piwik no script img

Kommentar zur französischen LinkenNur Obstruktion geht nicht

Rudolf Balmer

Kommentar von

Rudolf Balmer

Falls die neue Senatsmehrheit nicht in der Lage ist, selber konstruktive Vorschläge zu machen, liefert sie dem unpopulären Präsidenten nur eine Ausrede.

D er Senat: Wer sich in Paris zur Linken zählt, spottet oder flucht seit je über diesen Altherrenklub. Mehrere Linksregierungen haben sich am Widerstand der zweiten Parlamentskammer schon die Zähne ausgebissen.

Seine erbittertsten Gegner wollten ihn kurzerhand abschaffen, so unrealistisch kam ihnen die Chance vor, eines Tages in diesem Oberhaus eine fortschrittliche Mehrheit zu erobern. Ausgerechnet dieser Senat wird nun zum Steigbügelhalter eines für 2012 angestrebten Machtwechsels.

Wie groß die Schlagkraft des Senats in der Oppositionsrolle ist, kann die französische Linke in den nächsten sieben Monaten, bis zu den Präsidentschaftswahlen im kommenden Frühling, testen. Die Versuchung ist groß, Präsident Sarkozys Rechtsregierung jeden möglichen Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

ist Frankreich-Korrespondent der taz in Paris.

Schon jetzt scheint es klar, dass der nach links gerutschte Senat die von Sarkozy vorgeschlagene Verankerung einer "Goldenen Regel", eines Verbots der Verschuldung des Staatshaushalts (Schuldenbremse), ablehnen wird.

Eine systematische Obstruktion könnte sich aber für die linke Opposition schnell als kontraproduktiv erweisen. Falls die neue Senatsmehrheit nicht in der Lage ist, selber konstruktive Vorschläge zu machen, liefert sie dem unpopulären Staatschef nur eine Ausrede.

Dieser wird dann sagen, seine Pläne seien halt sabotiert worden. Und die europäischen Partner wollen wissen, welche Alternativen in der Krisenpolitik die Linksunion hat, mit denen sie einer zukünftigen Regierungsverantwortung gerecht wird.

Diese unerwartete Mehrheit ist ein Vorschuss. Wenn die Linke meint, sich zurücklehnen zu können anstatt sich personell, strategisch und programmatisch zu positionieren, muss Sarkozy keine Angst vor ihr haben.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Rudolf Balmer

Rudolf Balmer Auslandskorrespondent Frankreich

Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft. Gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien) und die „Neue Zürcher Zeitung“.
Mehr zum Thema

0 Kommentare