Kommentar Militarisierung der Polizei: Task Force löst kein Drogenproblem

Die Polizei gibt den Druck nach unten weiter: An die mutmaßlichen Dealer, die sich nicht wehren können, weil sie als Illegalisierte keine Stimme haben.

Soll „clean“ werden: Die Polizei will auf St. Pauli gegen Drogen vorgehen Foto: dpa

HAMBURG taz | St. Pauli hat ein Drogenproblem – das bestreitet wohl niemand, der ab und zu durch die Talstraße oder die Seilerstraße läuft, wo Crack-Junkies wie Gespenster herumschlurfen oder hoffnungslos in Hauseingängen kauern. Von den Massen an Alkohol, die am Wochenende von wilden Horden internationaler TouristInnen und HamburgerInnen getrunken und ausgekotzt werden, ganz zu schweigen. Das wird im Sommer wieder schlimmer und darüber beschweren sich AnwohnerInnen seit Jahren vergeblich.

Und dann gibt es noch das Problem mit den Dealern: Dass sie den dreckigen Job machen müssen, den Feierwütigen Drogen zu verkaufen, weil die Nachfrage eben da ist und sie ohnehin keiner legalen Arbeit nachgehen dürfen.

Nur wird die Task Force diese Probleme nicht lösen. Sie zeigt lediglich, wie hilflos die Polizei ist. Irgendwas soll sie machen, oder will sie machen, damit der Eindruck entsteht, sie habe irgend etwas gemacht, um das Problem in den Griff zu bekommen. Damit gibt sie den Druck nach unten weiter: An die mutmaßlichen Dealer, die sich nicht wehren können, weil sie als Illegalisierte keine Stimme in der Gesellschaft haben. Was das bedeutet, hat sich im vergangenen Monat gezeigt: Einer von ihnen hat sich bereits umgebracht. Sein Suizid ist die tödliche Folge einer asozialen Politik.

Die Frage ist, ob sich die Situation überhaupt noch zuspitzen kann: Wenn die Polizei vor Privatgrundstücken nicht zurückschreckt, wenn sie Wohnhäuser belagert, angeblich um Dealer zu observieren – und ihr selbst nach dem Tod eines dieser Gehetzten nichts besseres, ja: nichts anderes einfällt als Aufrüstung: Wie weit kann, wie weit soll die Situation noch eskalieren?

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