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Kommentar Urteil zu CIA-Gefängnissen Europa ist kein Hinterhof

Christian Rath

Kommentar von

Christian Rath

Der Europäische Gerichtshof macht deutlich: Auch Terroristen haben Menschenrechte. Die USA könnten bald öfter auf der Anklagebank sitzen.

E uropäische Staaten dürfen keine Foltereinrichtungen der CIA auf ihrem Staatsgebiet dulden. Sonst verstoßen sie selbst gegen das Folterverbot. Das ist der Kern des Urteils, das der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte jetzt in Straßburg verkündete.

Europa darf sich nicht zum Handlanger für CIA-Praktiken machen lassen, die die Amerikaner – mit gutem Gefühl für Recht und Unrecht – nicht auf ihrem eigenen Staatsgebiet sehen wollen. Europa ist kein Hinterhof für schmutzige Geheimdienstmethoden, wie etwa das sogenannte Waterboarding. Europa ist keine Region minderer Menschenrechtsstandards.

Im Gegenteil. Das Straßburger Urteil nennt klar die Taten der USA und die Mithilfe Polens beim Namen und verurteilt diese als massiven Verstoß gegen europäische Menschenrechte. Gut, dass dieses Urteil einstimmig fiel.

Beschämend ist dagegen, dass ein stolzer Staat wie Polen – der sich selbst gern als europäische Führungsnation sieht – zu dieser Selbstkorrektur nicht in der Lage war. Obwohl die USA unter Präsident Barack Obama die Politik der CIA-Geheimgefängnisse längst aufgegeben hat, scheint der Druck der US-Regierung noch groß genug zu sein, dass die polnische Regierung keine Kritik zu äußern wagte und die polnische Justiz faktisch jede ernsthafte Untersuchung verweigerte und verhinderte.

Umso erfreulicher ist das schnörkellose Urteil des Gerichtshofs aus Straßburg. Es macht deutlich, dass auch Terroristen Menschenrechte haben und dass der Kampf gegen den Terror nie die eigenen Werte verraten darf. Das ist die Stärke Europas. Und daran müssen sich die europäischen Institutionen immer wieder selbst erinnern.

Polen hat vermutlich nicht damit gerechnet, sich je wegen der CIA-Unterstützung verantworten zu müssen. Genauso wie die Bundesregierung bis heute glaubt, die Zusammenarbeit des Bundesnachrichtendienstes mit der NSA unter der Decke halten zu können. Deshalb hat das Straßburger Urteil Wirkung über den konkreten Fall hinaus.

Wer heute Daten für das teilweise völkerrechtswidrige US-Drohnen-Mord-Programm liefert, könnte sich in einigen Jahren ebenfalls in Straßburg auf der Anklagebank wiederfinden. Deutschland sollte nun also nicht auf Polen herunterschauen, sondern schleunigst vor der eigenen Tür kehren.

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Christian Rath

Christian Rath Rechtspolitischer Korrespondent

Geboren 1965, Studium in Berlin und Freiburg, promovierter Jurist, Mitglied der Justizpressekonferenz Karlsruhe seit 1996 (zZt Vorstandsmitglied), Veröffentlichung: „Der Schiedsrichterstaat. Die Macht des Bundesverfassungsgerichts“ (2013).
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5 Kommentare

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  • Ein schönes Urteil und ein im Prinzip guter Kommentar. Nur zwei Dinge:

    a) Die USA sitzen hier nicht auf der Anklagebank. Durch vertraglich zugesicherte Immunität und politischen Druck wird hier weder ermittelt noch angeklagt. Auf der Anklagebank sitzen lediglich die Polen, die dies zugelassen haben. Indirekt übt dies auch Druck auf die USA aus. In Deutschland geht die Immunität so weit, dass selbst Zivilbeschäftigte Deutsche nicht in Deutschland für Straftaten zur Rechenschaft gezogen werden können, die sie für die USA verüben.

    b) Polen ist mit seiner Politik des Wegsehens nicht allein. In vielen Ländern der EU ist die Staatsanwaltschaft weisungsgebunden und übt sich hier in massiver Strafvereitelung. Lediglich Italien und Spanien sind hier eine Ausnahme.

     

    Leider gibt den beiden Verschleppten dieses Urteil keine Freiheit. Sie sind weiterhin illegal eingesperrt. Zwar sind 100.000 € Schadensersatz ein Zeichen des EGMR - wichtiger wäre jedoch gewesen die Polen zu verpflichten alles dafür zu tun, dass die beiden frei kommen und z.B. nach Polen zurück können - angeblich will Obama ja Guantanamo schliessen und es fehlen ihm nur die Aufnahmeländer für die unschuldig und illegal festgehaltenen sowie gefolterten Menschen.

    Der EMGR hätte Polen für jeden weiteren Tag des illegalen Festhaltens in Guantanamo eine weiteren Schadensersatz von 10.000 € zusprechen sollen, dies hätte die Chancen auf Freilassung vermutlich deutlich verbessert.

    • 4G
      4845 (Profil gelöscht)

      @Velofisch:

      Auch in Deutschland gibt es mit Sicherheit CIA-Foltergefängnisse und Verschleppungen durch die USA. In dem Spiel spielen leider alle europäischen Länder mit. Etwas anderes zu glauben wär naiv.

  • Was für ein Satz !

    Kann man den als klassisches Paradoxon gelten lassen ? ^^

     

    " ... Europa darf sich nicht zum Handlanger für CIA-Praktiken machen lassen, die die Amerikaner – mit gutem Gefühl für Recht und Unrecht – nicht auf ihrem eigenen Staatsgebiet sehen wollen. ..."

  • Polen ist nicht der einzige Staat, der sich zum Handlanger dubioser US-Praktiken machte und noch macht.

    • 4G
      4845 (Profil gelöscht)

      @vic:

      Deutschland ist als NATO-Mitglied ebenso daran beteiligt wie Polen.