Kommentar Kita-Streik: Zurück auf Los
Die Kita-MitarbeiterInnen konnten nicht genügend Druck aufbauen. Nun werden die Schlichter nicht in ihrem Sinn entscheiden.
A b Montag hat die Kita wieder geöffnet. Der Streik ist erst einmal vorbei. Doch während Eltern nun erleichtert aufatmen, beginnt für die ErzieherInnen in den Kitas und Horten, für Sozialarbeiter in Schulen, Jugendeinrichtungen und Behindertenwerkstätten nun das große Zittern.
Die Gewerkschaft Ver.di und die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände haben die Schlichter angerufen, weil sie sich nicht einigen konnten. Die Gewerkschaft fordert eine bessere Bezahlung für alle, die Kommunen wollen nur Zugeständnisse an einzelne Gruppen machen – diese extremen Positionen ließen sich auch in knapp 60-stündigen Verhandlungen nicht zusammenfügen.
Daher sollen nun Hannovers ehemaliger Bürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD), den die Gewerkschaft benannt hat, und eine weitere Person für die Arbeitgeber einen Kompromiss finden. Und sie beginnen ganz von vorn – mit dem Angebot der Arbeitgeber vom April, dass die Gewerkschaften als nicht annehmbar abgewiesen hatten und den Maximalforderungen von Ver.di, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und des Beamtenbundes.
Der Ausweg in die Schlichtung zu gehen, ist auch das Eingeständnis, dass die Erzieherinnen und Sozialarbeiter nicht genügend Druck auf die Kommunen ausüben konnten. Die Städte und Gemeinden sehen nämlich gar keine Notwendigkeit rasch auf die Streikenden einzugehen – im Gegenteil. Jeder Tag, an dem die Kita geschlossen und die Jugendhilfe unbesetzt bleiben, spart Geld. Allein im Mai sollen die Kommunen nach Berechnungen des Deutschen Jugendinstituts rund 80 Millionen Euro Personalkosten gespart haben. Das freut die Kämmerer.
Eine Verschnaufpause
Die einzigen, die mit jedem Streiktag nervöser und ungehaltener wurden, waren die Eltern, die ihre Kinder nicht in Kitas und Horte bringen konnten. Und das bekommen die ErzieherInnen zu spüren. Denn dieser Streik spielt sich vor allem auf dem flachen Land ab. Anders als in den Großstädten sind dort viele Kitas noch in kommunaler Hand. In den Kleinstädten und in den Dörfern, wo man sich beim Einkaufen über den Weg läuft, wo die ErzieherIn im Streik den Müttern und Vätern im Zwangsurlaub auf der Straße in die Augen sehen muss.
Mit erhobenem Kopf durch diesen Streik zu gehen, fällt den wenig streikerprobten Erzieherinnen und Sozialpädagogen auf Dauer schwer. Eine Verschnaufpause für ihre Mitglieder scheint daher aus Gewerkschaftssicht vernünftig.
Sollten es Ver.di und Co. jedoch nicht schaffen, nach einer solchen Zerreißprobe, tatsächlich ein nennenswertes Gehaltsplus für die Beschäftigten in den Kitas, bei den Jugendämtern und den Behinderteneinrichtungen herauszuholen, dann wird das nicht nur die Gewerkschaften, sondern auch den sozialen Berufen langfristig schaden.
Also sind die Gewerkschaften zum Erfolg verdammt. Der Arbeitskampf ist noch nicht zu Ende. Er ist nur ausgesetzt. Das müssen Eltern im Hinterkopf behalten.
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