Kommentar Wohnungsbau: Heikle Fragen für die Öko-Linke
Neubauten in der Stadt verschlechtern fast immer die Wohnqualität der Alteingesessenen. Doch keiner gibt gern zu, eigennützig zu protestieren.
N ichts bleibt, wie es ist. Und selbst AnwohnerInnen des Tempelhofer Feldes in Berlin, die sich gerne den Wind um die Nase wehen lassen, wenn sie über das Gras spazieren und den Feldlerchen lauschen, selbst die sagen sich mitunter mit einem schlechten Gewissen: Ja, es ist wunderschön hier, diese weite, leere Fläche mitten in einer europäischen Metropole. Wunderschön. Und sau-unfair.
Unfair ist, dass hier nicht mal eine Randbebauung politisch möglich ist, wegen des Volksentscheides in Berlin. Es mangelt an Tausenden von bezahlbaren Wohnungen, auch in anderen Metropolen. Wissenschaftler stellten auf der Münchner Messe BAU am Montag wieder entsprechende Zahlen vor. Aber der Neubau wird vielerorts verschleppt – wegen der Anwohnerproteste. Die Enge in den Metropolen hat zur Folge, dass das Instrument der Bürgerbeteiligung an Grenzen stößt. Die Frage auch an die Öko-Linke lautet: Welcher Wohnungsbau muss möglich sein, auch wenn die Interessen von Nachbarn dadurch verletzt werden?
Neubau in der Stadt verschlechtert fast immer die Wohnqualität der Alteingesessenen. Es gibt weniger Grün, weniger Sonne, weniger Blick, weniger Frischluftschneisen, weniger Parkplätze. Auch wenn das nicht so offen gesagt wird, es könnte ja zu egoistisch klingen. Mitunter findet sich eine seltene Tierart, die dringend geschützt werden muss, sodass auf der Brache nicht gebaut werden darf. All das hat mit „Egoismus“ nichts zu tun, es sind verständliche Interessenlagen der Alteingesessenen. Die haben aber nichts mit den Notlagen von Wohnungssuchenden gemein.
Die politische Lösung kann nur lauten: Bauen in der Enge muss sozial sein. Wie wäre es in Berlin mit: Ja zum Wohnen auf dem Tempelhofer Feld – aber nur am Rand und mit 80 Prozent geförderten Wohnungen. 1.000 Wohnungen für Normalverdiener, Familien, Senioren, StudentInnen. Da bleibt noch viel Platz für die Feldlerche. Es gibt sogar AnwohnerInnen, die heute dafür stimmen würden.
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