Kommentar Stromnetze : Netzhoheit für Energiewende
Leitungsnetz in Bürgerhand: Dieser Idee sollte sich keiner verschließen, der die Energiewende tatsächlich will.
D as ist im Grundsatz eine gute Idee, das Stromleitungsnetz selbst auszubauen. Vor allem deshalb, weil es deutlich macht, dass niemand bei der Energiewende auf die großen Konzerne warten sollte und schon gar nicht warten muss. Es geht auch ohne sie, und es wird ohne sie im Zweifel rascher gehen.
Neue Stromnetze für saubere Energien können selbstverständlich auch andere als die Stromkonzerne errichten und betreiben. Das könnten auch mittelständische Versorger tun. Gesellschaftsformen unter Einschluss von Firmen, von Kommunen oder Kreisen und von Privatmenschen, die Anteile zeichnen, sind möglich. Und letztlich geht es dabei auch darum Geld zu verdienen: Stabile Renditen von vier Prozent sind eine seriöse Perspektive.
Die Konzerne, die jetzt die Netzhoheit inne haben, verfolgen in erster Linie eigennützige Interessen, vor allem die Produktion von Energie in zentralen Großkraftwerken. Deshalb ist die dezentrale Erzeugung und Verteilung von Strom eine wesentliche Voraussetzung für eine Zukunft mit erneuerbaren Energien. Und das schließt die Verfügung über die Netze ein.
Auch Hamburgs SPD-Senat sollte sich das nochmal durch den Kopf gehen lassen. Das erfolgreiche Volksbegehren für die Re-Kommunalisierung der Netze vor einem Monat ist dafür eine nachdrückliche Aufforderung. Der sollte sich nicht verschließen, wer die Energiewende tatsächlich will.
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert