piwik no script img

Kommentar Marokko und die AU Vorbild Afrika

Dominic Johnson

Kommentar von

Dominic Johnson

Dass Marokko wieder in der Afrikanischen Union ist, ist ein Zeichen der Solidarität in Afrika. Davon hängt die Zukunft des Kontinents ab.

M arokko ist 33 Jahre nach seinem Austritt nun wieder Mitglied der Afrikanischen Union (AU). Das klingt nicht nach einer aufregenden Nachricht, aber sie ist tatsächlich von historischer Bedeutung. Erstmals seit ihrer Gründung auf den Ruinen der Organisation für Afrikanische Einheit vertritt die AU jetzt den gesamten Kontinent Afrika, ohne Ausnahme.

Anders als ihr vermeintliches Vor- und Ebenbild EU gehört zum Selbstverständnis der AU immer, alle Afrikaner zu vertreten. Man tritt als afrikanischer Staat der AU nicht einzeln bei, vorbehaltlich der Erfüllung bestimmter Kriterien, wie bei der Europäischen Union. Man ist Mitglied, weil man afrikanisch ist, und wird höchstens im Falle eines Putsches suspendiert.

Dass Marokko seit 1984 außen vor blieb, weil die ehemals spanische, aber seit den 1970er Jahren von Marokko kontrollierte Westsahara als souveräner Staat und AU-Mitglied anerkannt ist, war seine eigene Entscheidung. Nun, da Marokko diesen „Mrexit“ rückgängig macht, wird es selbstverständlich wieder aufgenommen, ohne Fragen und auch ohne eine Klärung des Status der Westsahara. Vielleicht rückt eine Lösung dieses Konflikts, an dem sich die UNO jahrzehntelang die Zähne ausgebissen hat, jetzt näher, wo beide Kontrahenten in der AU miteinander auskommen müssen.

Am wichtigsten ist aber etwas anderes. Marokko wieder in der AU dabeizuhaben, ist ein sichtbares Symbol zunehmender Solidarität zwischen Afrika südlich und nördlich der Sahara – eine Solidarität, von der die Zukunft des Kontinents abhängt. Europa, das die Welt immer noch am liebsten nach Hautfarbe ordnet, das arabisch geprägte Nordafrika beharrlich zum Nahen Osten zählt und vom schwarzen „Subsahara-Afrika“ trennt, wird das hoffentlich auch irgendwann lernen.

Sonst sind alle Bemühungen, die Lebensverhältnisse in Afrika menschenwürdig zu gestalten und die Flüchtlings- und Armutskrisen zu überwinden, zum Scheitern verurteilt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Dominic Johnson

Dominic Johnson Ressortleiter Ausland

Seit 2011 Co-Leiter des taz-Auslandsressorts und seit 1990 Afrikaredakteur der taz.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • Werner W.

    Die AU ist ein Club ovn Möchtegern-Autoritäten, die überhaupt nichts mit der Überwindung irgendwelcher Flüchtlings- und Armutskrisen zu tun und auch kein Interesse daran hat.