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Kommentar Türkische Panzer in SyrienErdoğan markiert sein Revier

Jürgen Gottschlich

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Jürgen Gottschlich

Der Kampf gegen den IS ist kaum mehr als ein Vorwand für den Einmarsch in Syrien. Mit dem aktiven Kriegseintritt steckt Ankara Einflusszonen ab.

I n einer emotionalen Rede bezeichnete der türkische Präsident Erdoğan den in der Nacht zu Mittwoch begonnenen Einmarsch in Syrien als Selbstverteidigungsmaßnahme. Doch der Kampf gegen den IS ist für den türkischen Einmarsch wenig mehr als ein Vorwand.

Der Zeitpunkt der seit vielen Monaten immer wieder diskutierten Militäroperation wurde denn auch nicht durch IS-Raketenbeschuss diktiert, sondern durch den Vormarsch der mit der PKK verbündeten syrischen Kurdenmiliz YPG. Mit dem Angriff auf Jerablus will die Türkei der YPG zuvorkommen, die ebenfalls die letzte noch vom IS kontrollierte größere Stadt an der türkischen Grenze erobern will.

Aus allen Stellungnahmen türkischer Spitzenpolitiker im Laufe des gestrigen Mittwochs ergibt sich, dass die Türkei nach langem Zögern nun in Syrien zu einem ernst zu nehmenden militärischen Akteur werden will. Die kurdische Miliz soll auf die östliche Seite des Euphrat zurückgedrängt und anschließend soll die lang debattierte Pufferzone entlang der Grenze eingerichtet werden. Es dürfte kein Zufall gewesen sein, dass der Angriff just an dem Tag begann, als US-Vizepräsident Biden in Ankara landete.

Wie schon zuvor mit dem Auftritt der Russen in Syrien werden die USA sich nun auch mit dem Militäreinsatz ihres Nato-Verbündeten Türkei arrangieren müssen. Konkret heißt das, sie werden die Kurden – mit denen sie im Kampf gegen den IS seit 2014 eng kooperiert haben – drängen, ihren Vormarsch nach Westen zu stoppen, um eine direkte Konfrontation mit türkischen Truppen zu vermeiden. Weigern sich die YPG-Milizen, könnte es sein, dass die USA sie fallen lassen – und die Kurden zum ersten Opfer bei der Neuordnung Syriens werden.

Mit dem aktiven Kriegseintritt der Türkei dürfte der Syrienkrieg in seine letzte Phase gehen. Jetzt werden die Einflusszonen abgesteckt, die bei einem zukünftigen Waffenstillstand das neue Syrien vorerst ausmachen werden.

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Jürgen Gottschlich

Jürgen Gottschlich Auslandskorrespondent Türkei

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2 Kommentare

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  • So nennt man das also heutzutage, wenn man einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen ein Nachbarland führt: man “markiert sein Revier” und “steckt Einflusszonen ab”.

     

    Interessant.

     

    Aber die Türkei ist ja schliesslich NATO-Partner, die darf das. Oder?

  • Da werden sich Türken und Russen wohl bald wieder in die Haare kriegen. Nicht wegen ihres öffentlich propagierten Kampfes gegen den IS, sondern wegen ihrer sonstigen Kriegsziele, die sie darüber hinaus noch haben.

     

    Die neuerwachte "türkisch-russische Freundschaft" ist in Gefahr, ehe sie noch richtig begann. Bin gespannt, wie's weitergeht!