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Kommentar Polizisten-Kennzeichung Ein überfälliger Schritt

Christian Jakob

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Christian Jakob

Das Argument von Innenpolitikern, die nun vorgesehene Nummer "schaffe Distanz" ist ein durchsichtiger Versuch, per Identitätsverschleierung eine stille Motivationsreserve für unrechtmäßiges, gewaltsames Vorgehen zu wahren.

D ie Entscheidung, Polizisten bei Demos künftig eindeutig zu kennzeichnen, wird in doppelter Hinsicht heilsame Wirkung haben. Direkt identifizierbare Beamte werden sich zweimal überlegen, ob sie sich in Gegenwart vieler Zeugen die Gewalttätigkeiten leisten, die bei Demonstrationen immer wieder zu beobachten sind. Zudem haben Opfer von Polizeigewalt künftig weit bessere Chancen, sich juristisch zur Wehr zu setzen. Bisher war das fast unmöglich. Ausgerechnet in dem Bereich, in dem es zur unmittelbarsten Konfrontation zwischen staatlichem Gewaltmonopol und Bürger kommt, hielt der Staat es nicht für nötig, transparent zu sein.

Umgekehrt ist das Begehren, zu wissen, mit wem man es zu tun hat, umso größer: Bei Demos filmen üblicherweise mit Sturmhauben vermummte Beamte alles und jeden ab, bei verdachtsunabhängigen Kontrollen werden Personen immer wieder in polizeiliche Datenbanken eingespeichert. Am Zustand einer anonymen Polizeimacht kann nur festhalten wollen, wer ihr die Möglichkeit erhalten will, zur Not eben auch mal jenseits des rechtlich zulässigen Hand anlegen zu können. Das von Innenpolitikern vorgebrachte Argument, die nun vorgesehene Nummer "schaffe Distanz" ist ein durchsichtiger Versuch, per Identitätsverschleierung eine stille Motivationsreserve für unrechtmäßiges, gewaltsames Vorgehen zu wahren.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Christian Jakob

Christian Jakob Reportage & Recherche

Seit 2006 bei der taz, zuerst bei der taz Nord in Bremen, seit 2014 im Ressort Reportage und Recherche. Im Ch. Links Verlag erschien von ihm 2023 "Endzeit. Die neue Angst vor dem Untergang und der Kampf um unsere Zukunft". Seit 2019 gibt er den Atlas der Migration der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit heraus. Zuvor schrieb er "Die Bleibenden", eine Geschichte der Flüchtlingsbewegung, "Diktatoren als Türsteher" (mit Simone Schlindwein) und "Angriff auf Europa" (mit M. Gürgen, P. Hecht. S. am Orde und N. Horaczek); alle erschienen im Ch. Links Verlag. Seit 2018 ist er Autor des Atlas der Zivilgesellschaft von Brot für die Welt. 2020/'21 war er als Stipendiat am Max Planck Institut für Völkerrecht in Heidelberg. Er ist Autor von Hörfunkfeatures für SWR, Deutschlandradio und ORF und Mitglied im Beirat des Mediendienst Integration. Auf Bluesky: chrjkb.bsky.social
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