Kommentar zum Vulva-Kommerz

Neue Wörter, keine Klamotten!

Die Luxus-Modemarke Fendi verkauft einen Schal in Form einer Vulva. Mit Feminismus hat das aber nichts mehr zu tun.

Ein Cupcake mit Cremefrosting

Sieht nicht ganz aus wie eine Vulva, aber fast Foto: unsplash/isaac chua

Wer Vulva trägt, ist im Trend. Das zeigt auch der neue Schal des Modeunternehmens Fendi, der sich, länglich und leicht oval geformt, mit rosa Falten und Fuchsfell um den Hals der Trägerin drapiert, Preis: 790 Euro. Wer ihn trägt, sieht aus, als würde er gerade geboren.

Die Vulva, ein präziser Begriff für das weibliche Geschlechtsteil, hat sich in feministischen Kreisen etabliert und ist irgendwann zum It-Piece mutiert. Zeigt es doch scheinbar die fortschrittliche Haltung der TrägerInnen: ein Tabubruch, das weibliche Geschlechtsorgan so offen zu zeigen: Feminismus, Revolution, viva la vulva!

Durch den ganzen Hype ist allerdings der Ursprung des Vulvatrends in Vergessenheit geraten. Denn das Deutsche kennt außer den Wörtern Vagina und Scheide fast nur abwertende Begriffe für das weibliche Geschlechtsteil, und die beziehen sich nicht auf den Teil, der von außen sichtbar ist, sondern auf den unsichtbaren inneren Teil. Klare Sache: ein anderes Wort musste her, das nicht wertend und vor allem sichtbar sein sollte. Vulva halt.

Ein Schal, der aussieht wie eine Vulva

Lässt einen aussehen wie neugeboren Foto: fendi

Die Kommerzialisierung der sichtbaren Weiblichkeit hat danach nicht lange gedauert. Vulva-Eis und Vulva-Cupcakes sind vor allem geschickte Vermarktungsstrategien, bei denen der feministische Ursprung hintenüberfällt. Für die PR zählt allein der krawalligste Vulvaverweis. Der Schal war in einem bekannten Designer-Onlineshop am Dienstagnachmittag jedenfalls schon ausverkauft.

Doch die Vulva muss raus aus dem plakativen Kommerz zurück auf die sprachliche Ebene. Und hinweisen auf das, was fehlt, nämlich: nicht diskriminierende Worte für weibliche Genitalien. Schamlippen zum Beispiel. Scham wofür? Sagt doch lieber: Vulvalippen.

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