Kommentar Videoüberwachung in Schwimmbädern: Es fehlt an rechtlichen Standards
Was bei der Überwachung durch die Polizei haarklein geregelt ist, bleibt im privaten Bereich eher schwammig. Dabei gäbe es gerade in Schwimmbädern Möglichkeiten, die Technik sinnvoll einzusetzen.
W as bei der Überwachung durch die Polizei haarklein geregelt ist, bleibt im privaten Bereich eher schwammig. Genau hier liegt das Problem bei Kameras in Schwimmbädern wie dem „Wasserparadies“ in Hildesheim. Private Betreiber können auf ihr Hausrecht pochen, Kameras aufhängen und los filmen – bis sich jemand beschwert.
Eine flächendeckende Kontrolle der Rechtmäßigkeit von Kameras gibt es nicht. Das Bundesdatenschutzgesetz schreibt nur vor, dass es keine Anhaltspunkte dafür geben darf, dass bei einer Überwachung schutzwürdige Interessen von Betroffenen überwiegen. Dass es im Umkleidebereich eines Schwimmbades durchaus solche schutzwürdigen Interessen geben dürfte, drängt sich geradezu auf. Als Argument werden dann Fälle wie der Missbrauch eines Mädchens angeführt. Bloß: Verhindern können Kameras solche Übergriffe nicht, sie gaukeln Sicherheit nur vor. Mehr Kontrollen durch das Personal wären sinnvoller.
Sinnvoll wäre auch, verbindlich zu regeln, was wo gespeichert wird und wer Zugriff darauf hat. Oder entsprechende Zertifikate zu vergeben, wie es sie – wenn auch auf freiwilliger Basis – in Schleswig-Holstein gibt. Und gerade in Schwimmbad-Umkleiden könnte man über einen Notfall-Knopf nachdenken, der die Kamera anschaltet und das Personal alarmiert. So könnte die Technik wirklich helfen.
Nur noch 460 – dann sind wir 50.000
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert