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Kommentar Schanzenfest Unnötiges Finale

Kommentar von

Kai von Appen

Es ist zu begrüßen, dass die Polizei sich zunächst zurückhielt, und den Anwohnern und autonomen Rotfloristen die Chance gab, die Randale selber in den Griff zu bekommen - was auch gelang.

E s ist wohl nicht zu verhindern, dass eine Handvoll Idioten ein schönes Straßenfest mit 10.000 Besuchern in Solidarität mit den von Sozialabbau gebeutelten Griechen am Ende missbrauchen, um im Suff ihre Gewaltorgien auszuleben. Die Vorfälle haben die Veranstalter zu Recht fassungslos und wütend gemacht, wie es aus der Roten Flora hieß.

Im Vorfeld war es wenig nützlich, dass die Polizei die Region zum spätabendlichen Gefahrengebiet erklärt hat – es lockt zusätzlich diejenigen an, die glauben, hier könnte noch was abgehen. Zum Beispiel Touristen aus Bayern, die an der Elbe noch was erleben wollten. Zudem ist ein Gefahrengebiet – was immer man von ihm hält – ein untaugliches Mittel, um Randalierer aus einer Menschenmenge auf der Piazza herausfiltern.

Insofern war es begrüßenswert, dass die Polizei sich zunächst zurückgehalten hat, und den Anwohnern und autonomen Rotfloristen die Möglichkeit gegeben hat, die Randale selber in den Griff zu bekommen – was auch gelungen ist, auch wenn der Preis mit zwei Verletzten hoch war. Nicht nachzuvollziehen ist, dass zu später Stunde, als die letzte Barrikade gelöscht war, die Polizei doch noch ihr alljährliches Finale durchzieht und wegen einer beschädigten Bankscheibe mit Wasserwerfern die komplette Schanze räumt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kai von Appen Hamburg-Redakteur

Jahrgang 1956, Seit 1983 bei der taz – zuerst bei der taz.hamburg und jetzt bei der taz.nord in Hamburg. Ressorts: Polizei, Justiz, Betrieb und Gewerkschaft. Schwerpunkte: Repression, progressive Bewegungen und Widerstand gegen Gentrifizierung
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5 Kommentare

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  • B
    blue

    vermummte mit haßparolen wie "antifafotzen" sollen unpolitisch sein??? kommt niemand der verdacht, daß hier sog. anti-antifa=nazis aktiv waren??

  • S
    Stefan

    die Polizei hätte zuschauen sollen wie die Bank zerstört wird? Das ist doch naiv.Oder wie soll man von Appen verstehen? Hätte sie auch zuschauen sollen als Linke vor einiger Zeit einen Brandanschlag auf die Polizeiwache in der Schanze verübten? Nun wurde doch überall auf dem Fest zur Revolte aufgerufen, zu : Fuck the police usw. Revolte ist nun mal nicht Ringelpietz sondern Gewalt. Mir scheint, gewaltbereite Linke haben jahrelang in der Schanze die Besen gerufen, die sie nun nicht wieder loswerden und haben einen Gewalttourismus gepampert, der sich irgendwann sogar gegen sie selber richten kann.

  • CR
    Claudia Roth

    Das müssen wir aushalten. So ein bisschen Sticheleien, das kommt doch überall vor.

  • T
    Thorsten

    Ich gabe Pablo recht. Warum haben wir eigentlich das Gewaltmonopol an den Staat abgegeben, der dafür im Idealfall alle gleichermaßen schützen soll, wenn wir hinterrücks das Faustrecht des Stärkeren wieder einführen. Es ist völlig unverständlich, dass der direkte Konflikt: Bürger(hier: Anwohner) gegen Angreifer wieder als "vernünftig" gefeiert wird. Bedeutet links zu sein neuerdings Ja zur Aggression?

  • P
    pablo

    Kai von Appen hat Recht es ist nicht zu verstehen warum die Polizei erst eingeschritten hat als die Haspa wie immer angegriffen wurde, da war es schon zu spät. Das Eingreifen hätte viel früher geschehen müssen nämlich zu dem Zeitpunkt als Unschuldige mit Messern angegriffen und verletzt wurden.