Kommentar Pofalla und die NSA-Affäre : No spy – no sense
Kanzleramtsminister Pofalla hat versucht, den NSA-Späh-Skandal mit Versprechungen zu beenden. Ein Auftritt voller Widersprüche und Leerstellen.
B eruhigend klingt das nicht: „Es gibt in Deutschland keine millionenfache Grundrechtsverletzung“, versicherte Geheimdienstkoordinator Ronald Pofalla gestern nach der Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr). Aber einige hunderttausend Fälle könnten es schon sein? Ausschließen will Pofalla nur das Schlimmste, eine „flächendeckende“ Überwachung der Deutschen durch die amerikanischen und britischen Geheimdienste NSA und GCHQ.
Um so erstaunlicher, dass Pofalla sich anschließend doch auf eine handfeste Aussage festlegte: NSA und GCHQ hielten sich bisher an „Recht und Gesetz in Deutschland“. Das ist eine mutige Behauptung - angesichts der windelweichen Aussagen der beiden Geheimdienste, die der Kanzleramtsminister gestern zitierte. Man kann nur raten, ob Pofallas Interpretation ein Zeichen von Blauäugigkeit, Frechheit oder Inkompetenz war.
Jedenfalls wird es auf Pofalla und die CDU zurückfallen, wenn sich doch noch handfeste Gesetzesübertretungen von NSA und GCHQ belegen lassen - zum Beispiel aus den Unterlagen Ed Snowdens.
Völlig rätselhaft wurden dann Pofallas Ankündigungen für die Zukunft. Die USA hätten den Abschluss eines „no spy“-Abkommens angeboten. Noch in diesem Monat sollen BND und NSA mit der Aushandlung des Vertrags beginnen. Wer aber wird hier vor US-Ausforschung geschützt? Die deutsche Bevölkerung oder doch nur der BND? Man kann nur auf ersteres hoffen, Pofalla nannte keinerlei Details.
Seltsam ist jedenfalls, dass das Abkommen von BND-Chef Gerhard Schindler ausgehandelt wird und nicht von der Bundesregierung. Da wird ausgerechnet ein Geheimdienstler zum Datenschützer gemacht, also der Bock zum Gärtner. Ed Snowden meinte, BND und NSA steckten „unter einer Decke“. Und jetzt schließen sie gemeinsam ein – vielleicht sogar geheimes -„no spy“-Abkommen. Unglaublich, womit uns die Bundesregierung abspeisen will.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert