Streich
Einen Tag nach der Wahl schafft der Berliner Bausenator Fakten. Das SEZ soll nun doch abgerissen werden – trotz Kritik von Linken und Grünen.
Auf den letzten Metern seiner Amtszeit will der Berliner Bausenator Christian Gaebler (SPD) wohl Nägel mit Köpfen machen – oder besser gesagt: ein Sportzentrum zu Staub. Denn das Sport- und Erholungszentrum – kurz SEZ – in Berlin-Friedrichshain soll jetzt doch komplett abgerissen werden. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) hat einen Tag nach der Abgeordnetenhauswahl, bei der Schwarz-Rot abgewählt wurde, den Abriss des geschichtsträchtigen SEZ ausgeschrieben.
Der DDR-Prestigebau aus den 80er-Jahren steht schon länger auf der Abrissliste des Senats. Trotz großen Widerstands stand für die WBM lange der Plan: Das SEZ muss vollständig abgerissen werden und über 600 neuen Wohnungen weichen. Ende Juni kam die Kehrtwende und Bausenator Gaebler verkündete, es werde geprüft, ob der zentrale Gebäudeteil doch erhalten bleiben könne.
Nach der Kehrtwende kommt jetzt die Rolle rückwärts: Am Montag schrieb die WBM die Schadstoffsanierung und den Rückbau des gesamten Gebäudekomplexes samt Außenanlagen aus. Die Arbeiten sollen am 15. März 2027 beginnen. In einem ersten Schritt würden nur der Rückbau des Brückengebäudes, Räumungen und die sogenannte Schadstoffsanierung in einzelnen Gebäudeteilen beauftragt, teilt ein WBM-Sprecher auf taz Anfrage mit. Ein neuer Senat hätte also voraussichtlich noch Zeit, in das Projekt einzugreifen.
Der alte Senat dürfe keine Fakten schaffen
Den Zeitpunkt der Ausschreibung einen Tag nach der Wahl ist für Julian Schwarze bezeichnend. Er ist Sprecher für Stadtentwicklung der Grünen im Abgeordnetenhaus und sagt der taz, es sei völlig klar, dass die aktuelle Regierung keine Mehrheit mehr im neuen Parlament habe: „Ein abgewählter Senat darf jetzt keine Fakten mehr schaffen.“ Der ganze Vorgang wirke auf ihn wie ein Alleingang des Bausenators und der WBM, „das macht die Sache noch absurder“, sagt Schwarze. „Wir wollen, dass das SEZ erhalten bleibt“, fordert er. Dafür müsse ein komplett neues Verfahren aufgesetzt werden. Es sei möglich, neuen Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig das SEZ für die Allgemeinheit zu erhalten.
Der Sprecher für Stadtentwicklung der Linksfraktion, Michael Efler, gibt in einer Pressemitteilung bekannt: „Der aufgehobene Stopp des vollständigen Abrisses des SEZ ist ein Schlag ins Gesicht der Initiativen, die sich seit vielen Jahren für einen Erhalt einsetzen.“ Die Linke fordert, eine unabhängige Machbarkeitsstudie für den Erhalt des DDR-Baus in Auftrag zu geben. Es solle untersucht werden, wie der Wohnungsbau mit einer Freizeitnutzung des alten Gebäudes kombiniert werden könne.
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