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Kommentar Nazi-Immobilien Nachher ist man schlauer

Andreas Speit

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Andreas Speit

Die Immobilie wäre günstig für die rechte Szene: gute Autobahnverbindung, dennoch abgeschiedene Lage, der Preis: erschwinglich.

D ie Immobilie wäre günstig für die rechte Szene: gute Autobahnverbindung, dennoch abgeschiedene Lage. Der Preis des „Landhaus Gut Schwanensee“ dürfte erschwinglich sein. Eine Mauer als Sichtschutz könnte auch ansprechen. Doch ist der Besuch des Geländes durch Neonazis vom realen Kaufwunsch motiviert?

In den vergangenen Jahren war es für die Gemeinden und Städte oft eine Herausforderung, wenn die rechte Szene sich für eine Immobilie zu interessieren schien. Über Wochen, manchmal sogar Jahre war ungewiss, ob in Dörverden, Delmenhorst, Grevesmühlen oder Faßberg ein Neonazizentrum entstehen würde.

Im Nachhinein muss man sagen: einzelne Zentren wie das in Grevesmühlen sind entstanden, noch öfter aber haben Interventionen von Verwaltung und Anwohnern das Schlimmste verhindert. Nicht völlig ausschließen lässt sich freilich, dass Neonazis Interesse nur bekunden, um den Preis hochzutreiben – und den Gewinn anschließend mit abzuschöpfen.

Der Stadt Delmenhorst wird gerne vorgeworfen, auf so einen Immobiliendeal reingefallen zu sein. Damals allerdings wollten Verfassungsschutz und Innenministerium nichts kategorisch ausschließen. In Isernhagen scheint sicher: Die Noch-Besitzerin will keine Geschäfte mit Neonazis machen, sie will das „Landhaus“ selbst nutzen. Ihr Anwalt hat darum versucht, die Zwangsversteigerung aufzuheben.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Andreas Speit

Andreas Speit Autor

Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).
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