piwik no script img

Kommentar "Northern Vitality" Auslaufverbot umschifft

Kommentar von

Kai von Appen

An den Ankündigungen des neuen Schiffseigners sind Zweifel angebracht.

E s stinkt zum Himmel. Da will eine Reederei seit Jahren ein giftiges Schiff ausmustern. Zuletzt war der Plan, die „Northern Vitality“ irgendwo in einem entfernten Winkel der Welt zu verschrotten.

So wäre es wohl auch gekommen – hätte die Nicht-Regierungsorganisation Shipbreaking Platform nicht auf den drohenden Umweltfrevel hingewiesen. Und hätte nicht – was selten genug gelingt – das niedersächsische Umweltministerium rechtzeitig gehandelt und den Kahn vor rund vier Wochen in Wilhelmshaven per Auslaufverbot an die Kette gelegt.

Bis zum gestrigen Freitag: Nun scheint es der Reederei durch einen pfiffigen Trick gelungen zu sein, das korrekte Handeln der Behörden – im wahrsten Sinne des Wortes – zu umschiffen.

Dabei sind erhebliche Zweifel angebracht an den Ankündigungen des neuen Schiffseigners, man wolle die „Vitality“ mitnichten verschrotten, sondern vielmehr reparieren lassen. Zumal dieser neue Eigner bloß eine Art Tochtergesellschaft des alten ist.

Man möchte geradezu Wetten abschließen, dass die „Northern Vitality“ im tiefsten Mittelmeer nicht ins Schwarze Meer und nach Bulgarien abbiegt, sondern doch Kurs aufs Rote Meer und nach Indien nimmt, wo am Strand bereits die Northern-Halbschwestern „Dignity“ und „Felicity“ zum Abwracken warten. Und währenddessen zuhause in Hamburg die Reederei H. Schuldt ihre Hände in Unschuld wäscht.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kai von Appen Hamburg-Redakteur

Jahrgang 1956, Seit 1983 bei der taz – zuerst bei der taz.hamburg und jetzt bei der taz.nord in Hamburg. Ressorts: Polizei, Justiz, Betrieb und Gewerkschaft. Schwerpunkte: Repression, progressive Bewegungen und Widerstand gegen Gentrifizierung
Mehr zum Thema

0 Kommentare