Kommentar Kleingärten-Ausländerquote : Gärten sind für alle da
Eine Pachtvergabe nur an Deutsche, wie es ein der größte Kleingartenverein in Kiel erwägt, ist nicht akzeptabel. Politik und Verwaltung müssen das verhindern.
H ier wurden pauschale Vorwürfe gegen eine riesige Bevölkerungsgruppe – die Zuwanderer – erhoben. Die hielten sich nicht an Regeln. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde bringt es auf den Punkt, wenn er sagt, Regelneinhalten in Kleingärten sei für Deutsche wie Nichtdeutsche eine Herausforderung.
Und viele Regeln sind antiquiert. Dass eine Hecke nur 1,20 hoch sein darf oder immer auf einem Drittel der Fläche Gemüse angebaut werden muss, zum Beispiel. Das schreibt sogar ein Bundesgesetz vor, trotzdem ist es veraltet. Andere Regeln, etwa eine mittägliche Ruhepause für Rasenmäher und anderen Lärm, sind durchaus noch sinnvoll. Auch das Verbot von Kleintierhaltung mag nachvollziehbare Gründe haben. Hier gilt es zu reden und Lösungen zu finden. Und vermutlich ist es der richtige Weg, wenn die Stadt die Vereine von Aufgaben wie Pachteintreiben entlastet, damit Konfliktpotential reduziert wird.
Was gar nicht geht, ist eine Quotierung bei der Gartenvergabe nach ethnischer Herkunft. Zwar dürfen Vereine den Aufnahmeantrag eines Mitglieds ablehnen, solange sie keine Monopolstellung in ihrem Bereich haben. Doch die hier schon öffentlich angedrohte Praxis dürfen Politik und Verwaltung nicht dulden. Kleingartenflächen sind für die Erholung aller Stadtbewohner da.
Schön zu hören, dass die Wortführer der Kritik nicht „in der braunen Ecke“ stehen möchten. Nur sind sie dann gefordert, die Androhung zurückzunehmen und in Austausch mit Politik, Stadt und weiteren Verbänden zu treten. Die Berichterstattung in den Medien krankte daran, dass einseitig über Zuwanderer geschrieben wurde, ohne mit diesen zu reden. Ein Runder Tisch bietet sich an.
„Der Unterschied zwischen sich unglücklich ausdrücken und diskriminieren ist irgendwie hauchdünn“, klagte eine Leserin zum Kleingartenstreit. Die nun in Aussicht gestellte Sozialarbeit benötigen wohl auch die deutschen Gärtner, damit sie sich nicht um Kopf und Kragen reden.
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