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Kommentar UkraineEs braucht einen dritten Weg

Bernhard Clasen

Kommentar von

Bernhard Clasen

Die Wahl zwischen Putin oder Europa ist die falsche. Von der EU werden die ukrainischen Freiheitskämpfer zukünftig nicht viel erwarten können.

S pätestens seit der Verabschiedung der jüngsten Gesetze, die die Meinungsfreiheit weiter einschränken, hat Janukowitsch seinen Kredit verspielt. Er sollte gehen, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. Danach sieht es allerdings überhaupt nicht aus.

Die gleichen westlichen Politiker, die die ukrainischen Freiheitskämpfer heute bejubeln, bieten ihnen morgen allenfalls den Katzentisch in Europa an. Eine Annäherung an die Europäische Union wird vor allem die ukrainische Landwirtschaft im Westen des Landes zu spüren bekommen, wenn das Land mit billigen europäischen Agrarprodukten überschwemmt werden wird. Und in der CSU-Zentrale dürften heute schon die Blaupausen für eine Kampagne gegen ukrainische „Sozialtouristen“ liegen.

Die Ukraine sollte sich nicht die Wahl zwischen Putin oder EU aufzwingen lassen. Es gibt auch einen dritten Weg. Für die geostrategisch denkenden Politiker der Ukraine wird der aber keine Option sein. Diese versprechen sich ihr Heil stets entweder von einer Umarmung Putins oder aber einer Mitgliedschaft in der EU.

Den Protestierenden ist dieses Blockdenken indessen weitgehend fremd. Sie wollen einen korrupten Präsidenten loswerden und so leben, wie sie sich ein gutes europäisches Leben vorstellen. Sie werden also Druck auf die Politik ausüben müssen. Einfach wird ein dritter Weg für ein Land, das keine Bodenschätze hat, nicht werden. Ständig wird ein Ausgleich zwischen europäischen und russischen Interessen nötig sein.

Doch ein „Putin oder die EU“ könnte für die Ukraine, deren Westen sich an Europa orientiert und deren Osten sich Russland zugehörig fühlt, eine Zerreißprobe bedeuten, die letztlich die Existenz des Landes in seiner heutigen Form gefährdet.

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Bernhard Clasen

Bernhard Clasen Journalist

Jahrgang 1957 Ukraine-Korrespondent von taz und nd. 1980-1986 Russisch-Studium an der Universität Heidelberg. Gute Ukrainisch-Kenntnisse. Schreibt seit 1993 für die taz.
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3 Kommentare

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  • L
    Landwirt

    Einbussen für die Landwirte im Westen der Ukraine - wie im Artikel angeführt - sehe ich im Allgemeinen nicht. Sowohl Getreide als auch Milch werden auf Erzeugerebene zu niedrigeren Preisen gehandelt. Fleisch ist tatsächlich etwas teurer. Wer Einbussen erleiden würde sind wohl die grossen Händler, die zur Erntezeit die Produkte billigst bei den Bauern kaufen und später mit ihren Exportlizenzen kräftig Kasse machen.

  • S
    stretchko

    Noch eine weitere Ergänzung:

     

    "US-Energiefirma verspricht Ukraine Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten"

     

    Freiheit und fossile Energie - Eine amerikanische Erfolgsgeschichte!

     

    Quelle: http://de.ria.ru/business/20080415/105148341.html

  • S
    stretchko

    Keine Korrektur den Bodenschätzen der Urkaine: "Die Rohstoffbasis der Ukraine umfasst verschiedene Metalle und Kohle. Etwa 5 % der weltweiten Eisenerzvorkommen liegen in der Ukraine. Dazu kommen Bauxit, Blei, Chrom, Speckstein, Gold, Quecksilber, Nickel, Titan, Uran und Zink. Am Schelf des Schwarzen Meeres wurden Erdöl- und Erdgasreserven entdeckt.[53] Der Anteil der Schwerindustrie an der Gesamtwirtschaft übertraf selbst den des ebenfalls schwerindustriell geprägten Polens um mehr als das Doppelte. 70 % der Industrieproduktion erfolgte 1991 in den Sektoren Maschinenbau, Schwarzmetallurgie (Eisen und Stahl), Energie, Chemie, Papier und Baumaterialien."

     

    Quelle: Wikipedia